MASCHINENINDUSTRIE. Deutsche und Schweizer Maschinenbauer haben vieles gemeinsam: Technischen Vorsprung, Spitzenpositionen in Nischenmärkten, starke Präsenz in Asien und hohe Konjunkturabhängigkeit. In vielen Fällen konkurrenzieren Schweizer Maschinenbauer mit deutschen Unternehmen. Zugleich ist Deutschland der grösste Handelspartner der Schweizer Industrie: Im Jahr 2006 ging mehr als ein Viertel aller Exporte nach Deutschland.

Wie sind die Aussichten im nächsten Jahr und wer hat die besseren Karten: Deutsche oder Schweizer Firmen? Dreierlei Gründe sprechen für die Schweizer Maschinenbauer:

Rückenwind dank schwacher Heimwährung, mehr Endmärkte mit gutem strukturellem Wachstum, stärkeres Margenverbesserungspotenzial.

In den vergangenen zwölf Monaten sank der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um 5%. Dadurch hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Maschinenbauer im internationalen Vergleich erheblich verbessert. Ein Teil davon dürfte durch höhere Kosten aufgrund von Kapazitätsengpässen, geringerer Fertigungstiefe und gestiegenen Rohstoffpreisen verlorengehen. Doch bei operativen Margen von durchschnittlich 6 bis 8% ist der Vorteil von Schweizer Unternehmen gegenüber ihren europäischen Konkurrenten bedeutend. Die Abschwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro kann in den nächsten zwölf Monaten – mit positiven Auswirkungen auf Umsatz und Auftragseingänge – bis weit ins Jahr 2008 hinein gehen. Die für Schweizer Unternehmen wichtigen Energiemärkte haben den Zenit noch lange nicht erreicht. Hersteller von Pumpen für die Ölindustrie und von Anlagen zur Stromübertragung profitieren von einem grossen Nachholbedarf – Sulzer und ABB sind Weltmarktführer in diesen Gebieten. Für deutsche Unternehmen sind diese Endmärkte von geringerer Bedeutung. Allein China erhöht die Investitionen in die Stromverteilung um 80% auf 30 Mrd pro Jahr. In der Ölbranche steigen die Investitionen im laufenden Jahr um 15%. Die Internationale Energieagentur rechnet für 2010 mit Investitionen von 470 Mrd Dollar im Öl- und Gasgeschäft, 2005 waren es 340 Mrd Dollar.

Margenverbesserungspotenzial

Die operativen Margen kleinerer und mittelgrosser börsenkotierter Maschinenbauer sind seit 2003 kräftig gestiegen. In der Schweiz von 4 auf 7%, in Deutschland von 3 auf 6%. Die Kapazitätsauslastung schnellte von 80 auf 87% in Deutschland und auf 93% in der Schweiz. Trotz diesen Umständen trauen wird den Schweizer Industrieunternehmen ein grösseres Margenverbesserungspotenzial zu als ihren Mitbewerbern. Einerseits haben sie die Spezialisierung auf Nischenmärkte konsequenter umgesetzt als viele deutsche Firmen. Anderseits profitieren sie von einem verhältnismässig flexiblen Arbeitsmarkt. Dieser ermöglicht eine rasche Anpassung der Kosten bei schlechteren Marktbedingungen. Umgekehrt bringt die Personenfreizügigkeit eine Entlastung bei personellen Engpässen.

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