Die Schweizer Börse hat in den letzten sechs Monaten 2 Prozent verloren. Am Mittwoch ging der Leitindex SMI mit 8800 Punkten in den Handel. Vor einem halben Jahr notierte der 20 Firmen umfassende Index noch bei weit über 8900 Punkten. Im europäischen Vergleich sind Anleger mit dem Minus im Schweizer Aktienhandel aber noch gut bedient. Schuld ist der starke Franken.

Seit der Aufgabe des Mindestkurses ist die Schweizer Währung in einem Hoch. Heute notiert der Kurs ungefähr dort, wo er schon vor drei Monaten stand: leicht unter 1.05 Franken je Euro. Das sind immer noch 15 Rappen weniger als vor dem 15. Januar, als Thomas Jordan überraschend verkündete, dass die Schweizerische Nationalbank die Mindestkurspolitik aufgebe. Und diese Aufwertung vernichtet den eigentlichen Gewinn an den europäischen Börsen.

Franken zerhaut europäischen Aktienboom

Um einige Beispiele zu nennen: Der Euro Stoxx 50, der die 50 grössten börsennotierten Unternehmen der Eurozone zusammenfasst, hat punktemässig fast 10 Prozent dazugewonnen. Vor sechs Monaten stand der Index bei knapp 3150 Punkten. Mittlerweile sind es mehr als 3450. Rechnet man die Frankenaufwertung mit ein, resultiert unterm Strich aber eine negative Kursentwicklung von mehr als minus fünf Prozent.

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Im kompletten Euroraum zeigt sich dasselbe Bild: Die Aktienindizes explodierten. Der deutsche Dax steht heute mehr als 12 Prozent höher als vor sechs Monaten. Dasselbe gilt für den niederländischen Aktienindex AEX. Die Pariser Börse legte sogar um über 13 Prozent zu. Der iberische Leitindex IBEX 35 kann sich über einen Zugewinn von fünf Prozent freuen.

Börsenparty ohne Schweizer

Klar ist: Im Euroraum findet eine Börsenparty statt, die leicht getrübt ist von den Entwicklungen in Griechenland. Gefeiert wird die lockere Geldpolitik der EZB und der Konjunkturaufschwung. Schweizer Investoren bleiben aber aussen vor: In Franken gerechnet, haben die deutschen und die niederländische Börse weit mehr als 2 Prozent verloren. In Spanien resultiert sogar ein Minus von über 8 Prozent.

In den anderen Währungsräumen sieht es nicht viel besser aus. Der Franken hat seine Stärke gegenüber fast allen Währungen behaupten können. Der Dollar und das Pfund sind heute wesentlich schwächer als vor dem geldpolitischen Kurswechsel im Januar. Und weil viele Währungen im asiatischen Raum direkt oder indirekt an den Dollar gekoppelt sind, verdienen Schweizer Anleger wenig am Kursrausch in diesen Regionen.

Trübes Bild in Nordamerika

Um nochmals einige Zahlen ins Spiel zu bringen: Der ehrenwerte Dow-Jones-Index tendiert in den letzten sechs Monaten seitwärts, in Franken gerechnet resultiert aber ein Minus von knapp sechs Prozent. Der S&P 500 liegt punktemässig leicht im Plus. In Franken gerechnet hat der Index, der die Aktien von 500 der grössten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, aber fast 5 Prozent verloren. Noch schlimmer ist das Gemetzel in Kanada: Der S&P/TSX Composite Index, der die grössten Unternehmen der Toronto Stock Exchange umfasst, steht mit weit mehr als 12 Prozent in der Kreide.

Wie geht es also weiter? Der Franken bleibt sicherlich stark. Weil sich die Verhandlungen mit Griechenland zur Zitterpartie entwickelt haben, könnte der Euro sogar einen neuerlichen Schwächeanfall haben, der Franken würde als sicherer Hafen funktionieren und im Wert steigen. Die Experten des britischen Geldinstituts HSBC glauben sogar, dass der Franken – unabhängig vom Ausgang des Schuldenstreits – zur Parität tendiert. Dies würde auch künftige Punktgewinne an den europäischen Börsen fressen.

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In den USA warten alle auf die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise. Dies gäbe dem Dollar Auftrieb und würde US-Anlagen wieder attraktiver machen. Die Chefin der US-Notenbank Fed hat sich in der letzten Sitzung Mitte Juni aber nicht auf einen Zeitpunkt für die Zinswende festgelegt. Er sei datenabhängig, hiess es, hänge also von der konjunkturellen Entwicklung ab. Je geduldiger Fed-Chefin Janet Yellen aber ist, desto länger dauert der Franken-Höhenflug – mit den entsprechenden Konsequenzen für jene Anleger, die bereits vor dem 15. Januar investiert waren.