Die Schweizer Börse hat am Dienstag nach einem über weite Strecken schwächeren Verlauf im Fahrwasser anziehender Kurse an der Wall Street die Verluste wettgemacht. Ein unerwarteter Anstieg des US-Konsumentenvertrauens leitete eine Erholung ein, sagten Händler. Der SMI schloss mit 8597 Punkten geringfügig höher als am Vortag.

US-Präsident Donald Trump und das Scheitern seiner Gesundheitsreform seien nach wie vor ein Thema, das die Anleger beschäftige. «Die Anleger hoffen, dass Trump mit anderen Vorhaben mehr Erfolg hat», sagte ein Händler. Doch dies werde sich erst zeigen müssen. Die Chancen für eine Wiederaufnahme der Trump-Rallye würden allerdings als eher gering eingestuft. «Hoffen wir, dass die Konjunktur schon genug Eigendynamik hat, um die Markterwartungen zu erfüllen», sagte ein Händler.

Dufry-Titel profitiert von Spekulationen

Im Fokus der Anleger standen die Aktien von Dufry, die nach einem Bericht des «Wall Street Journal» 3,5 Prozent auf 144 Franken stiegen. Laut der Zeitung will sich der chinesische Mischkonzern HNA an dem Duty-free-Shop-Betreiber beteiligen.

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Es sei unklar, ob HNA das Management von Dufry bereits kontaktiert habe. HNA hatte voriges Jahr die Schweizer Bordverpflegungsfirma Gategroup übernommen. Die Bank Vontobel sprach von einer für Dufry interessanten Option, weil die Firma dadurch besseren Zugang in China erhielte.

Nestlé bremst den Aufschwung

Als Bremse der Erholung wirkten die Kurseinbussen beim Marktschwergewicht Nestlé, dessen Aktien um gut 0,4 Prozent nachgaben.

Damit befand sich der Nahrungsmittelriese im Einklang mit den europäischen Mitbewerbern. Der Branchenindex schwächte sich leicht ab.

Roche lanciert Test

Die Titel der beiden ebenfalls als krisenresistent geltenden Pharmakonzerne Novartis und Roche traten praktisch auf der Stelle. Roche schlossen 0,1 Prozent im Plus. Der Krebsspezialist führt einen Test zur Erkennung des humane Papillomavirus (HPV) für sein Diagnosesystem Cobas 6800/8800 ein. HPV gilt als Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs und kann auch dazu verwendet werden, gefährdete Frauen zu identifizieren.

Die Anteile von Basilea sanken um 1,8 Prozent. Der zuletzt stark spekulativ gesuchte Pharmatitel konsolidiere den jüngsten Anstieg, hiess es.

Thiam verspricht Klarheit zum Börsengang

Die Aktien der Banken legten mehrheitlich zu. UBS und Credit Suisse gewannen gut ein Prozent. Die zweitgrösste Schweizer Bank will so bald wie möglich darüber entscheiden, wie sie ihr Kapital stärken kann. «Wir verstehen, dass der Markt Klarheit braucht und wir wollen die unbedingt liefern», sagte CEO Tidjane Thiam auf einer Anlage-Konferenz des Instituts in Hongkong.

Die Assekuranztitel dagegen tendierten uneinheitlich. Die Zurich-Aktien schlossen am Tag vor der Generalversammlung nahezu unverändert. Der Versicherungskonzern war am Vortag Spekulationen um eine milliardenschwere Kapitalerhöhung entgegengetreten.

Richemont und Swatch im Minus

Die Anteile zyklischer Firmen zeigten sich richtungslos. ABB, Clariant, LafargeHolcim und Geberit zogen an. Die Papiere der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch gaben dagegen rund 0,3 Prozent nach.

Am breiten Markt schlossen Newron nach einem schwachen Start etwas fester. In Mailand fand die Generalversammlung des Unternehmens statt. Bei den Aktien von Meyer Burger ging die Berg- und Talfahrt weiter. Der Titel ging 3,5 Prozent schwächer aus dem Handel.

Implenia im Plus

Die Anteile von Implenia legten 1,4 Prozent zu. Das Bundesgericht hat die Urteile des Obergerichts Zürich im Zusammenhang mit Mehrkosten beim Bau des Stadions Letzigrund und des Parkhauses Hardau aus formellen Gründen aufgehoben und an das Obergericht Zürich zurückgewiesen.

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Die Aktien von Leonteq stiegen um 5,2 Prozent. Händler sprachen von einer technischen Erholung nach der jüngsten Verkaufswelle. Die Aktien der Derivat-Boutique zählen zu den stark leerverkauften Schweizer Aktien.

GAM profitiert von Medienbericht

Die Anteile der GAM Holding gewannen knapp ein Prozent. Der aktivistische Hedge Fund RBS des Investors Rudolf Bohli drängt gemäss eines Berichts auf der Onlineseite der «Finanz und Wirtschaft» auf Kostensenkungen bei dem Asset Manager um rund 100 Millionen Franken. Wie Reuters bereits am 6. März berichtet hat, will RBS auch den Chef des Vermögensverwalters ersetzen.

(reuters/mbü)