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Semperit – gute Gründe für den Turnaround

Semperit Reifen Service
Semperit-Service auf dem Grossglockner: Früher war das Traditionsunternehmen Semperit auch geschäftlich auf dem Gipfel. Quelle: Keystone .

Zu geringe Effizienz und hohe Kosten belasten Semperit. Jetzt aber wird der Laden umgebaut. Anleger setzen auf den erfolgreichen Turnaround.

Von Georg Pröbstl*
am 20.07.2018

Viele Jahre lange ging es mit Semperit nur nach oben. Zwischen 2009 und 2015 steigerte der Anbieter von Produkten aus Kautschuk oder Kunststoff wie etwa von medizinischen Handschuhen, von Schläuchen oder von Handläufen für Rolltreppen seinen Umsatz um 55,5 Prozent auf 914,7 Millionen Euro. Der Gewinn war dabei zwar nicht gerade explodiert, aber immerhin gab es zuverlässige Überschüsse meist im Bereich von 2,0 Euro je Aktie und Jahr.

Dann kam 2016 das bittere Erwachen. In dem Jahr verzeichnete der Gummi-Konzern aus Wien nicht nur einen Umsatzrückgang um 6,8 Prozent und die Halbierung der Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern auf 3,2 Prozent, sondern es gab mit -0,43 Euro je Aktie auch den ersten Verlust zumindest seit 1998.

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Kostenexplosion bringt rote Zahlen

Was war passiert? Die Kosten waren davongelaufen. So hatte sich alleine in den fünf Jahren zwischen 2011 und 2016 die Personalaufwandsquote von rund 14 auf über 19 Prozent erhöht. Im vergangenen Jahr gab es zwar wieder ein Umsatzplus von 2,6 Prozent, aber die Ausgaben für das Personal relativ zum Umsatz waren nun sogar auf 21 Prozent gestiegen. Insbesondere auch die höheren Rohstoffpreise brachten dann in 2017 einen Verlust von -1,25 Euro je Aktie.

Nun aber steuert Firmenchef Martin Füllenbach dagegen. Seit Jahresanfang läuft eine Restrukturierung, es wird optimiert und die Komplexität im Unternehmen zurückgefahren. Zudem werden auch wenig profitable Töchter wie aktuell Mitte Juni in Shandong in China abgestossen. Das verursacht Einmalkosten und möglicherweise stehen weitere Bereinigungen im Portfolio an.

Die Restrukturierung zeigt erste Folgen

Immerhin zeigen die Massnahmen bereits Erfolge. So stieg die Gewinnspanne von Semperit vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) vor Sondereffekten im ersten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs von 3,7 Prozent von 4,2 auf 7,1 Prozent. Eine Prognose für dieses Jahr gibt es bisher zwar nicht, doch nach Abschluss der Umbauarbeiten Ende 2020 soll die EBITDA-Marge bei zehn Prozent liegen.

Nachdem sich die Aktie in den letzten vier Jahren gedrittelt hat, sehen Börsianer nun hohes Turnaround-Potential. Anleger setzen darauf, dass schon die Präsentation der Halbjahreszahlen am 23. August neuen Schwung in die Aktie bringen kann. Kurse um 20 Euro könnten ganz schnell wieder drin sein.

 

Semperit AG

ISIN: AT 000 078 555 5

Gewinn je Aktie 2019e: 0,80 €

KGV 2019e: 20,5

Dividende/Rendite 2018e: -/-

EK je Aktie: 19,83 €

EK-Quote: 43,7%

KBV: 0,8 

Kurs/Ziel/Stopp: 16,38/22,50/11,20 €

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent)