Finanzwerte und Pharmaaktien machen mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des Swiss Market Index (SMI) aus, und genau diese Titel kommen nicht auf Touren. «Wer auf den Schweizer Markt setzt, fährt ein gewisses Klumpenrisiko», sagt Sandro Rosa, Aktienstratege von Clariden Leu. Zusätzlich seien die sieben grössten Unternehmen für rund 75% der Marktkapitalisierung verantwortlich. Dies sind Gründe, weshalb Clariden Leu den Schweizer Aktienmarkt untergewichtet hat (siehe Tabelle).

«Der Schweizer Markt kann sich in den nächsten Monaten nicht von den anderen europäischen Aktienmärkten absetzen, da die Pharma- und Bankenschwergewichte bremsen», sagt Stefan Frischknecht, Leiter Aktien Schweiz bei Schroders. Die Pharmatitel hätten strukturelle Probleme und die Bankenkrise sei noch nicht ausgestanden.

Sarasin-Aktienstratege Philipp Bärtschi erwartet ebenfalls, dass sich der Schweizer Markt in den nächsten Monaten im Vergleich zu anderen Aktienmärkten eher schwächer entwickeln wird. Denn der Schweizer Franken werde sich erst in der zweiten Jahreshälfte langsam abschwächen und damit den grosskapitalisierten Pharmawerten Roche und Novartis auf die Sprünge helfen. «Und den Bankenwerten stehen noch mindestens zwei weitere schwierige Quartale bevor.»

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Unbeliebte Märkte sind attraktiv

Unter den Fondsmanagern sind die US-Börsen am beliebtesten, wie eine aktuelle Umfrage von Merrill Lynch zeigt. Die USA seien im Wirtschaftszyklus voraus, was die Aktien bereits wieder attraktiv mache, erklärt Rosa von Clariden Leu. «Die grossen Exportfirmen profitieren zudem von der Dollarschwäche.» Attraktiv sind daher zum Beispiel Caterpillar, IBM oder Coca-Cola.

Anders sieht dies dagegen Bärtschi von Sarasin: «Wenn ein regionaler Markt über längere Zeit gut läuft, zieht er weitere Investoren an und wird immer beliebter.» Dies sei meistens ein Zeichen, dass die relative Performance drehe. Sarasin stuft den US-Aktienmarkt daher mit «Untergewichten» ein. Insgesamt gebe es von der währungsbereinigten Performance her keine grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Aktienmärkten in den entwickelten Ländern. «Deshalb ist die Währungsentwicklung wichtig.»

Grösser sind die Unterschiede zwischen den Börsenplätzen in den Industrie- und den Schwellenländern. So hat etwa der SMI seit Jahresbeginn rund 10% verloren, der MSCI Emerging Markets (USD) steht nur mit etwa 3% im Minus. Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International der Zürcher Kantonalbank (ZKB), schätzt die Emerging Markets am attraktivsten ein. «Sie haben sich im Vergleich zu früheren globalen Aktienmarktkrisen ziemlich resistent gezeigt.» Neben der gestiegenen Makrostabilität dieser Länder habe dies damit zu tun, dass viele Anleger angesichts der Wachstumsabschwächung in den Industrienationen Regionen mit anhaltend hohem Wachstum suchten.

Schweizer Titel mit Potenzial

Auch Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe, stuft die Region mit «Übergewichten» ein. Die Konjunktur in den Emerging Markets sei am wenigsten von der US-Krise betroffen und Lateinamerika profitiere besonders von steigenden Rohwarenpreisen. Die meisten anderen Banken haben die Region Emerging Markets ebenfalls übergewichtet. Anders sieht dies Philipp Bärtschi von Sarasin: «Viele Aktienmärkte in den Schwellenländern sind immer noch sehr teuer bewertet.» Er stuft daher die Emerging Markets mit «Untergewichten ein», bestimmte Märkte wie etwa Korea oder Brasilien seien aber nach wie vor interessant. Auch Rosa von Clariden Leu sieht nur in ausgewählten Märkten Potenzial; neben Brasilien und Südkorea etwa auch in Russland.

Das Anlagethema Emerging Markets lässt sich jedoch auch mit Schweizer Aktien spielen, etwa mit dem international tätigen Schweizer Bergbauunternehmen Xstrata oder mit dem führenden Zementhersteller Holcim, der in Schwellenländern wichtige Absatzmärkte hat.

Auch sonst sehen Experten nach wie vor Anlagechancen unter Schweizer Aktien. «Es gibt einige Perlen am Schweizer Aktienmarkt», sagt Stefan Frischknecht von Schroders. Er verweist neben Holcim etwa auf Swatch und Richemont oder auch Zurich Financial Services. Von den Small und Mid Caps seien beispielsweise Winterthur Technologie, Inficon oder Schweizerhall interessant.