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Sell in May – wo das für Anleger dieses Jahr nicht gilt

LafargeHolcim
Kurssteigerungen sind auch bei LafargeHolcim drin. Die Aktie läuft seit Mitte 2016 in einer Trading-Range zwischen etwa 50 und 60 Franken.Quelle: Keystone

Der Mai ist da. Damit die Frage: Soll man aussteigen? Aber es gab schon eine Korrektur und einige Titel sind sogar gute Kaufgelegenheiten.

Von Georg Pröbstl
am 04.05.2018

Das dürfte die bekannteste Börsenweisheit sein und sie ist tief in der DNA vieler Anleger verankert: «Sell in May and go away, but remember, to come back in September!» Der Rat an Aktionäre, im Mai auszusteigen und erst nach dem Sommer wieder an der Börse mitzumischen, hängt wie ein Damoklesschwert über den Aktienmärkten. Viele Anleger haben Angst vor Kursverlusten und im Wonnemonat investiert zu sein.

Diesem Rat liegt die Vermutung zugrunde, dass ab Mai viele Marktteilnehmer – Investoren, Fondsmanager und Firmenchefs – ihre Koffer packen und in Urlaub fahren. In der folgenden relativ meldungsfreien und lustlosen Zeit, soll es dann wenig Impulse für Aktien geben und das ist schlecht für den Kurs. Wegen fehlender Nachfrage dümpeln die Börsen vor sich hin und sacken tendenziell ab. 

Mai – nur Platz 10 im Performance-Ranking…

Tatsächlich zeigen langfristige Studien, dass der Mai an manchen Börsenplätzen nicht zu den Top-Monaten zählt. Über einen Zeitraum von 32 Jahren zwischen 1984 und 2015 zeigen beispielsweise die Analysten von BNP Paribas für den britischen Aktienmarkt mit dem Leitindex FTSE 100, dass der Mai bei der Performance mit einem durchschnittlichen Plus von nur 0,1 Prozent lediglich den zehnten Platz im Performance-Ranking der Monate belegt. 

Tatsächlich war der Mai teils ein Horrormonate für Börsianer. So begann etwa im SMI in 2001 und 2002 jeweils im Mai ein katastrophaler Kursrutsch der dann viele Monate lang anhielt. 2001 lagen die Verluste in den folgenden Monaten bei rund 20 Prozent und 2002 hielt der Preisverfall an der Börse sogar bis Anfang 2003 und brachte ein Minus von 40 Prozent. Auch 2011 rauschten Schweizerische Blue Chips zwischen Mai und August um rund 20 Prozent nach unten. 

Der Mai zeigt Licht und Schatten

Genau betrachtet haben aber diese drei gewaltigen «Mai-Kurseinbrüche» wenig mit dem Marktverhalten zu tun als vielmehr mit grossen geopolitischen oder globalen wirtschaftlichen Ereignissen. 2001 war der Jahrtausendcrash in vollem Gange und im September des Jahres gab es den Terror in New York und 2002 sorgte im Vorfeld des Irakkriegs eine grosse Unsicherheit für schwache Aktienmärkte. 2011 schliesslich brach die Euro-Schuldenkrise aus. Eine Folgerung von «sell in May» lässt sich da nicht ableiten. 

Tatsächlich zeigt auch der Mai – wie alle Monate – Licht und Schatten. So zeigt die Studie von BNP für den FTSE 100, im Mai zwischen 1984 und 2015 zwar sechs Jahre mit Kursrückgängen von mehr als vier Prozent, aber auch vier Jahre mit Kursgewinnen von mehr als vier Prozent. Insgesamt ist die Bilanz von Kursgewinnen und -verlusten in dem Monat in diesen 32 Jahren ziemlich ausgeglichen. 16 Mal schloss der Monat im Plus, 15 Mal im Minus. 

Fast alle Monate bringen überwiegend Kursgewinne

Rückenwind bekommen vorsichtige Anleger und Freunde des «sell in May» von einer anderen Statistik. So haben die Aktienstrategen von BNP den breiten Stoxx 600 über einen Zeitraum von 20 Jahren analysiert und herausgefunden, dass die Kurse zwischen Mai und Anfang Oktober tatsächlich schlechter laufen als im Rest des Jahres. Das durchschnittliche Kursminus der 600 grössten Börsenwerte aus 18 Ländern in Europa liegt in dem Zeitraum laut BNP bei rund sechs Prozent. 

Eine Sicherheit vor Schaden bietet der Ausstieg im Mai aber nicht. Denn wie BNP ebenfalls festgestellt hat, stiegen die Kurse im FTSE 100 seit 1984 in allen Monaten öfter als in der Hälfte aller Fälle. Lediglich September und Juni brachten in nur rund 45 und etwa 40 Prozent der Jahre Gewinn. Im August dagegen liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Kursverlauf im FTSE 100 danach sogar bei knapp 60 Prozent. Die Chancen sind also hoch, dass – mit Ausnahme von Juni und September – in jedem Monat ein Plus in den Büchern der Börsianer steht. 

«Hin und her macht Taschen leer»

Lohnt es sich da überhaupt wegen eines durchschnittlichen Kursverlusts von sechs Prozent zwischen Mai und Oktober noch auszusteigen? Eine andere Börsenweisheit sagt nämlich: „Hin und her macht Taschen leer.“ Denn mit dem Kauf und Verkauf des Depots sind ja auch Kosten verbunden und die liegen selbst bei günstiger Kondition schnell zusammen bei über 1,0 Prozent. Zudem: Der Aus- und spätere Wiedereinstiegt bringt Zeitaufwand und damit Opportunitätskosten. Ein halber bis ganzer Tag oder auch mehr ist da schnell vertan und man muss den Kursen meist gestresst hinterherlaufen um die vermeintlich günstigsten Kauf- und Verkaufslevels zu erreichen.

Anstatt zu Traden könnten Anleger alternativ aber auch Arbeiten und damit Geld verdienen oder einfach Ferien machen und Entspannen. Schliesslich sind die genannten Daten von BNP auch rein statistisch in einer Rückbetrachtung zu verstehen. Denn im Vorfeld kennt niemand den optimalen Zeitpunkt für Aus- und Wiedereinstieg. Da niemand die Glocke läuten wird, wann das Hoch und Tief erreicht ist, werden viele Mai-Verkäufer am Ende den Wiederaufschwung wohl verpassen.

Anleger sollten Börse als Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau ansehen

Und da kommt ein weiterer Börsenspruch ins Spiel. „Wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten im Depot haben“, sagt Warren Buffett. Tatsächlich sollten Anleger Börse als Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau ansehen und nicht mit nur kurzfristigem Zeithorizont wie Trader. 

Vor diesem Hintergrund gibt es jetzt sogar wahrscheinlich viele Kauf-Gelegenheiten. Denn eine starke Korrektur gab es in diesem Jahr bereits. Zwischen Ende Januar und Ende März rutschte der SMI um 1000 Punkte oder mehr als zehn Prozent nach unten. Die Bewertung des Index ist damit entsprechend gesunken.

Der SMI bietet jetzt gute Kurschancen

Der Index ist aber nach den Kursverlusten im ersten Quartal nicht nur aus fundamentaler Sicht wieder spannend, sondern auch charttechnisch. Nachdem vor wenigen Tagen die 38-Tage-Linie nach oben übersprungen wurde – das ist ein Kaufsignal für viele Anleger –, kommen jetzt auch die 100- und 200-Tage-Linie langsam in Reichweite. Diese verlaufen aktuell knapp über der psychologisch wichtigen 9000-Punkte-Marke. 

Fällt diese Barriere, könnte es mit dem SMI ganz schnell weiter nach oben gehen. Anleger hebeln mögliche Kursgewinne im Index mit einem Call-Zertifikat (ISIN: CH0387480004, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 8321,9062 Punkte, Hebel 14,8). 

Swatch und Richemont – charttechnisch orientierte Anleger sind in den Startlöchern

Wer auf Einzelwerte setzt, sollte sich Titel wie Swatch und Richemont ansehen. Der Uhrenhersteller und der Luxusgüterkonzern profitieren derzeit von einer stärkeren globalen Nachfrage in ihren Sektoren und haben ebenfalls wichtige Marken im Chart erreicht. Nach dem starken Lauf seit April nimmt Swatch jetzt möglicherweise schon in Kürze zum ersten Mal seit 2014 wieder die psychologische 500-Franken-Hürde. 

Und Richemont hat das Allzeithoch und den Widerstand bei rund 95 Franken erreicht. Da könnte es zeitnah neue Kursrekorde geben und die Aktie ist vielleicht schon in wenigen Wochen dreistellig. Die Jahreszahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr 2017/18, die am 18. Mai präsentiert werden, könnten den nötigen Schwung bringen.  

Kurssteigerungen sind auch bei LafargeHolcim drin

Kurssteigerungen sind auch bei LafargeHolcim drin. Die Aktie läuft seit Mitte 2016 in einer Trading-Range zwischen etwa 50 und 60 Franken. Bis zur oberen Begrenzungslinie sind noch rund zehn Prozent und diese Obergrenze wurde in den letzten zwölf Monaten schon mehrfach ins Visier genommen. 

Noch ein kurzer Blick auf Aktien jenseits der grossen Börsenschwergewichte. Im SPI scheint AMS nach den Zahlen von Apple wieder aussichtsreich. Kam die Aktie des Halbleiterherstellers seit Mitte März wegen Sorgen um die Absatzzahlen des wichtigen Kunden Apple unter Druck – der Titel rutschte dabei um rund 25 Prozent nach unten – so scheint diese Angst um Apple nun doch wenig begründet. Denn Apple legte am Mittwoch gute Zahlen vor und übertraf die Erwartungen der Analysten: Die Nachfrage nach Smartphones bleibt hoch und Zulieferer wie AMS sollten profitieren. Immerhin macht das SPI-Mitglied etwa 35 Prozent der Umsätze mit dem US-Telefongiganten. AMS notiert knapp unter der 200-Tage-Linie. Fällt diese Hürde, könnten beim Tech-Konzern ganz schnell wieder Kurse um 100 Franken drin sein. 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent)

 

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