Die starke Kurskorrektur der SGS-Aktie von Juni bis November (-42%) letzten Jahres hat neue Perspektiven eröffnet. Die Aktie des Warenprüfkonzerns hat denn auch zu Jahresbeginn zu einem Höhenflug angesetzt. Der Elan ist jedoch bereits wieder verflogen, der Valor verharrt derzeit bei 1140 Fr.

Im Vorfeld des Jahresabschlusses vom Donnerstag, 15. Januar, sind sich die Analysten uneinig über die unmittelbare Zukunft von SGS. Bei Clariden Leu ist man überzeugt, dass das Unternehmen vom Trend des Outsourcing und einer zunehmenden Regulierung profitiert. Die Vontobel-Experten sehen SGS mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15.4x mit einer relativ hohen Prämie von 30% gegenüber den Konkurrenten Bureau Veritas (12.4x) und Intertek (12.0x) ausgestattet. Dennoch sind sie vom Potenzial der Aktie nicht restlos überzeugt und setzen das Kursziel bei 1050 Fr.

SGS wächst auch in der Krise

Der Warenprüfkonzern wird zwar in allen zehn Sparten Wachstum verzeichnen können, doch herrscht bei Branchenkennern Unklarheit darüber, wie immun sich die einzelnen Geschäftsfelder im derzeitigen Abschwung zeigen. Die Marktbeobachter von Vontobel sehen daher in diesem Jahr die Strategie von SGS einer Bewährungsprobe ausgesetzt.

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Einig sind sich die Experten darin, dass sich das Gruppenwachstum verlangsamen wird, auch wenn nicht alle Geschäftszweige gleich von der Rezession betroffen sein werden.

Betrachtet man die Prognosen für die einzelnen Sparten, gehen die Sarasin-Analysten auch 2009 in allen zehn Bereichen von einem Wachstum aus. Vontobel erwartet im Bereich Consumer Testing Services sogar noch immer zweistellige Zuwachsraten. Die Analysten von Morgan Stanley setzen ein Fragezeichen hinter die Ausgaben in den Schlüsselendmärkten des Bergbau- und Elektrizitätssektors. Aufgrund des zyklischen Charakters des Business-Services-Sektors soll sich daher der SGS-Kurs relativ spät erholen.

Die Experten der Bank Sarasin sehen SGS hingegen kaum zyklischen Trends ausgesetzt, da das Unternehmen in der Wertschöpfungskette höher als früher angesiedelt sei.

SGS könne zudem kurzfristig von staatlichen Infrastrukturprogrammen in Schwellenländern wie China, Indien oder Russland profitieren. In China etwa sollen 580 Mrd Dollar in Konjunkturprogramme fliessen. Langfristig steige durch die Zunahme internationaler Handelsströme der Zertifizierungsbedarf an. Unabhängige und seriöse Tester seien bei der zunehmenden Nachfrage nach Regulierung, gerade in Schwellenländern, vermehrt gefragt.

Spekulationen, ob SGS die Übernahme eines grossen Konkurrenten gelingt, scheinen seit dem Börsengang von Bureau Veritas verfehlt. Kleinere Zukäufe sind jedoch möglich. Die Analysten der Bank Sarasin sehen im erwarteten Konsolidierungsprozess SGS in einer ausgezeichneten Situation. Das Unternehmen kann als Branchenleader Übernahmen dann tätigen, wenn sie für das Unternehmen Sinn ergeben.