Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich am Dienstag in Wartestellung - die Investoren harren auf geldpolitische Signale der US-Notenbank Fed zur Wochenmitte. Nach der vorangegangenen Kursrally hatten die Anleger bereits am Montag den Fuss vom Gas genommen. Am Berichtstag haben die hiesigen Indizes ihre frühen Verluste bis zum Mittag weitestgehend abgeschüttelt, vor allem die nach Zahlen schwachen Novartis-Aktien halten den SMI im Minus.

Das Bild ähnelt dem der vergangenen Woche, als sich die Investoren bis zu Aussagen der EZB zur Geldpolitik nur bedingt aus der Deckung gewagt hatten. Im Tagesverlauf wird zudem eine Reihe von Unternehmens-Ergebnissen aus den USA eintreffen, ausserdem stehen zahlreiche US-Konjunkturdaten auf dem Programm. Sämtliche US-Konjunkturzahlen werden derzeit daraufhin geprüft, ob sie eher für oder eher gegen eine baldige Zinserhöhung sprechen.

Novartis im Fokus

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 12 Uhr 0,38 Prozent tiefer auf 8'873,89 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in welchem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 0,23 Prozent auf 1'328,73 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,40 Prozent auf 9'071,65 Zähler ein. Von den 30 Blue Chips notieren zwölf im Plus und 18 im Minus.

Novartis (-1,6 Prozent) werden nach Quartalszahlen verkauft, die Aktien sind damit im Alleingang für das Minus im SMI verantwortlich. Die vom Pharmakonzern vorgelegten Resultate vermögen die Investoren nur bedingt zu überzeugen. Erneut deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist die Augenheilsparte Alcon. Aber auch im zentralen Pharmageschäft entwickeln sich nicht alle Medikamente wie erhofft. Positiv gewertet wird dagegen die in den USA erzielte vorläufige Einigung bezüglich der Schmiergeldvorwürfe sowie die weiter anhaltende Kostendisziplin.

Geberit enttäuscht

Die Papiere der Branchenkollegen Roche (-0,2 Prozent) und vor allem Actelion (+0,3 Prozent) halten sich besser.
Geberit büssen nach Zahlen 2,8 Prozent ein. Der Sanitärtechniker hat die Gewinnerwartungen der Analysten klar verfehlt, der Kauf der skandinavischen Sanitec wirkte sich verwässernd aus. Zudem wurde der Umsatzausblick für die im vergangenen Winter übernommene Sanitec zurückgenommen, was in Marktkreisen ebenfalls kritisiert wurde. Die neuen Mittelfristziele schliesslich liegen zwar am oberen Ende der Erwartungen, werden von Experten aber auch als «ambitioniert» bezeichnet.

Transocean sacken um 2,9 Prozent ab. Dem jüngsten Flottenbericht zufolge hat der Ölbohrservice-Dienstleister im vergangenen Monat neue Aufträge im Wert von lediglich 28 Millionen USD dazugewonnen.

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Zykliker gefragt

Auf der anderen Seite führen Adecco (+1,4 Prozent) und Galenica (+1,1 Prozent) die Gewinnerliste an. Auch Zykliker wie Richemont (+0,6 Prozent), SGS und ABB (je +0,3 Prozent) kommen in den Genuss von (vereinzelten) Käufen. Andere konjunktursensitive Papiere wie LafargeHolcim (-1,2 Prozent), Swatch (-1,3 Prozent) und Kühne+Nagel (-0,6 Prozent) fallen hingegen zurück.

Clariant (-0,1 Prozent) werden von einer Gewinnwarnung des deutschen Branchenprimus BASF nicht zu sehr belastet. Der weltgrösste Chemiekonzern hatte am Morgen wegen der abgekühlten Konjunktur und dem Ölpreisverfall seine Jahresziele reduziert. Clariant wird am Donnerstag zum dritten Quartal 2015 Bericht ablegen.

Grossbanken kaum verändert

Weit vorne sind die Valoren der Versicherer Zurich (+0,2 Prozent) und Swiss Re (+0,6 Prozent) zu finden; ähnlich gut schneiden die Bankaktien von Julius Bär (+0,6 Prozent) und UBS (+0,1 Prozent) ab, während in Credit Suisse (-0,2 Prozent) Gewinne realisiert werden. Stabilisierend wirken sich die nur geringen Abgaben in Nestlé (-0,1 Prozent) aus.

Viel gibt es auch aus dem breiter gefassten Markt zu berichten. So haben etwa die Industriekonzerne Bucher (-1,4 Prozent), Feintool (-0,8 Prozent), Huber + Suhner (-1,7 Prozent) sowie OC Oerlikon (-5,0 Prozent) mit Zahlen aufgewartet, darüber hinaus der IT-Logistiker Also (+1,2 Prozent). Das Ergebnis von Oerlikon lag beim Auftragseingang und Umsatz unter den Erwartungen. Der Ausblick wurde bei den Volumen reduziert, bei der Profitabilität aber belassen.

AMS auf Talfahrt

Die Aktien von AMS (-14,3 Prozent) stehen unter keinem guten Stern. Das Unternehmen hatte am Montag nach Börsenschluss mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen zwar etwas übertroffen, jedoch eine enttäuschende Guidance abgeliefert. Bereits am Montag hatten die Papiere des einstigen Börsenlieblings um 7,5 Prozent nachgegeben, aus Angst vor einer Enttäuschung. Seit dem Allzeithoch im Sommer hat sich der Aktienwert halbiert.
Myriad büssen mit minus 6,5 Prozent die Vorschusslorbeeren wieder ein, die dem Unternehmen im Vorfeld des (heutigen) Investorentreffens zuteilwurden.


(awp/dbe)