Die drastischen Verluste in China schwappen auf die europäischen Handelsplätze über. Der Schweizer SMI setzte seine rasante Talfahrt der letzten Woche fort und rutschte bereits am Vormittag unter 8500 Punkte, um sich dann leicht zu erholen. Am frühen Nachmittag ging es aber wieder steil abwärts. Um 14 Uhr notierte der SMI 4,2 Prozent schwächer auf 8429 Punkten. Auch der deutsche Leintindex Dax verlor 4,7 Prozent.

Der Auftakt in die Handelswoche steht unter dem schlechten Stern der Aktiencrashs in Asien. Der japanische Leitindex Nikkei hat mehr als vier Prozent verloren. Er fiel damit erstmals seit fünf Monaten unter die psychologisch wichtige Marke von 19'000 Punkten. Der wichtigste Aktienindex von Festlandchina – der Shanghai Composite Index – stand zum Handelsschluss über acht Prozent im Minus. Das ist der schlimmste Einbruch seit acht Jahren. 

Kaum anders sah es bei den anderen chinesischen Börsenindizes aus. Der CSI 300 mit den 300 grössten Unternehmen vom chinesischen Festland verlor 8,75 Prozent auf 3'275,53 Punkte. In Hongkong büsste der Hang-Seng-Index am Ende 5,17 Prozent auf 21'251,57 Punkte ein.

Händler befürchten «schwarzen Montag»

Entsprechend apokalyptisch geben sich manche Händler. «Das ist ein richtiges Desaster und es sieht so aus, als ob es niemand stoppen könnte», sagt ein Börsianer gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine Rettungsmassnahme der chinesischen Regierung verpuffte: Sie hatte am Wochenende angekündigt, den chinesischen Pensionsfonds zu erlauben, in den Aktienmärkten zu investieren. Die Nachricht dämpfte den Crash nicht.

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Der schwache Wochenauftakt folgt auf eine durchzogene Vorwoche. Der SMI hatte bereits sechs Prozent verloren. Drei Tage hintereinander schaffte es kein einziger der 30 Blue Chips ins Plus. Der Dow Jones schloss am Freitag gut 3 Prozent schwächer unter 17'000 Punkten.

Nun befürchtet ein Händler sogar einen «schwarzen Montag». Etwas vorausgedacht könnte der Tag als Kaufgelegenheit gesehen werden. «Es hat sich ja nichts geändert. Die Liquidität ist weiterhin vorhanden und die Zinsen werden in einem solchen Umfeld bestimmt nicht erhöht», sagte ein Börsianer. Den Anlegern dürfte aber wohl der Mut fehlen. «Wer will denn schon in ein fallendes Messer greifen?»

Jahresgewinne futsch

Damit wären die Jahresgewinne erneut futsch – ein zweites Mal, nachdem die Börse im Januar bereits wegen der Aufgabe der Euro-Kursuntergrenze kollabierte. Und es könnte noch schlimmer kommen: Judith Vogt, CEO der Beratungsfirma Vogt Consulting, erwartet eine noch stärkere Kurskorrektur. Der SMI könnte durchaus nochmals zehn Prozent verlieren, sagt sie im Börsenblick auf dem Finanznachrichtenportal «Finanzen.ch».

Nach der Korrekturphase im August und September werde die Bewertung des Schweizer Aktienmarktes aber «wieder attraktiv» erscheinen, sagt Vogt. Sie prophezeit eine Jahresendrally, sieht den SMI sogar auf ein Allzeithoch klettern: «Bis zum Jahresende kann der SMI auf über 10'000 Punkte klettern – in den nächsten zwölf Monaten bis auf 11'000 Zähler.»

Mit Material von Reuters.