Bei der Finanzierung ihrer Importrechnung haben sich die USA lange auf die Güte von Fremden verlassen. Heutzutage sitzen diese Fremden zunehmend in China, Brasilien, Mexiko und anderen Schwellenländern. Die USA müssen jeden Tag netto fast 2 Mrd Dollar Kapital importieren, um das riesige Handelsbilanzdefizit zu decken. Von den 920 Mrd Dollar, die Ausländer 2007 in US-Aktien, Anleihen und Staatspapiere pumpten, stammten 361 Mrd Dollar, also 39%, aus Schwellenländern. Auf China entfallen 21%, auf Brasilien 8,4 und auf Russland 2,8.

«Wir sind nicht nur abhängig vom Geld anderer Staaten, das Geld stammt auch noch von armen Ländern», sagt Joseph Quinlan, Chefmarktstratege bei der Bank of America. «Es ist eine historische Anomalie, dass in den vergangenen fünf, sechs Jahren mehr Geld von den armen zu den reichen Staaten geflossen ist als andersherum», sagt Barry Eichengreen, Ökonom an der Universität in Berkeley. Zum Teil ist diese Situation die Kehrseite der US-Abhängigkeit von chinesischen Elektronikartikeln, russischem Öl und mexikanischen Geräten. Die Chinesen sparen zum Beispiel die Hälfte ihrer Wirtschaftsleistung. «Sie können nicht 48% des Bruttoinlandprodukts daheim ertragbringend anlegen, also parken sie es im Ausland», so Eichengreen.

Diesen Trend gibt es seit der Asienkrise Ende der 1990er Jahre. Damals waren in Thailand und Korea die Fremdwährungsreserven so niedrig, dass sie nicht mehr die Fremdwährungsschulden bedienen konnten. Die Asiaten haben ihre Lektion gelernt. Die Anhäufung verschärfte sich, als sich der Dollar 2002 abschwächte. Dieses Jahr sind vor allem China und die Golfstaaten überflutet von Dollar und suchen nach Investitionsmöglichkeiten. Allein im April stiegen Chinas Reserven um 75 Mrd Dollar.

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