Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag nach einer zweitätigen Talfahrt auf einen Erholungskurs eingeschwenkt und trotzt damit den weiter anhaltenden Abgaben an Chinas Börsen. Befeuert wurden die Avancen zuletzt von einer überraschenden Leitzinssenkung in China.

«Nach einer ersten Panik ist man wieder etwas nüchterner an das Geschehen herangegangen», erklärte ein Händler. Es habe zuletzt Übertreibungen gegeben, meinte der Marktteilnehmer mit Blick auf die Ängste um Chinas Konjunktur. Und: «Der Euro ist erstaunlich stabil zum Franken - das ist die gute Nachricht.»

«Wir stellen uns auf neue Realitäten ein»

Zwar gäben die USA und Europa der Weltwirtschaft eine gewisse Stabilität, die jüngste Episode lasse dennoch diffuse Ängste zurück, meinte der Experte. «Es nicht alles mehr ganz in Ordnung, das weltwirtschaftliche Bild hat Risse erhalten.» Als «nicht mehr panisch, aber doch sehr nervös», umschrieb dieser die Stimmung am Markt. Das Jahreshoch bei über 9'500 SMI-Punkten sei daher ausser Reichweite, der Index werde sich nun Wahrscheinlich vielmehr im Bereich von 8'700 bis 9'000 einpendeln. «Wir stellen uns auf neue Realitäten ein», meinte der Händler.

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Bis um 12.22 Uhr legt der SMI um 3,92 Prozent auf 8'800,50 Punkte zu. Der in der Gewichtung gekappt SLI steigt um 3,94 Prozent auf 1'306,67 und der breitere Swiss Performance Index (SPI) um 3,79 Prozent auf 8'871,50 Punkte. Alle 30 SLI-Werte stehen deutlich im positiven Bereich.

Syngenta im Fokus

Syngenta fallen mit einem Plus von 9,3 Prozent auf 391,00 Franken auf. Medienberichten zufolge soll der Mitbewerber Monsanto seine Offerte für den Agrochemiekonzern auf rund 470 CHF je Aktie angehoben haben. Zudem seien die Amerikaner bereit, auch andere Konditionen des möglichen Angebots nachzubessern. Mit diesem Schritt wolle Monsanto die Syngenta-Spitze zurück an den Verhandlungstisch bringen, hiess es.

Analysten sprechen von einem Schritt in die richtige Richtung. Syngenta werde Monsanto wohl aber ein weiteres Mal die kalte Schulter zeigen, heisst es. Nach Einschätzung des Researchhauses Bernstein etwa liegt die Preisvorstellung von Syngenta bei rund 650 Franken je Aktie.

Zurich legt Offerte für RSA vor

Das andere Gesprächsthema am Markt ist Zurich Insurance, deren Papiere um 2,9 Prozent anziehen. Der Versicherer hat einen unverbindlichen Vorschlag für die Übernahme des englischen Konkurrenten RSA vorgelegt. Darin nennt Zurich das Angebot von 550 Pence pro RSA-Aktie. Ob eine Kaufofferte tatsächlich zu Stande kommt, ist allerdings noch nicht sicher. Das liege vor allem davon ab, wie viele Synergien sich erzielen lassen, meinen Analysten.

Auch die anderen Versicherer Swiss Re (+4,0 Prozent), Swiss Life (+3,0 Prozent) und Bâloise (+4,1 Prozent) fallen mit deutlichen Gewinnen auf. Letzte wird am Donnerstag ihre Zahlen zeigen. Noch weiter vorne reihen sich die Bankaktien Credit Suisse (+4,6 Prozent), UBS (+5,4 Prozent) und Julius Bär (+4,4 Prozent) ein. Sämtliche Finanzwerte hatten zuletzt deutlich Federn gelassen.

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Eine der zentralen Fragen am Markt ist nun die nach dem Zeitpunkt der Normalisierung der US-Geldpolitik. Daher dürften vor allem die nächsten Auftritte und Reden von FOMC-Mitgliedern von Interesse sein. Als nächster Termin wird das informelle Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole genannt, das am Donnerstag beginnt.

Transocean im Aufwind

Deutlich nach oben geht es auch mit Galenica (+5,0 Prozent), Sika, Swisscom und Clariant (je +4,1 Prozent). Transocean steigen gar um 6,8 Prozent. Die Aktien des Vermieters von Bohrplattformen hatten gestern um 8,7 Prozent nachgegeben, was dem scharfen Rückgang der Ölpreise geschuldet war.

Die defensiven Schwergewichte steigen mit dem Gesamtmarkt. So ziehen Nestlé um 4,3 Prozent, Roche um 2,8 Prozent und Novartis um 3,5 Prozent an. Letztere meldete eine Zulassungserweiterung in den USA für den Einsatz des Medikaments von Promacta bei der Behandlung einer Autoimmunkrankheit. Analysten denken, dass aus dem Produkt nun ein Blockbuster werden könnte.

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Zahlenflut 

Im breiten Markt hat erneut eine ganze Reihe von Small- und Midcaps Halbjahreszahlen vorgelegt. Das Urteil zu Bossard (+1,6 Prozent), Schmolz+Bickenbach (+2,5 Prozent) und VP Bank (+2,5 Prozent) fällt deutlich besser aus als jenes zu Huber+Suhner (-0,3 Prozent), Charles Vögele (-0,7 Prozent) und Von Roll (-2,2 Prozent).

Die Papiere des Verlagshauses Tamedia verteuern sich um 3,8 Prozent, nachdem die Wettbewerbskommission grünes Licht für die geplante Übernahme von Tamedia und JobScout24 gegeben hat.

(awp/dbe)