DERIVATE.

Die Talfahrt der Schweizer Börse geht ungebremst weiter: Bankaktien sind wegen der Kreditkrise unter Druck, bei Versicherungen könnten noch Leichen in den Kellern liegen, für Pharmawerte haben führende Broker die Kursziele gesenkt, und Zykliker wie Maschinenbauer sehen sich unter Konjunkturdruck. Sogar vermeintlich sichere Werte wie Nestlé rutschen ab, wenn Analysten die Empfehlungen für die Konkurrenten reduzieren. In diesem Umfeld stellt sich die Frage, wie gut sich Derivate und strukturierte Produkte halten – und wie gut sie sich im Stresstest bewähren. Als Basiswert dient der SMI-Börsenindex, auf den etliche Produkte in unterschiedlicher Form emittiert wurden.

Hohe Wertverluste im Jahr 2008

Calls steigen überproportional, wenn der Basiswert zulegt, sie fallen aber auch stärker, wenn dieser nachgibt. Anleger tragen immer das Risiko eines Totalverlustes. Zudem gilt, dass bei Calls, bei denen der Ausübungspreis über dem aktuellen Kurs liegt, die Schwankungen und die Risiken stärker sind als bei Calls, deren Ausübungspreis weit unter dem aktuellen Kurs des Basiswertes liegt.Hohe Risiken bestehen auch bei Calls mit einer Knock-Out-Grenze. Diese verfallen wertlos, wenn eine bestimmte Kursschwelle erreicht wurde. In der Nähe dieser Grenzen sind die Kursschwankungen besonders gross. Mit dem Rückgang beim SMI seit Jahresanfang haben viele Calls hohe Einbussen erlitten. Der Call SMOVE mit einen Ausübungspreis bei 10000 SMI-Punkten verlor mehr als die Hälfte, genauso wie der liquide SMIOB, bei dem der Strike bei 8200 Punkten liegt. Anders die Puts: Diese steigen, wenn der Basiswert fällt, sie bilden damit ein Instrument der Absicherung oder ermöglichen eine gezielte Wette auf einen Kurszerfall. So hat der Kurs von SMIPG seit Jahresanfang um 50% zugelegt, weil der Index deutlich unter den Ausübungspreis von 8500 SMI-Punkten gefallen ist. Ähnlich sieht es mit SMIQD aus, einem Put mit Strike bei 9000 Punkten.

Kaum Überraschungen

Index-Tracker verfolgen den Preis des Basiswertes mit. Besonders liquide ist der ZKB-Tracker SMIIT. In der Praxis macht der Tracker die Bewegungen des Index mit, auch wenn es hin und wieder kleinere Abweichungen gibt. Tracker haben indes keinen Schutz eingebaut. Das ist bei Bonus-Zertifikaten ähnlich, solange die Barriere nicht verletzt wird. JCSMF, ein Bonuszertifikat, das in den letzten Tagen einige Handänderungen gesehen hat, weist einen Kurs auf, der parallel zum Basiswert verläuft. Reverse Convertibles sind Produkte, die eine leicht steigende Markterwartung voraussetzen. In der Knock-In-Variante sollte der Basiswert nicht unter die Knock-In-Barriere fallen. Beim VON7BE hat sich trotz ähnlicher Kursentwicklung wie beim Basiswert eine Schere von 6% aufgetan. Das heisst, relativ zum SMI ist der Preis dieses Reverse Convertibles um 6% schlechter ausgefallen. Das Outperformance-Zertifikat OPSMI verspricht einen gegenüber dem Basiswert besonders steilen Kursanstieg über dem Kurs von 9100 Punkten. Liegt der SMI unter dieser Schwelle, verhält sich das Produkt wie ein normaler Index-Tracker. Wie erhofft, fällt die Kursentwicklung parallel zum SMI aus.Twin-Win-Produkte setzen auf eine Erwartungshaltung, wonach sich der Basiswert zwar etwas bewegt, aber nicht zu stark, um eine obere oder untere Schwelle zu verletzen. Wenn der Basiswert stagniert, verdienen die Twin-Win-Käufer nichts. TWSMI war in den letzten Tagen der Schein mit dem grössten Umsatz; bis Mitte Dezember waren kaum Performance-Differenzen zwischen TWSMI und dem SMI festzustellen. Seither ist indes die Lücke aufgegangen und das Twin-Win-Produkt hat sich, wie zu erwarten war, rund 5% besser gehalten als der SMI selber. Garantien, Coupons und Barrieren gelten indes immer per Laufzeitende bzw. über die ganze Laufzeit. Abgerechnet wird erst per Verfall. Dann wissen Anleger – und auch die Banken –, ob sie mit einem bestimmten Produkt auch wirklich Geld verdient haben. Anleger sollten deshalb den Wert ihrer Produkte regelmässig überprüfen und auch nicht zögern, Kursgewinne zu realisieren bzw. Verluste zu begrenzen.

Anzeige