Neben China zählt Indien zu den weltweiten Wachstumslokomotiven. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Wirtschaft des Landes im Schnitt um 9% pro Jahr. In diesem Haushaltsjahr, das am 31. März 2009 endet, könnte sich die Konjunktur allerdings etwas abgekühlt haben – so hat Indiens Finanzminister Palaniappan Chidambaram signalisiert. Er sei zufrieden, wenn das Bruttoinlandprodukt mit einer Rate «zwischen 8% und 9%» zulege, sagte er. Manche Experten erwarten allerdings, dass Indiens BIP-Wachstum aufgrund der weltweiten Entwicklung auf 7% zurückgehen könnte.

Chidambaram sagte, genauere Prognosen könnten erst nach Ende der Monsunzeit (Juni bis September) und der Ernteperiode getroffen werden. «Wir müssen uns aber die 9% als Ziel setzen.» Ein Problem seien jedoch die steigenden Nahrungsmittelpreise: «Es ist nun einmal eine Tatsache, dass in einem Schwellenland, in dem noch viele Menschen arm sind, ein Grossteil ihrer Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel bestimmt ist.» Deren hohe Preise sowie der wachsende Konsum in Indien durch den steigenden Wohlstand treiben auch die Inflation an, die bei den Grosshandelspreisen schon die Marke von 7% erreicht hat. Für Regierung und Zentralbank liegt die Schmerzgrenze bei etwa 5%.

Massnahmen gegen die Inflation

«Die erwartete Inflation vor allem lässt wiederum die Preise steigen», so der Finanzminister. «Wir müssen diesen Erwartungen entgegentreten und den Leuten sagen, dass der Preisauftrieb nachlässt. Sie sollen nicht mehr kaufen, als sie wirklich brauchen, und sie sollen keine übertriebenen Preise zahlen.»

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Um der Teuerung Herr zu werden, hat die Regierung darüber hinaus Exporte eingeschränkt. So darf nur noch Basmatireis ausgeführt werden, und sein Mindestexportpreis wurde erhöht. Auch wenn dies gegen die Idee des freien Handels verstosse, zöge man doch weitere Exportverbote «als kurzfristige Massnahme» in Betracht, erklärt Chidambaram. Als weitere Aktion hat die indische Zentralbank vor kurzem die Geldmenge limitiert, die Banken verleihen dürfen. Der dringend nötige Ausbau der Infrastruktur sei dadurch aber nicht betroffen. Chidambaram betont, Indien sei trotz des in diesem Jahr um 18% eingebrochenen Aktienindex Sentex ein interessantes Land für Investoren. Der Gesamtgewinn am Aktienmarkt sei 2007 mit 27% zwar niedriger gewesen als noch 2006 (plus 40%), aber immer noch attraktiv.

Was den Minister jedoch beschäftigt, ist die indische Wachstumsrate im Vergleich zu China. Das Nachbarland hat vor Kurzem für das 1. Quartal 2008 ein BIP-Wachstum von 10,6% gemeldet. «Wir wollen mit China Schritt halten», sagt Chidambaram. Allerdings: Die nicht demokratische Regierung in China könne schneller reagieren und sei «in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die wir nicht treffen können. Bei uns ist dafür ein längerer Abstimmungsprozess vonnöten.»