Am 4. März wird der Zementhersteller Holcim seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2008 veröffentlichen. Ohne Zweifel werden die Zahlen den Wirtschaftsabschwung widerspiegeln. Vontobel-Analyst Patrick Laager ortet jedoch wenig negatives Überraschungspotenzial: «Angesichts der vielen negativen Konjunkturmeldungen sollten die Ergebnisse kaum überraschen.» Im 4. Quartal rechnet er mit einem Umsatzrückgang von 10,2%, übers ganze Jahr mit einer Abnahme von 6,1%.

Dieses Jahr haben die Aktien des Zementriesen bereits über 30% an Wert eingebüsst. Als Holcim jüngst einen Konsortialkredit über 400 Mio Fr. unterzeichnete, avancierten die Valoren. «Die Kreditvereinbarungen wurden angesichts der soliden Bilanzstruktur von Holcim positiv beurteilt», so Laager. Kurspotenzial versprechen die Konjunkturpakete: Spätestens 2010 dürften sich diese laut Laager positiv auf die Absatzentwicklung auswirken.

Lafarge sieht Trendwende

Von Interesse dürfte für Anleger auch die Refinanzierung von anfallenden Schuldenrückzahlungen sein. Eine Kapitalerhöhung werde nur dann durchgeführt, wenn damit zukünftiges Wachstum sichergestellt werden könne, so Laagers Beurteilung .

Vor Kurzem hat Lafarge, die Nummer eins im Zementmarkt, ihre Ergebnisse 2008 publiziert. Die Zahlen entsprachen in etwa den Konsenserwartungen. Der Umsatz stieg um 8%, das Betriebsergebnis um 9%. Zuvor wurde über ein Massnahmenpaket zur Verbesserung der angespannten Bilanzstruktur informiert. Die Verschuldung von Lafarge fällt fast doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Jetzt wurde eine Kapitalerhöhung vorgenommen. «Der Verwässungseffekt beträgt rund 15%», so CS-Analyst Roger Signer. Teil des Massnahmenpaketes ist auch eine Dividendenkürzung auf 2 anstatt 4 Euro pro Aktie. Das Massnahmenpaket wurde von den Anlegern dennoch leicht positiv aufgenommen: Die Aktien notierten nach Publikation höher als der Markt. 2008 haben die Valoren fast zwei Drittel an Wert eingebüsst.

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HeidelbergCement sucht Investor

Ebenfalls stark an Terrain verloren haben die Aktien von HeidelbergCement. Rund 70% tauchten die Titel letztes Jahr. Auch dieses Jahr zeigen die Valoren südwärts: Minus 22%, so die Bilanz seit Anfang Januar. Hauptaktionärin des deutschen Baustoffriesen ist mit einem 80%-Aktienpaket die Merckle-Gruppe. Anfang Januar hat HeidelbergCement aber mitgeteilt, eine Neuordnung der Finanzierungsstruktur zu planen. Das Unternehmen weist mit 12 Mrd Euro eine hohe Nettoverschuldung aus. Als möglicher Interessent am Unternehmen wird unter anderem Holcim gehandelt. Jüngst hat die Ratingagentur Moody’s ihre Bonitätseinschätzung auf B1 gesenkt. Moody’s verwies auf anhaltende Unsicherheiten hinsichtlich der Refinanzierungsmöglichkeiten des Konzerns. Mit Ratingsenkungen ist auch der mexikanische Baustoffkonzern Cemex konfrontiert. Ende Januar haben die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor’s der Firma gar das Investment Grade entzogen. Die Aktien verloren anschliessend 7,3%. Seit Jahresbeginn sind die Titel bereits 29% gefallen. Das Hauptproblem von Cemex ist die US-Rezession. Für das mexikanische Unternehmen ist der amerikanische Markt mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt. Wie seine Konkurrenten ist auch Cemex - mit 18 Mrd Dollar - stark verschuldet. Zum Schuldenberg hat eine aggressive Akquisitionsstrategie beigetragen. Zudem leidet Cemex noch unter der Übernahme des australischen Baustoffkonzerns Rinker. Wie CEO und Verwaltungsratspräsident Lorenzo H. Zambrano jüngst mitteilte, will Cemex die Verschuldung dieses Jahr auf 14,3 Mrd senken. Auch sollen Stellen abgebaut und Fabriken geschlossen werden.

Hoffen auf Konjunkturpaket

Analysten sind dennoch skeptisch, was das Potenzial von Cemex-Aktien angeht - an zu vielen Baustellen muss das Unternehmen derzeit sanieren. Ein Hoffnungsschimmer könnte das Konjunkturpaket von US-Präsident Obama sein.