Das Prämienvolumen in der Schadenversicherung ist im Jahr 2008 leicht gestiegen und die bereits im Vorjahr eingeleitete Trendwende in der Lebensversicherung hin zu Wachstum hat sich bestätigt. Das operative Geschäft der Versicherer verspricht zudem gute technische Ergebnisse, und Naturkatastrophen mit hohen Schäden sind ausgeblieben. Ein wenig aufregendes Versicherungsjahr, ist man versucht zu sagen, wären da nicht die Finanzmarktkrise und der globale wirtschaftliche Abschwung. Insbesondere die Verwerfungen an den Finanzmärkten werden in den Jahresabschlüssen der Versicherer deutliche Spuren hinterlassen.

Krisenfestigkeit bewiesen

Wo genau die Welt und die Schweiz in dieser Krise stehen, wird dannzumal der Blick zurück zeigen. Sicher ist, dass die Finanzmarktkrise die Versicherungswirtschaft vor eine grosse Bewährungsprobe stellt. Diese haben sie bis heute gut gemeistert: Die Schweizer Versicherungsindustrie steht solide da. Hält sich der Druck der Krise in überschaubaren Grenzen, so hat der Versicherungssektor gute Aussichten auf eine positive Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr.

Die Gründe für die hohe Widerstandskraft liegen in erster Linie im Geschäftsmodell der Versicherungen, das auf Sicherheit und Langfristigkeit ausgelegt ist. Die Einführung der risikobasierten Aufsichtsphilosophie hat zudem das Bewusstsein für ein professionelles Risikomanagement geschärft. Neben dem Abbau von Anlagerisiken haben die Versicherer insbesondere den Aktienanteil schon frühzeitig reduziert. Man hat aus der Krise des Jahres 2002 gelernt. Die operative Stärke im Kerngeschäft und der Umstand, dass den Versicherern ständig Prämien zufliessen und Geld nur dann abfliesst, wenn ein Versicherungsfall eintritt, sind weitere Gründe für die Solidität der Branche. Die gesetzliche Vorschrift, dass ein Versicherungsunternehmen die Ansprüche der Versicherten jederzeit decken muss, gewährt schliesslich auch den Versicherungskunden eine sehr hohe Sicherheit.

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Versicherer müssen versichern

Eine funktionierende Versicherungswirtschaft ist für die Schweiz von grösster Bedeutung. Auch in Krisenzeiten müssen die Versicherer die Risikofähigkeit besitzen, den Unternehmen und Privatpersonen den nachgefragten Versicherungsschutz anzubieten. Ohne diesen Schutz wären Bankkredite und Hypotheken kaum erhältlich oder zumindest teurer.

Der wirtschaftliche Abschwung wird sich auch auf das Versicherungsgeschäft auswirken. Zwar steigt in Krisenzeiten das Bedürfnis nach Sicherheit, was sich gerade in der Lebensversicherung bemerkbar macht. Doch in einer schrumpfenden Wirtschaft gibt es auch weniger zu versichern. Erfahrungsgemäss steigen in der Rezession zudem die Schadenbelastungen, etwa in der Krankentaggeldversicherung oder im Bereich Invalidität. Dies erhöht den Druck auf die Prämien. Die Versicherungswirtschaft steht trotz Krise solide da. Sie kann ihre volkswirtschaftliche Aufgabe uneingeschränkt weiterführen und der Schweizer Volkswirtschaft in der schwierigen Zeit eine Stütze sein.