Kudelski und Advanced Digital Broadcast (ADB) zählen zu den Weltmarktführern in ihren Kerngeschäften Zugangsdienste (Conditional Access Systems, CAS) und Verschlüsselungstechnologien sowie Set-Top-Boxen. Beide sind auch dank der technologischen Fortschritte in den letzten Jahren stark gewachsen. Die beiden am Genfersee arbeitenden Firmen (Kudelski in Lausanne, ADB in Genf) weisen ein spezielles Geschäftsumfeld mit einigen wenigen Grosskunden und -aufträgen auf, die für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein können.

Negative News sind eskomptiert

Kudelski hatte bereits im November eine Gewinnwarnung veröffentlicht und die Prognose für 2007 auf 940 bis 955 Mio Fr. Umsatz und einen operativen Gewinn zwischen 85 und 95 Mio. Fr. reduziert. Der Analystenkonsens liegt jetzt am unteren Ende dieser Spannen. «Wir rechnen bei der Veröffentlichung nicht mit unangenehmen Überraschungen», meint Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. Kudelski hat durchblicken lassen, dass 2008 ein «Übergangsjahr» wird. Die gehackten CAS-Verschlüsselungen erweisen sich als weniger problematisch als befürchtet; ein Kudelski-Sprecher weist darauf hin, dass ein erfolgreicher «Hack» nicht so ohne weiteres «exportiert» werden kann. Berichte um einen möglichen CAS-Plattformwechsel des strategisch wichtigen Kunden Premiere sowie die schwachen Neukundenzugänge beim ebenso wichtigen US-Kunden Echostar sind laut Spiliopoulos jetzt im Aktienkurs enthalten, er geht zudem davon aus, dass Premiere nicht abspringen wird. Der Vontobel-Staranalyst, der eine hohe Prognosequalität hat, formulierte seine Prognose für 2008 konservativ. Er rechnet mit einem Rückgang des Gewinns pro Aktie um 10% auf noch 1.65 Fr., das Kursziel nahm er von 45 auf neu 37 Fr. herunter. Auch am anderen Ende des Genfersees dürfte 2008 ein «Übergangsjahr» werden. Die Eckwerte des letzten Geschäftsjahres sind bereits bekannt, der Umsatz von 296 Mio Dollar wurde zwar gegenüber dem Vorjahr um 13% gesteigert, er lag dennoch unter den Erwartungen des CS-Analysten Christoph Gretler. Der operative Profit dürfte 2007 – wenn es gut geht – gerade eine schwarze Null betragen. «Nach zwei Jahren mit nicht befriedigender operativer Leistung ist das Management jetzt dabei, Effizienzsteigerungen voranzutreiben und das Umsatzwachstum nachhaltig zu steigern.» Ob das gelingt, wird sich weisen. Die Aktie ist mit dem 13,7fachen der Gewinnschätzung für 2008 bewertet (Annahme: 1.76 Dollar Gewinn pro Aktie), Konkurrenten kommen auf das 8- bis 13fache. Gretler hat auf dem Hintergrund des schwierig zu prognostizierenden einzelbestellungsabhängigen Geschäftsmodells das 12-Monats-Kursziel auf 25 Fr. pro Aktie halbiert.