Der Schweizer Aktienmarkt hat die Gewinne bis zum Mittag noch weiter ausgebaut - nach einer bereits deutlich festeren Eröffnung. Die Hoffnung auf «lockere Töne» des EZB-Präsidenten Mario Draghi an der Medienkonferenz am Nachmittag im Anschluss an die Ratssitzung und damit auf neue geldpolitische Impulse helfe den europäischen Märkten auf die Beine, heisst es am Markt.

Die Börsen in China sind indes geschlossen, von dort konnten also keine negativen Nachrichten kommen. Das am Vorabend in den USA veröffentlichte Beige Book dämpfte zwar die Sorgen einer Ansteckung der US-Konjunktur durch das schwächelnde China, lieferte aber auch keine zusätzlichen Argumente für eine baldige Zinswende, sodass sich die US-Börsen kräftig erholten.

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«Der Bullenmarkt ist nicht tot, aber in die Jahre gekommen»

Die Volatilität an den Märkten bleibe jedoch enorm hoch, kommentiert ein Trading-Analyst. Die Schwankungen mit täglich wechselnden Vorzeichen dürften noch weitergehen, denn die Unsicherheit sei gross. Zum einen könne niemand richtig abschätzen, wie es tatsächlich um die chinesische Wirtschaft bestellt ist. Zum anderen sei es sehr ungewöhnlich, dass es zwei Wochen vor dem Fed-Zinsentscheid noch dermassen unsicher ist, ob es zu einer Anhebung kommt oder nicht. Umso stärker wandere der Blick auf den am (morgigen) Freitag anstehenden monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung. «Der Bullenmarkt ist nicht tot, aber in die Jahre gekommen», heisst es am Markt.

Der Swiss Market Index (SMI) steigt gegen 11.50 Uhr 1,54 Prozent auf 8'759,19 Punkte. Der 30 Titel umfassende, in der Titelgewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewinnt 1,48 Prozent auf 1'300,02 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,48 Prozent auf 8'922,17 Zähler. Von den 30 Blue Chips notieren alle im Plus. Zur Berichtszeit steht der Euro/Franken-Kurs bei knapp 1,09 CHF, stieg im Verlauf des Vormittags kurzzeitig gar über diese Marke.

Syngenta grössten Gewinner

Syngenta (+3,4 Prozent) sind die grössten Gewinner, nachdem der Agrochemiekonzern vorbörslich angekündigt hat, schnell Mehrwert für seine Aktionäre zu schaffen. Dazu wird der Verkauf des Geschäfts mit Gemüsesaatgut angestrebt sowie ein Aktienrückkauf über 2 Milliarden Dollar angesetzt. Die Syngenta-Spitze stand zuletzt unter Druck, weil sie den Avancen des US-Mitbewerbers Monsanto die kalte Schulter gezeigt hatte. Nach dem überraschenden Rückzug der Kaufofferte von Monsanto vergangene Woche sei der Handlungsbedarf grösser geworden, wertsteigernde Massnahmen umzusetzen, kommentiert die ZKB. Kepler Cheuvreux schätzt, dass Syngenta für das Gemüse-Saatgutgeschäft zwischen 2,7 und 2,9 Milliarden Dollarerhalten könnte.

Massgeblich schieben aber die Schwergewichte Novartis (+2,0 Prozent), Roche (+1,7 Prozent)und Nestlé (+1,2 Prozent) den SMI an. Die Novartis-Tochter Sandoz kann nun das Biosimilar Zarxio in den USA lancieren, nachdem sie einen Sieg gegen Amgen erzielt und ein Berufungsgericht den Verkauf des Nachahmerprodukts erlaubt hat. Es sei das erste zugelassene Biosimilar, das auf dem US-Markt erhältlich sei, hiess es von Novartis. Dem Rechtsstreit wurde grosse Bedeutung beigemessen, weil er als Präzedenzfall für die Einführung von Nachahmerprodukten gilt.

Deutlich fester notieren zudem Lonza (+3,3 Prozent), Actelion (+2,8 Prozent), aber auch Swiss Re, LafargeHolcim (je +1,8 Prozent) und SGS (+1,7 Prozent).

Swatch und Richemont hinter dem Markt

Swatch (+1,4 Prozent) und Richemont (+1,1 Prozent) können indes trotz starker Gewinne nicht ganz mit dem Markt mithalten. Der Luxusgüterkonzern Richemont erhielt am Vortag für seinen Online-Händler Net-A-Porter das Okay von den britischen Behörden zur Fusion mit der italienischen Yoox. Wie ebenfalls am Vorabend bekannt wurde, verlässt die Net-A-Porter-Chefin und Gründerin Natalie Massenet das Unternehmen im Vorfeld des geplanten Mergers - ohne Angaben von Gründen. Beide Luxusgütertitel gehörten mit deutlichen Avancen bereits am Vortag zu den grössten Gewinnern in einem kaum veränderten Markt.

Nur relativ leichte Gewinne verzeichnen dagegen unter anderem Sika (+0,2 Prozent) sowie die Bankentitel UBS (+0,6 Prozent) und CS (+0,8 Prozent).

Am breiten Markt stechen Gategroup (-13 Prozent) besonders negativ hervor, nachdem der Airline-Caterer wegen Sonderbelastungen und Frankenstärke einen grossen Halbjahresverlust verbuchte; das Unternehmen will sich unter dem neuen CEO Xavier Rossinyol verstärkt auf das Kerngeschäft fokussieren. Nach der Zahlenvorlage stehen auch Myriad (-14 Prozent) und Flughafen Zürich (-4,6 Prozent) unter Druck; Santhera (+0,1 Prozent) halten sich im Plus.

Evolva (+9,0 Prozent) gewinnen dagegen, nachdem Details für die angekündigte Kapitalerhöhung bekannt gegeben wurden. Die Aktie hatte allerdings am Mittwoch fast 6 Prozent eingebüsst.

(awp/dbe)