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Schwellenländer-Anleihen im Fokus

FILE - This Wednesday, Aug. 2, 2017, file photo shows the Federal Reserve Building on Constitution Avenue in Washington. The Federal Reserve is likely to point to strong growth in the economy, low unemployment and rising inflation as reasons to keep on its current path of gradually raising interest rates. The Fed's statement at the end of its two-day meeting will be released Wednesday afternoon, Aug. 1, 2018, in the form of a brief policy statement. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, File)
Hauptgebäude der US-Notenbank (Fed) in Washington. Quelle: Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.

Schwellenländer sind anfälliger auf grössere Ereignisse. Die Frage ist, wie viele einmalige Ereignisse es für eine Krise bedarf.

Von Jim Leaviss*
am 17.09.2018

Die globalen Anleihenmärkte haben sich etwas zurückgebildet, da sich anfängliche eigenwillige Probleme in bestimmten Schwellenländern auf das gesamte Anleihen-Universum ausgebreitet haben: Nur 14 der 100 Anleihen-Segmente, die wir verfolgen, erzielten positive Gesamtrenditen. Der Rest geriet ins Schleudern und wurde hauptsächlich durch das Risk-Off-Szenario wie z.B. Hochzinsanleihen oder das Risiko steigender Zinsen wie z.B. langlaufende US-Staatsanleihen nach unten gezogen. Insgesamt schnitten europäische Staatsanleihen am besten ab, angeführt von italienischen Anleihen, die frühere Verluste umkehrten, da die Spannungen mit der Europäischen Union hinsichtlich des Haushaltsdefizits des Landes nachliessen.

Als sichere Häfen geltende Währungen wie der Yen und der US-Dollar legten an Wert zu – letzterer trotz einer weiteren Woche mit rückläufigen Inflationserwartungen: Die US-Break-Even-Inflationsrate über fünf Jahre fiel auf 2,07 Prozent – den niedrigsten Stand seit Juni. Einige Anleger fragen sich, ob Vermögenswerte aus den USA nun überteuert sind – was die globale Nachfrage nach diesen Papieren beeinträchtigen könnte – und deshalb die Inflations- und Zinsniveaus sinken.

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Probleme in Argentinien, Türkei und Südafrika

Doch in den letzten Handelstagen hat ein steigender Greenback die Schwellenländer sogar noch stärker in Mitleidenschaft gezogen: Argentinien hat die Zinsen zur Verteidigung seiner Währung von 45 Prozent auf 60 Prozent erhöht und den Internationalen Währungsfonds gebeten, die Zahlungen des bereits unterzeichneten Programms zu beschleunigen. Die türkische Lira setzte ihre Talfahrt fort, obwohl die Zentralbank die Möglichkeit einer Zinsanhebung noch in diesem Monat andeutete. Und die südafrikanische Wirtschaft fiel im zweiten Quartal in eine Rezession und zog ihre Währung auf ein Zwei-Jahres-Tief gegenüber dem US-Dollar. Sogar der mexikanische Peso, der bisher relativ unversehrt blieb, hat fast 2 Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Einige Gewinner...

Nachdem Anleger auf der Suche nach Rendite in der Kapitalstruktur jahrelang weiter nach unten gewandert sind, können sie jetzt etwas antreffen, was Käufer von Kleidung schon immer gewusst haben: Qualität zahlt sich letztlich aus. Die Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern (EM) mit dem höchsten Rating ist eine der wenigen Überlebenden des jüngsten Ausverkaufs in den Schwellenländern. Sie erzielte eine positive Rendite über die letzten Handelstage (0,1 Prozent), über drei Monate (0,4 Prozent) und seit Jahresbeginn (0,6 Prozent). Innerhalb des in US-Dollar denominierten JP Morgan Corporate EM Bond Index (CEMBI) werden die Namen mit der höchsten Bonität von asiatischen Unternehmen dominiert. Dazu gehören vor allem südkoreanische Versorger, Transportriesen aus Hongkong sowie Technologiefirmen aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Insgesamt haben sich kurzlaufende Anleihen dieses Jahr bislang besser entwickelt als langlaufende Papiere, da sie weniger anfällig sind für steigende Zinsen. Auch die vorhersehbareren Branchen Transport und Industrie erzielten bessere Ergebnisse. Auf regionaler Ebene bietet der Nahe Osten seit Anfang 2018 positive Gesamtrenditen, während Unternehmensanleihen aus Europa und Lateinamerika in Rückstand geraten sind. Was die einzelnen Länder betrifft, erzielten Ghana, El Salvador, Paraguay, Jordanien und der Irak dieses Jahr bisher eine Gesamtrendite von mindestens 2 Prozent.

 

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Zu den Gewinnern gehören auch europäische Anleihen, vor allem aus Italien: Italienische Staatsanleihen, auch bekannt als BTPs, sind in den letzten Handelstagen um 0,5 Prozent gestiegen und haben somit ihre Verluste über einen Monat auf 0,8 Prozent verringert. Die Spannungen zwischen der Regierung und der Europäischen Union hinsichtlich des Haushaltsdefizits des Landes liessen nach, nachdem die Lega ein Haushaltsdefizit für 2019 ins Gespräch brachte, das unter der 3 Prozentigen BIP-Grenze der Europäischen Union liegt. Das ist ein Niveau, das dem Land dabei helfen würde, seine enorme Schuldenlast von 130 Prozent des BIP zu reduzieren. Die italienischen Spreads sind gegenüber den als Benchmark geltenden deutschen Bundesanleihen auf 250 Basispunkte zurückgegangen, nachdem sie letzte Woche 289 Basispunkte erreicht hatten, das höchste Niveau seit der europäischen Schuldenkrise 2013.

…aber auch Verlierer

Der brasilianische Real setzte seine Talfahrt über die letzten Handelstage fort und erreichte seinen niedrigsten Stand seit 2015. Allein in diesem Jahr hat er gegenüber dem US-Dollar 21 Prozent an Wert verloren. Abgesehen von dem aktuellen Einbruch der Schwellenländer leidet die Währung auch unter der Unsicherheit rund um die Parlamentswahlen im Oktober. Nicht einmal ein Gerichtsbeschluss, der dem früheren, aktuell inhaftierten Präsidenten Lula eine erneute Kandidatur untersagt, trug zur Eindämmung der Verluste bei. Die Anleger machen sich immer noch Sorgen, dass der marktfreundliche Kandidat Alckmin in den Umfragen weiterhin hinter den anderen Bewerbern zurückbleibt. Aktuell liegt der rechte Kandidat Bolsonaro mit 20 Prozent der Wahlabsichten an der Spitze. Manche Experten meinen jedoch, dass die beiden qualifizierten Kandidaten in der Ausmarchung tendenziell ihre manchmal extremen Ansichten abschwächen, da sie die breite Wählerschaft der Mitte erreichen müssen. Weniger polarisierende Ansichten könnten die Unsicherheit verringern, das Risiko aber nicht: Nach einem Überschuss von 0,5 Milliarden US-Dollar im Juni ist Brasiliens Leistungsbilanz im Juli in ein Defizit von 4,4 Milliarden US-Dollar gerutscht. Auch die Industrieproduktion ging zurück, da sich die Unternehmen vor der Wahl mit Investitionen zurückhalten. Trotz der heftigen Ausschläge vor den Wahlen endeten sowohl linke als auch rechte Regierungen mit einem uneinheitlichen Wachstums- und Inflationsbild, wie die untenstehende Grafik belegt. Viel Wirbel um nichts?

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Zu den Verlieren gehört auch der US-Hochzinsmarkt. Er ist mit einem Volumen von rund 1,2 Billionen US-Dollar hinter den US-Leverage-Loans-Markt zurückgefallen. Dieser ist laut Fitch Ratings im Juni auf 1,3 Billionen USD gestiegen. Das geschah, weil Unternehmen die billigeren Finanzierungsmöglichkeiten des Loan-Markts ins Auge fassten: Bankverbindlichkeiten sind in der Regel weniger riskant als Anleiheninstrumente. Anleger wurden dieses Jahr zudem durch den variablen Zinssatz an den Loan-Markt gelockt, den einige Loans aufweisen und der bei steigenden Zinsen ebenfalls steigt. Die letzte gemässigte Rede der US-Notenbank (Fed) in Jackson Hole hat jedoch die Frage aufgeworfen, ob die Zentralbank nächstes Jahr die Zinserhöhungen stoppen wird – etwas, was den Hochzins-/Leverage-Loans-Trend wieder umkehren könnte.

*Jim Leaviss, Head of Retail Fixed Income Team, M&G Investments