Die Schweizer Börse ist wenig verändert in die neue Handelswoche gestartet. Der SMI machte leichte Eröffnungsverluste rasch wieder wett und notierte mit 8927 Punkten geringfügig tiefer als am Freitag. «Es ist nicht schlecht, dass wir uns auf diesem Niveau halten», sagte ein Marktstratege.

Die Vorgaben von der Wall Street und Tokio waren schwach. Enttäuschende Konjunkturdaten aus China hatten die Aktienmärkte in Asien merklich belastet. Die chinesische Industrie war im Oktober den dritten Monat in Folge geschrumpft.

Zinswende noch 2015 möglich

Grosse Sprünge erwarten Marktteilnehmer in den kommenden Tagen nicht. Nach den jüngsten geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank sei eine Zinswende in der weltgrössten Volkswirtschaft noch in diesem Jahr wahrscheinlicher geworden. Angesichts der relativ klaren Worten der Fed rechne etwa die Hälfte der Experten nun damit, dass die Notenbank im Dezember erstmals nach fast zehn Jahren an der Zinsschraube drehen wird.

Angesichts des anhaltend robusten US-Konsums werde wohl die Lage am US-Arbeitsmarkt das ausschlaggebende Kriterium für die Währungshüter sein. Vor den Jobdaten, die im Laufe der Woche veröffentlicht werden, dürften sich die Anleger daher kaum weit aus dem Fenster lehnen. Stark beachtet wird an den Finanzmärkten vor allem die monatliche Arbeitsmarktstatistik der US-Regierung, die am Freitag veröffentlicht wird.

«Scharfe Jahresschlussrallye erwarte ich nicht»

Nach der guten Entwicklung im Oktober - es war der drittbeste Monat in diesem Jahr - fehlten weitere kurstreibende Faktoren. «Die Luft ist ein bisschen draussen», sagte ein Aktienstratege. «Ich glaube nicht, dass wir weiter so durchmarschieren, wie bisher.» Ein gewisses Kurspotenzial gebe es in den beiden letzen Monaten aber durchaus. «Es ist gut möglich, dass wir noch über 9000 Punkte steigen», sagte der Experte. «Eine scharfe Jahresschlussrallye erwarte ich aber nicht.»

Impulse erhoffen sich die Marktteilnehmer von der andauernden Bilanzsaison. Von den Bluechips legen unter anderem die Grossbank UBS, der Versicherer Zurich Insurance, der Stellenvermittler Adecco und der Telekomkonzern Swisscom Zahlen vor. Roche informiert zudem auf einer Investorenveranstaltung in London über seine Entwicklungspipeline.

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Transocean an der Spitze

Bei den Standardwerten überwogen die Kursgewinner. An die Spitze setzten sich die Transocean-Aktien mit 2,1 Prozent Plus. Die Titel des Bohrplattform-Betreibers erholten sich von den Verlusten in der Vorwoche im Zuge der von den Aktionären gutgeheissenen Sanierungsmassnahmen. Auch der Ölpreis zog leicht an.

Gefragt waren auch die Aktien der UBS mit 1,6 Prozent Anstieg. Die Titel von Rivale Credit Suisse verloren leicht an Wert. Bei der Grossbank sind die Managementwechsel nach der Ernennung von Konzernchef Tidjane Thiam offenbar noch nicht abgeschlossen. Kommunikationschefin Clarissa Haller verlässt die Bank Ende November.

Finanzwerte gefragt

Generell waren Finanzwerte eher auf der Gewinnerseite zu finden, die Anteile der Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel rückten ein halbes beziehungsweise ein Prozent vor. Swiss Re zogen weitere 1,1 Prozent an. Der Rückversicherer hat mit einem Gewinnanstieg im dritten Quartal die Marktteilnehmer überrascht. Zurich, deren Quartalsbilanz am Donnerstag auf dem Programm steht, stiegen um 0,5 Prozent.

Gefragt waren meist auch zyklische Titel wie die Aktien des Elektrokonzerns ABB, des Stellenvermittlers Adecco und der Sanitärtechnikfirma Geberit. Dagegen trennten sich die Anleger von den als defensiv geltenden Index-Schwergewichten. Nestle, Novartis und Roche büssten bis zu einem halben Prozent ein.

Kuoni mit Kurssprung

Im breiten Markt fielen die Anteile des Stahlproduzenten Schmolz+Bickenbach und des Touristikkonzerns Kuoni mit mehr als drei Prozent Kursplus auf. Die Ratingagentur Moody's hat jüngst den Ausblick für die europäischen Stahlindustrie dank der wachsenden Nachfrage bekräftigt.

Kuoni will am Donnerstag über die Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten informieren. Anleger erhoffen sich Neues zur künftigen Ausrichtung, nachdem das Unternehmen aus dem traditionellen Reisegeschäft ausgestiegen ist. Für Fantasie sorgt auch der kürzliche Einstieg des Fonds Classic Fund Management.

(reuters/dbe/hon)