Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet und gibt bis am Mittag klar nach. Allerdings hat der SMI einen Teil noch grösserer Verluste aus der Eröffnungsphase wieder aufgeholt, das Geschehen hat sich dabei in der letzten Handelsstunde etwas verflacht, bzw. beruhigt.

Weiterhin belasten die sehr schwachen Novartis und Roche den Gesamtmarkt überdurchschnittlich. Die kräftige Erholung vom Vortag von den massiven Verlusten in den Tagen davor wird in Marktkreisen als Bärenrally bezeichnet, als eine lediglich temporäre Erholung in einem Abwärtstrend.

Volatilität dürfte anhalten

Allgemein wird damit gerechnet, dass die hohe Volatilität in unmittelbarer Zukunft noch anhalten dürfte. Das Börsensentiment sei zwar daran, sich etwas zu stabilisieren, heisst es beispielsweise in einer Markteinschätzung der Credit Suisse, allerdings blieben die Aktienmärkte anfällig. Nach der Zinssenkung der chinesischen Notenbank hat sich die Lage am Mittwoch zumindest an den asiatischen Börsen vorerst etwas beruhigt. Nebst der Zinssenkung hat die Bank auch die Anforderungen für die Mindestreserven der Banken gesenkt, um die Konjunktur zu beleben und die Aktienmärkte zu stabilisieren. Die Sorgen um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft sind damit aber noch nicht vom Tisch.

Bis um 11.50 Uhr gibt der SMI 1,72 Prozent auf 8'608,03 Punkte nach. Der in der Gewichtung gekappt SLI verliert 1,50 Prozent auf 1'281,75 Punkte und der breitere Swiss Performance Index (SPI) 1,55 Prozent auf 8'776,61 Punkte. Bis auf Geberit (+0,2 Prozent) sowie Schindler und Syngenta (je +0,1 Prozent) stehen alle SLI-Werte tiefer.

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Transocean brechen ein

Transocean stechen mit einem Minus von gut 10 Prozent für einmal noch stärker ins Auge als sonst schon. Das auf die Vermietung von Ölbohrplattformen spezialisierte Unternehmen will die Auszahlung der dritten und vierten Dividendentranche des Jahres streichen und den Aktiennennwert aufgrund eines weiteren ausserordentlichen Wertberichtigungsbedarfs reduzieren. Für die Bank Vontobel kommen die Massnahmen nicht überraschend. Schliesslich habe Transocean in der jüngeren Vergangenheit kaum grössere neue Aufträge gewonnen.

Ausserdem stehe der Zeitpunkt für eine Branchenbelebung auch weiterhin nicht fest. Es sei deshalb nur allzu verständlich, dass das Unternehmen die Barmittel hüten wolle. Der Ratschlag der Bank lautet trotzdem, die Finger von dem Papier zu lassen.

Aktien mit Einstiegsmöglichkeiten

Dahinter erleiden mit Sonova (-3,2 Prozent), Novartis (-2,6 Prozent) und Roche (-2,4 Prozent) einige Werte aus dem Gesundheitswesen die deutlichsten Rückschläge, wobei für den Gesamtmarkt natürlich vor allem die schwache Performance der beiden bezüglich Bewertung grosskalibrigen Novartis und Roche ins Gewicht fällt.

Weitere Aktien mit überdurchschnittlichen Abgaben sind konjunktursensitive Aktien wie Lonza (-1,5 Prozent), Richemont (-1,8 Prozent) oder LafargeHolcim (-2,2 Prozent). Letztere erhalten damit von einer Empfehlung durch Morgan Stanley kaum Support. Morgan Stanley hat eine Liste von zwanzig europäischen Aktien erstellt, bei denen sich nach den jüngsten Kursrückschlägen besonders gute Einstiegsgelegenheiten bieten. Von den Schweizer Unternehmen gehören nebst LafargeHolcim Credit Suisse dazu, welche mit einem Minus von 1,5 Prozent aber ebenfalls nicht weit vorne zu finden sind.

UBS im Mittelfeld

Ähnlich wie CS entwickeln sich Zurich Insurance (-1,4 Prozent). Für diese hat die Deutsche Bank das Kursziel gesenkt und dabei gleichzeitig das Rating «Hold» bestätigt. Die Senkung erfolgt, nachdem der Versicherer ein unverbindliches Angebot von 550 Pence je Aktie für die Übernahme des englischen Konkurrenten RSA vorgelegt hat. Die Bank geht davon aus, dass dieser Preis über dem Niveau liegt, bei dem sich die meisten Zurich-Investoren noch wohl fühlen.

Auch UBS (-1,1 Prozent auf 19,87 Franken) dümpeln im Mittelfeld vor sich hin, dies nach einer Aufstufung durch die Zürcher Kantonalbank auf «Übergewichten» von «Marktgewichten». Die ZKB sieht auf dem aktuellen Niveau ausreichend Kurspotential und einen theoretischen fairen Wert von 23 Franken je Aktie.

Feintool im Plus

Im breiten Markt ziehen die Aktien der Industriegruppe Feintool (+1,7 Prozent) im sehr schwachen Gesamtmarkt gegen den Trend klar an. Mit den am Morgen vorgelegten Halbjahreszahlen hat das Unternehmen die Erwartungen erfüllt.

Evolva (-7,2 Prozent) geraten dagegen stark unter Druck. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte vorbörslich ebenfalls die Zahlen zum ersten Halbjahr 2015 publiziert und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung über 60 Mio CHF angekündigt. Vor allem die Höhe des zusätzlich benötigten Kapitals kommt für die Experten überraschend.

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(awp/dbe/ama)