Die Weltwirtschaftskrise bremst die Zementhersteller. Im 1. Halbjahr 2009 gingen die Umsätze des französischen Zementkonzerns Lafarge um 12% auf knapp 8 Mio Euro zurück, und der mexikanische Hersteller Cemex musste im 2. Quartal sogar eine Umsatzeinbusse von 34% auf 4,2 Mrd Dollar hinnehmen. Beim Schweizer Wettbewerber Holcim, der am 20. August 2009 die Resultate für das 2. Quartal vorlegen wird, rechnet Vontobel-Analyst Serge Rotzer mit einem Umsatzrückgang von 16%.

Der negative Trend in der Bauwirtschaft dürfte sich zumindest in Europa noch mindestens bis 2010 fortsetzen, sagt Patrick Appenzeller, Analyst beim Broker Helvea. Die Konjunkturprogramme hätten bisher nur beschränkt gewirkt. Dies dürfte sich allerdings noch ändern. Laut Appenzeller werden die Zementhersteller im 2. Halbjahr 2009 und vor allem im nächsten Jahr besonders in den Vereinigten Staaten und in China - von den Konjunkturpaketen profitieren.

Zwei Drittel in Schwellenländern

Den wirtschaftlichen Aufschwung dürften als Erstes die grossen Zementhersteller spüren, die global aufgestellt sind und von der vergleichsweise besseren Konjunktur in den Schwellenländern profitieren. Dies trifft auf die weltgrössten Unternehmen Lafarge, Holcim und Cemex zu.

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«Alle drei erwirtschaften rund zwei Drittel ihres Betriebsgewinns in den Schwellenländern», sagt Urs Diethelm, Analyst von Sal. Oppenheim. Dabei konzentriert sich die mexikanische Cemex stark auf Lateinamerika, Holcim auf Asien (vor allem Indien), Osteuropa und Lateinamerika, während die französische Lafarge ihr Geschäft besonders auf Osteuropa, den Mittleren Osten und Afrika ausgerichtet hat.

Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen zeigen sich auch in den Bilanzen. «Von der Finanzierung her ist Holcim am besten aufgestellt», sagt Diethelm von Sal. Oppenheim. Damit ist Holcim in einer besseren Position, um künftige Übernahmen zu tätigen - auch wenn bei der gegenwärtigen Bilanz grössere Zukäufe nur mit einer Kapitalerhöhung möglich sind. «Holcim könnte Interesse an Teilen der deutschen HeidelbergCement haben», sagt Rotzer. Eine starke Bilanz ist nicht nur von Vorteil, um von den durch Notverkäufe anderer Firmen gedrückten Übernahmepreisen zu profitieren, sondern könnte sich auch auszahlen. Dann nämlich, wenn die wirtschaftliche Durststrecke für die Zementhersteller nun doch länger dauern sollte als allgemein angenommen. Treiber für die Aktien seien vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern sowie die Konjunkturprogramme, sagt Vontobel-Analyst Rotzer. Allerdings seien die Titel von Holcim auf dem aktuellen Kursniveau bereits ansprechend bewertet.

Kursfeuerwerk seit Tiefpunkt

Seit dem Tiefpunkt an den Aktienmärkten am 9. März 2009 hat der Aktienkurs von Holcim rund 120% zugelegt, während sich die Titel von Lafarge im gleichen Zeitraum um 45% verteuert haben. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,2 für 2010 sind die Holcim-Titel deshalb auch sichtbar höher bewertet als die Konkurrenten Lafarge (12,6) und Cemex (14,2).

Deshalb empfehlen wohl nur rund 30% der Analysten Holcim zum Kauf, während es zum Beispiel bei Lafarge fast die Hälfte ist. So hat aber etwa Appenzeller von Helvea die Holcim-Titel vor wenigen Wochen auf «Accumulate» hochgestuft. Es würde ihn auch nicht erstaunen, wenn Holcim in den nächsten zwei Jahren wieder zur Nummer eins in der Branche aufsteigen würde und Rivalin Lafarge entthronte.