Die Börse setzt auf eine Erholung der Weltwirtschaft. Partners Group jedoch malt ein düsteres Bild: Viele Struktur-probleme seien ungelöst, die Verschuldung habe zugenommen. Wer hat recht?

Stephan Schäli: Es kommt wohl auf die Perspektive an. Unser Anlagehorizont geht deutlich über das Wirtschaftsgeschehen der nächsten paar Monate hinaus. Wir müssen nach möglichen Szenarien in den nächsten drei bis sieben Jahren suchen. Denn so lange dauert es bis zum Exit aus einem Private Equity Investment. Wir rechnen für diese Zeitspanne mit schwacher Wirtschaftsentwicklung und mit Volatilität, sobald die Notenbanken die Liquiditätszufuhr drosseln.

Es sind also weitere Korrekturen an den Börsen denkbar?
Bezüglich der Liquidität sind wir derzeit auf einem hohen Niveau, was zur Folge hat, dass jegliche Abweichungen von den Erwartungen Verwerfungen an den Kapitalmärkten nach sich ziehen könnten. Umso mehr ist es sinvoll, in ­Realwerte – Aktien, Private Equity, Immobilien, Infrastruktur – zu investieren.

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Doch Privatmarkt-Anlagen können sich dem Börsenumfeld nicht entziehen, oder?
Eine schwere Korrektur würde ­natürlich auch Private Equity zusetzen. Doch seitwärts laufende Börsen und ein schwaches Wirtschaftswachstum bieten gute Chancen. In diesem Umfeld kann durch Restrukturierung und Entwicklung von Firmen Wert geschaffen werden – das ist das Kerngebiet der Private-Equity-Häuser. Zudem vergrössert sich das An­lageuniversum für die Branche, wenn Staaten wegen ihrer hohen Schulden ­Assets verkaufen müssen.

Tatsächlich scheint die Branche sehr aktiv zu sein. Firmenverkäufe und Fusionen nehmen zu, in den USA kommt es wieder zu Mega-Mergern. Das weckt Erinnerungen an die Zeit vor der Finanzkrise, oder?
Es gibt gewisse Parallelen, wobei sich ein Teil der Private-Equity-Branche eher auf Übernahmen von kleineren Firmen konzentriert, wo die Preise noch nicht zu hoch sind. Bei den grossen Deals werden sie oft von strategischen Investoren ausgestochen.

Wo sehen Sie die besten Chancen im Private-Equity-Bereich?
Wir konzentrieren uns auf die Beteiligung an kleineren und mittleren Firmen, da dieses Segment, zum Beispiel durch Internationalisierung, besonderes Entwicklungspotenzial bietet.

Die Private-Equity-Manager müssen jetzt ihre Hemdsärmel hochkrempeln?
Der Aufwand nimmt zu, stimmt. Die Zeiten, als man bloss mit einem Fremdkapitalhebel schon Performance einfahren konnte, sind vorbei.

Doch der Zugang für Privatanleger zu Privatmarkt-Investments ist beschränkt. Welche Vehikel machen Sinn?
Kotierte Beteiligungsfirmen handelten oftmals zu einem hohen Abschlag zum Inventarwert. Das war ungünstig für Investoren. Besser geeignet sind modernere Fonds, bei denen Anleger direkt zum inneren Wert investieren können.