Vor ziemlich genau einem Monat kletterte der Schweizer Leitindex SMI auf fast 9500 Punkte – ein Jahreshoch. Danach begann der Abstieg – den gerne zitierten Ausverkauf im Mai zogen die Börsianer vor: Zwischenzeitlich verlor das wichtigste Schweizer Börsenbarometer knapp sieben Prozent, mittlerweile steckt es noch immer vier Prozent im Minus.

Kalt erwischt hat es den Rückversicherer Swiss Re. Die Titel verloren seit dem 10. April mehr als 17 Prozent, dabei überraschte die Firma mit ihrem ersten Quartalsbericht. Der Gewinn ging durch die Decke. Dass die Aktie trotzdem der grösste Verlierer der Frühjahrsverkaufsrunde an der Schweizer Börse war, liegt daran, dass viele Anleger die Hand aufmachten und die Dividende in Höhe von acht Franken einheimsten – ganz im Sinne der alten Börsenweisheit «sell in May and go away».

Swatch geht mit dem Dollar tauchen

Wenig Vertrauen hatten die Investoren auch in den Uhrenpatron Hayek. Die Swatch Group ist die zweitgrösste Verliererin des Ausverkaufs. Seit dem 10. April haben die Aktien 14 Prozent an Wert verloren. Bis zum 7. Mai hielten sich die Titel noch weit über 410 Franken, dann kam der Anleger-Schock. Schwache Konjunkturdaten aus den USA schickten den Dollar auf Tauchfahrt und rissen auch gleich die Swatch-Aktien mit. Die Titel sackten auf fast 390 Franken ab. Die Erholung blieb bisher aus.

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Platz drei der schlechtesen Aktien geht mit einem Minus von 13 Prozent an den Sanitärtechnikkonzern Geberit. Der Bluechip muss die Sanitec-Übernahme verdauen und verbuchte deshalb weniger Gewinn als in der Vorjahresperiode. Viele Anleger trennten sich daraufhin vom Titel.

Anleger stossen Adecco ab

Der vierte SMI-Titel, dessen Börsenwert innert kurzer Zeit massiv abgenommen hat, ist Adecco. Mit einem Minus von über 12 Prozent gehört der Stellenvermittler zu den grössten Verlierern. Der Aktienkurs fällt seit Ende April, in der Spitze sogar um knapp 18 Prozent auf ein Tief von 70 Franken, obschon es der Firma rein wirtschaftlich gesehen ganz gut läuft. Die konjunkturelle Erholung in Europa sorgte für kräftigen Rückenwind im ersten Quartal, unterm Strich resultierte ein Reingewinn von 160 Millionen Euro – ein Plus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Ausverkauf folgt denn ebenfalls auf die Auszahlung einer Dividende, im Fall des Personaldienstleisters in Höhe von zwei Franken je Aktie, und auf den angekündigten Doppelwechsel an der Spitze. Konzernlenker Patrick de Maeseneire und Finanzchef Dominik de Daniel verlassen den Stellenvermittler im Sommer. Der Finanzchef geht offenbar, weil er nicht zum Konzernchef befördert wurde – ein Zeichen für Unmut im Führungsgremium.

Nur sechs Titel im Plus

Nur sechs der 20 SMI-Titel konnten dem Negativtrend der vergangenen 30 Tage widerstehen. Mit einem Minus von vier Prozent gehört der Pharmagigant Roche sogar zum gesicherten Mittelfeld (eine Übersicht zur Performance aller SMI-Titel finden Sie in der obigen Bildergalerie). 

Stark entwickelte sich die Aktie von Transocean. Der weltgrösste Vermieter von Ölbohrinseln wurde zuletzt geohrfeigt von Analysten und Investoren: Abschreiber und schwere Unternehmensverluste belasteten den Zuger Konzern. Im Februar trat Unternehmenschef Steven Newman per sofort zurück. Die Deutsche Bank sah die SMI-Aktie bereits kollabieren. Doch mit der Erholung des Ölpreises stieg jüngst auch der Aktienkurs von Transocean. Seit dem Jahreshoch vom April konnten die Titel fast um 10 Prozent zulegen.

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Übernahmeofferte treibt Syngenta-Aktie

Das genügt aber nicht für den Bergpreis: Die Siegeraktie der vergangenen 30 Tage wurde erst vor wenigen Tagen von einem Übernahmeangebot angetrieben. Lange Zeit hat sich wenig bewegt – beim Kurs und beim Handelsvolumen. Dann folgte die Explosion: Der Agrochemie-Konzern Syngenta bestätigte, dass der weltgrösste Saatguthersteller Monsanto eine Übernahmeofferte unterbreitet hat. Der Aktienkurs ging durch die Decke. Und der Trend dürfte anhalten. Die Aktien des Unternehmens sind auch zu Beginn der neuen Woche gefragt. Am Montag gingen die Titel wieder mit einem starken Plus aus dem Handel.