Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag leicht nachgegeben. Nach einer tieferen Eröffnung bewegte sich der SMI am Vormittag mehrheitlich seitwärts. Im Vorfeld des Arbeitsmarktberichts aus den USA war eine gewisse Zurückhaltung zu spüren, nach dessen Publikation am Nachmittag belebte sich das Geschehen aber deutlich. Der hiesige Leitindex kletterte vorübergehend bis in die Gewinnzone und eroberte zwischenzeitlich auch die Marke von 9000 Punkten zurück, ehe wieder eine Gegenbewegung erfolgte.

Die Arbeitsmarktdaten aus den USA fielen stark aus. Die US-Wirtschaft hat im Oktober deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Zudem wurde der Zuwachs der Vormonate nach oben revidiert und die Arbeitslosenquote ist auf ein neues Mehrjahrestief gesunken. Positiv war zudem der unerwartet starke Anstieg der Stundenlöhne.

Leichtes Plus aus Wochsicht

Der überraschend gute Bericht spielt somit bei der amerikanischen Notenbank den Befürwortern einer Zinserhöhung noch im laufenden Jahr in die Hände. Eigentlich ist eine Straffung der Geldpolitik Gift für die Aktienkurse, allerdings wird nun schon dermassen lange über den Zeitpunkt einer ersten Leitzinserhöhung spekuliert und debattiert, dass sich viele den Zeitpunkt dafür herbeisehnen.

Der Swiss Market Index (SMI) beendete den Handelstag mit einem Minus von 0,22 Prozent auf 8'970,27 Punkte. Im Wochenvergleich verblieb ein Plus von 0,4 Prozent, immerhin das sechste in Folge. Der breite Swiss Performance Index (SPI) gab 0,14 Prozent auf 9'188,52 Punkte nach, wogegen der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, 0,09 Prozent höher bei 1'347,47 Punkte schloss. Von den 30 Blue Chips gehörten 17 zu den Gewinnern.

Richemont im Keller

Abgeschlagen am Tabellenende landeten Richemont (-5,7 Prozent). Das vom Genfer Luxusgüterkonzern veröffentlichte Halbjahresergebnis wurde den hohen Analystenerwartungen nicht gerecht. Dabei hat sich etwa die operative Marge schwächer als erwartet entwickelt. Es sei vor allem nicht mit einem derart starken Margenrückgang im Schmuckgeschäft gerechnet worden und enttäuschend sei auch der Start ins Weihnachtsquartal ausgefallen, hiess es dazu. Auch der Ausblick fiel vorsichtig aus, insbesondere mit Blick auf China. Entsprechend wurden die Gewinne der vergangenen zwei Wochen mitgenommen. Der Dämpfer bei Richemont zog auch die Swatch-Aktie (-4,3 Prozent) markant nach unten.

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Letztlich waren aber auch die Schwergewichte Nestlé und Roche (je -1,0 Prozent) mit ihren Abgaben für das Minus des Gesamtmarktes mitverantwortlich. Novartis (+0,1 Prozent) hielten nur leicht dagegen. Weitere Verlierer waren etwa Transocean (-1,1 Prozent), Swisscom (-0,7 Prozent) und Zurich (-0,2 Prozent), welche alle am Vortag Zahlen vorgelegt hatten.

Syngenta profitiert von Fusionsgerüchten

Dazu gehörten auch Adecco (+1,1 Prozent), welche aber höher aus dem Handel gingen. Die Avancen fallen am Tag nach dem wegen enttäuschender Zahlen erfolgten Einbruch um über 10Prozent aber kaum ins Gewicht. Im Nachgang der Ergebnispublikation hat eine ganze Reihe von Bank-Analysten ihre Gewinnschätzungen und Kursziele gesenkt. Der Titel war auch über die Woche gesehen der mit Abstand schwächste Wert.

Die etwas längere Liste der Gewinner wurde von Syngenta (+4,1 Prozent) angeführt, getrieben von Fusionsgerüchten. Nachdem das Monsanto-Angebot vom Tisch ist, übernimmt Syngenta offenbar die Rolle des Konsolidierers: Die Basler reden nach Informationen des «Wall Street Journal» mit dem US-Konzern DuPont über einen Zusammenschluss mit dessen Agrochemie-Sparte. Syngenta lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Zudem hat Syngenta mit der niederländischen DSM eine Forschungs-Kooperation vereinbart.

Bank-Titel stützen den Gesamtmarkt

Eine gute Stütze waren dem Gesamtmarkt auch UBS (+3,2 Prozent) und CS (+1,8 Prozent). Actelion (+0,4 Prozent) legten moderat zu, nachdem AstraZeneca die Firma ZS Pharma übernommen hat. Das Schweizer Pharmaunternehmen hatte sich ebenfalls für eine allfällige Übernahme interessiert und im September Vorgespräche mit ZS bestätigt.

Im breiten Markt verbilligten sich Peach Property um 2,0 Prozent, nachdem das Unternehmen eine geplante Anleiheemission abgesagt und eine andere Art und Weise der Refinanzierung in Aussicht gestellt hat. Offenbar war das Investoreninteresse zu gering. Ansonsten fielen allenfalls noch AMS (+4,8 Prozent) oder die Aktien der beiden Industriefirmen Interroll (+4,1 Prozent) und Schlatter (+3,3 Prozent) mit gutem Gewinn auf.

(awp/mbü)