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Schwellenländer
«Samsung ist viel mehr als Handys»

Eingang der Samsung Electronics Hall in Seoul: Das koreanische Unternehmen fördert die Ideen seiner Mitarbeiter.Quelle: Keystone

Starfondsmanager Carlos von Hardenberg verrät seine Top-Picks in den Schwellenländern und erklärt, wie und wo er milliardenschwere Portfolios für Franklin Templeton von Old- auf New-Economy umgeschichtet hat.

Von Erich Gerbl
01.12.2017

Sie sind seit 2014 beim Emerging Markets Spezialisten Franklin Templeton für die Entwicklungsmärkte der starke Mann. Wie hat sich das Portfolio seither entwickelt? 
Carlos von Hardenberg: Wir haben die Portfolios weg von Old Economy stärker in Richtung New Economy ausgerichtet. Das hat sich gerechnet. Wir haben uns auch sehr günstig eingekauft.  2014/2015 lagen die Preise in den Emerging Markets am Boden. Wir haben die Chance genutzt, um uns neu zu positionieren.

Woher kam der Pessimismus?
Der hatte viele Ursachen. Das waren Turbulenzen auf den Rohstoffmärkte, die grosse Angst vor einem Hard Landing Chinas und extreme Unsicherheit betreffend der Politik in verschiedenen Emerging Markets. Darunter etwa Angst vor Strafzöllen. Soviel wie 2014/2015 ist in den letzten 15 Jahren an Unsicherheiten nicht zusammen gekommen. Die Anlagen der institutionelle Anleger in den Emerging Markets waren auch auf einem Tief. All das führte zu super Preisen.

Wie wird das kommende Jahr?
Wir erwarten solides Gewinnwachstum bei Unternehmen und viele Währungen sind stabil oder werten gar auf gegenüber dem US-Dollar. Dies gekoppelt mit guter Binnen- und Exportnachfrage nach Produkten und Dienstleistungen stimmt uns positiv. Bewertungen bleiben im relativen Vergleich zu Industrieländeraktien attraktiv, der Bullenmarkt dürfte sich erst einmal fortsetzen. 

Welche Emerging-Markets Werte gefallen ihnen?
Rund 7 Prozent unseres EM-Portfolios macht Samsung aus. Samsung ist noch viel mehr als Handys. Das Unternehmen ist extrem stark in Speicherlösungen, die etwa für Dinge wie autonomes Fahren oder Data-Centers eingesetzt werden. Die Nachfrage nach Speicher  wie DRAM oder NAND-Flash steigt und steigt und Samsung ist da ganz vorne dabei. Dann ist Samsung extrem stark in Displays. Bei OLED sind sie mit einem technischen Vorsprung von zwei Jahren Weltmarktführer.

Wie nahe kommen sie als Grossinvestor an das Management eines so grossen Unternehmens wie Samsung heran?
Zu Samsung haben wir einen sehr guten Zugang. Ich habe das Management persönlich getroffen. Wir haben zwei Leute in Korea. Die sind immer wieder dort.

Wie konnte Samsung so gross werden?
Das Unternehmen hat die Fähigkeit Ideen sehr zu fördern. Das ganze funktioniert durch eine Kombination aus einer gewissen Hörigkeit und sehr eigenen Management-Struktur So bekommen Manager sehr grosse Spielräume mit eigenen Budgets. Haben sie Ideen, können sie diese eigenständig entwickeln. Bei Firmen wie BMW oder Bosch ist das ähnlich. Da gibt es firmeneigene Fonds und einen Wettbewerb um Budgets. Das ganze e-bike-Thema, in dem Bosch Weltmarktführer ist, wurde so von einer kleinen Gruppe entwickelt.

Welche Midcaps finden sie interessant?
Eines unserer wenigen Investments im chinesischen Finanzsektor ist Ping An Insurance. Die sind mit ihrer Tochter Lufax stark im Fintech-Sektor aktiv. Die Banking App ist im chinesischen Fintech-Sektor führend, höchst innovativ und hat 250 Millionen Nutzer. Ping An wird die Tochter eventuell noch in diesem Jahr die Börse bringen. Das ist höchst spannend. Spannend ist auch Sunny Optical. Diese Firma ist in der Sensorentechnik im Bereich autonomen Fahren, z.B. der Spurkontrolle, stark unterwegs. Uns gefällt auch FIT. Das Unternehmen hat sich auf kabellose Ladetechnologien spezialisiert. Angefangen hat es mit Handys, jetzt bauen sie das Geschäft mit Ladelösungen für Elektro-Autos aus. Die sind im Bereich Ladetechnologien der absolute Ideenführer.

Wie sieht es mit Chancen abseits der Technologie aus?
M. Dias ist auf Nudeln spezialisiert. Dem Unternehmen kommt die Abwertung des brasilianischen Real zu Hilfe. Weil die italienische Pasta durch den Währungseffekt zu teuer wird, sind die lokalen Produkte konkurrenzfähiger und stärker gefragt.

Welche Entwicklungsländer bieten in ihren Augen die grössten Chancen?
In Asien Pakistan, Kambodscha und Vietnam. In Afrika finden wir Kenia besonders attraktiv.

Wenn sie sich auf ein Land beschränken müssten?
Dann wäre es Vietnam. Auch wenn der  Markt gut gelaufen ist und die Liquidität nicht sehr gross ist, wäre das definitiv Vietnam.

 

 

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