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Exportrisiken
«Schweizer Firmen erwarten Probleme durch Protektionismus»

Hafen in Basel: In die Region China/Hongkong gehen 8 Prozent der Schweizer Ausfuhren.

Gute Laune bei den Unternehmen: Die Exporte laufen gut. Doch neben dem Währungsrisiko rückt eine zweite Gefahr in den Blick.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 13.04.2018
 
Seit einigen Jahren analysiert der Kreditversicherer Euler Hermes die Risiken, die Schweizer Unternehmen beim Aussenhandel eingehen. Die Ergebnisse werden jährlich im Exportrisiko-Monitor zusammengefasst. In der diesjährigen Studie hat die Berner Fachhochschule 300 exportorientierte Schweizer Firmen – vorwiegend KMU – befragt. Studienleiter Paul Ammann erklärt die Ergebnisse.
 
Welches sind die grössten Sorgen der von Ihnen befragten Unternehmen?
Eine Mehrheit der Firmen hält das Währungsrisiko nach wie vor für das grösste Exportrisiko. Das war insofern für uns überraschend, als der Euro-Franken-Kurs sich wieder normalisiert hat und die Geschäfte gut laufen. Dafür nennen die Unternehmen zwei Gründe: Erstens, müsse sich der Eurokurs noch um mindestens 10 Prozent verbessern, damit die Firmen eine nachhaltige Marge erreichen. Das heisst folglich, dass die Geschäfte zwar gut laufen, aber die Margen für viele Unternehmen zu niedrig sind. Zweitens, verhandeln viele Schweizer Zulieferer ihre Verträge mit Unternehmen im Euro-Raum langfristig. Daher werden sie teilweise von den ausländischen Firmen als Risikolieferanten eingestuft, denn der Wechselkurs könnte sich über die kommenden Jahre wieder verschlechtern.
 
Als zweitgrösstes Risiko wurde der zunehmende Protektionismus genannt. Über 50 Prozent erwarten Probleme in diesem Bereich. Allerdings fühlen sich die meisten der befragten KMU weniger betroffen, da sie in speziellen Nischen tätig sind. Auswirkungen werden hier vor allem für grosse Branchen wie die Stahl-, Aluminium- und Autoindustrie erwartet.
 
Wie ist die Stimmung der Schweizer Exportwirtschaft?
Die Stimmung ist sehr gut. Wir haben in unserer Umfrage etwa 15 Länder, in die 83 Prozent der Schweizer Exporte fliessen, in den Blick genommen. Und bei allen sind die Unternehmen optimistisch. Sogar in Bezug auf Grossbritannien sind die Schweizer Firmen positiv gestimmt trotz des anstehenden Brexit. Ein deutliches Exportwachstum wird insbesondere für drei Länder erwartet, nämlich Deutschland, USA und China/Hongkong – sie nehmen heute bereits 43 Prozent der Schweizer Exporte ab.
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Dr. Paul Ammann
Paul Ammann: Leiter Internationales Management an der Berner Fachhochschule.
Quelle: BFH
Sie haben dieses Jahr erstmals die Gefahr durch Cyberkriminalität in Ihren Fragekatalog aufgenommen. Wie wappnen sich die Unternehmen dagegen?
Mit der Digitalisierung gehen neue Gefahren einher – das betrifft gerade auch den Export, vor allem in Ländern wie Russland, China und Indien. Das haben die Firmen erkannt – zumindest 50 Prozent von ihnen. Allerdings sichern sie sich nicht in ausreichendem Masse vor Gefahren wie Datenverlust, Verlust von geistigem Eigentum und Kundeninformationen ab. Nur 23 Prozent führen unabhängige Prüfungen zu Datenschutz und -sicherheit durch. Nur 22 Prozent haben einen dokumentierten Störfall- und Krisenmanagementprozess. Und nur 20 Prozent haben einen ausgearbeiteten Desaster and Recovery Plan. Wir schliessen daraus, dass Schweizer Firmen noch grossen Nachholbedarf in diesem Bereich haben.
 
Welche Optimierungspotenziale sehen Sie im Risikomanagement der Schweizer Exporteure?
Obwohl die Bedeutung der Compliance-Thematik international stark gestiegen ist, geben nur 29 Prozent der Schweizer Unternehmen an, dass sie die Gesetze bezüglich Korruption in den Exportländern einhalten. Auch die Einführung von Compliance-Regeln wird nur von knapp einem Drittel der Umfrageteilnehmer als Massnahme gegen die Risiken der fehlenden Rechtssicherheit angegeben. Im Bereich der Zahlungsausfälle bei ausländischen Kunden wiegen sich viele Unternehmen in einer womöglich falschen Sicherheit. 88 Prozent der Unternehmen ohne Kreditversicherung geben an, darauf verzichten zu können, weil internationale Zahlungsausfälle in der Vergangenheit selten waren. Diese beiden Themenbereiche sollten von den Unternehmen analysiert und gegebenenfalls optimiert werden.
 
Die Konjunktur in Europa läuft derzeit gut. Wie profitiert die Schweiz konkret davon?
Das zeigt sich vor allem am starken Exportwachstum: Bereits 2017 sind die Schweizer Exporte um 4,7 Prozent gestiegen, vor allem Richtung Deutschland, Italien, Österreich, Belgien und Niederlande. Die Erwartungen sind überall gut, einschliesslich Europa und sogar nach Grossbritannien wie vorher bereits erwähnt.
 
Wie ist ihre Prognose für die Schweizer Exporte in diesem Jahr?
Wir erwarten eine sehr gute Entwicklung – vor allem in den drei grossen Märkten USA, Deutschland und China. Das wird sich auf den Gesamtexport niederschlagen. Sehr interessant finde ich auch, dass es seit der BRIC-Krise der vergangenen Jahre 2017 erstmals ein Wachstum der Exporte nach Russland (8,8 Prozent) und Brasilien (16 Prozent) gab.