Auf den ersten Blick war alles wie im Vorjahr: In der linken Ecke der grossen Messehalle am Stuttgarter Flughafen übertönten die Podiumsdiskussionen das Stimmenmeer der Besucher und Aussteller, hinten rechts in der Halle gaben sich die Vertreter unterschiedlicher Firmen die Mikrofone in die Hand und erklärten etwa die Vorzüge von Uraninvestments.

Mehr Kritik aus dem Publikum

Doch gegen solche «Exoten»-Themen regte sich allenthalben Widerspruch: Durch kritische Gegenfragen unterschied sich die diesjährige Veranstaltung von der des letzten Aprils, als man glaubte, die Übernahme der Investmentbank Bear Stearns bilde die Blaupause für weitere Banken- und Emittentenrettungen.

Die Anleger kamen wieder in Scharen, lediglich bei den Ausstellern blieben etliche Lücken. Etliche bekannte Adressen bei den Online-Brokern fehlten. Dafür waren die Banken, auch Merrill Lynch, Goldman Sachs oder Morgan Stanley, da. Die UBS stellt traditionell nicht bei Massenanlässen aus, dafür zeigte mit der Bank Vontobel ein etabliertes Schweizer Haus Präsenz. Und von einigen weiteren, die hier mit dem Schweizer Kreuz warben, hört man in der Schweiz nie etwas.

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«Einfach und transparent» war unisono die Forderung von Anlegern und Rednern auf diversen Podien an die Derivateemittenten. Emittenten verwiesen ihrerseits auf die immer besseren Informationen für Anleger, die jetzt bereitgestellt würden. Und im Gegensatz zu Fonds oder Aktien wüssten Anleger von Derivaten immer, wie viel Geld sie zurückerhalten, wenn sich der Basiswert in eine bestimmte Richtung entwickelt.

Viel Interesse gab es auch für Indexfonds (ETF) mit Optionenanteil, die jetzt praktisch das Gleiche machen wie die Derivateindustrie vor einigen Jahren und in diesem Mantel auch Zins-, Rohstoff- und Short-Strategien verbriefen. Short-Produkte waren auch deshalb gefragt, weil die Charttechniker, die an einigen Ständen ihre Prognosen erläuterten, praktisch unisono darauf hinwiesen, dass wir gerade in einer Bärenmarktrally sind und dass es sich hier lediglich um ein Strohfeuer handelt. Und auch ein Experte wie Thomas Gitzel, Schwellenländerexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), gab sich skeptisch und verwies auf die wenig Optimismus verbreitenden Konjunkturdaten aus Industrie- und Schwellenländern.

Trendy sind auch Edelmetallanlagen, nicht nur in verbriefter Form. Neben einigen Kleinfirmen buhlen auch etliche Münzhändler um Kunden. Die besten Argumente kommen von den reichlich aufliegenden Börsenbriefen, von denen einige den sicheren Untergang des modernen Finanzsystems prognostizieren. Seriösere Sprecher legen ihren Zuhörern Gold als Depotbeimischung nahe.

Totgeglaubte sind quicklebendig

Auch für Hebelprodukte ist das Interesse noch da. Etliche Besucher liessen sich von den CFD-Brokern wie CMC Markets oder IG Markets in diese «Contracts for Difference» einführen. Im Gegensatz zu den als Optionsscheinen verbrieften Derivaten handeln hier die Anleger mit frei wählbaren Hebeln auf den Plattformen der Emittenten. Und wer den Tod der Hedge-Fonds prognostiziert hatte, lernt von Anbietern wie Superfund oder Apano das Gegenteil. Sie werben, wie bereits vor Jahren, mit «sentationellen Renditen», die bisher eingefahren werden konnten, ohne die sonst für Kapitalmärkte üblichen hohen Schwankungen.