Vergangene Woche rutschte das Rohöl unter die 60-Dollar-Grenze. Grund sind die Befürchtungen von Investoren, dass die Nachfrage im kommenden Jahr aufgrund der düsteren weltweiten Wachstumsaussichten hinter den Erwartungen zurückbleiben wird.

Analysten der US-Bank JP Morgan haben die Prognose für das Wirtschaftswachstum 2009 in China von 8,2% auf 7,5% zurückgenommen. Für die anderen aufstrebenden asiatischen Länder erwarten die Analysten ein Wachstum von 5,5%, für Europa dagegen ein Minus von 0,6% und für die USA eine Schrumpfung von 1,3%. Und auch die Weltbank rechnet noch mit einem Plus von 4,5% für die aufstrebenden Länder sowie einem Minus von 0,1% in den entwickelten Volkswirtschaften.

Preiszerfall nach Höchstständen

In New York sanken die Preise für die Sorte WTI um 3 auf 58.33 Dollar. An der ICE in London fielen die Notierungen auf 55 Dollar, bevor eine kleine technische Erholung einsetzte. Zum letzten Mal war das Rohöl im März 2007 auf diesem Niveau gehandelt worden. Die Preise liegen damit 60% unter dem Höchststand, der Mitte Juli bei 147 Dollar verzeichnet worden war.

Anzeige

Das ist auch den in der Opec zusammengeschlossenen Förderländern zu wenig. Scheich Hamad Bin Jassim Jabr Al-Thani, der Premierminister von Katar, gab eine Preisspanne zwischen 70 und 90 Dollar pro Barrel als «fairen» Preis an. Mit Handelspreisen auf dieser Höhe könnten auch die teuren neuen Projekte finanziert werden, die dann beim nächsten Aufschwung ein erneutes Emporschiessen der Preise verhindern könnten.

Für das nächste Jahr rechnen die Analysten von CA Chevreux mit durchschnittlichen Preisen von 60 Dollar, für 2010 seien 70 Dollar pro Barrel zu erwarten. Die ursprünglichen Schätzungen hatten 30 Dollar höher gelegen. Erste kleine Anzeichen einer Wende wittern die Analysten bei JP Morgan. In den USA hatte die Nachfrage bereits die dritte Woche hintereinander etwas angezogen.

Ein Blick auf die längerfristigen Futurepreise zeigt, dass sich der Markt in einer «Contango»-Situation befindet: Futures mit Verfall nach 2010 notieren höher als die in naher Zukunft auslaufenden Kontrakte. Die Sorgen um die Fördermengen sind auch durch den jüngsten Preiszerfall nicht verschwunden.

Laut Rino Borini, CEO bei Financialmedia, gab es zwischen Juli und September eher tiefe Umsätze bei Trackerprodukten auf den Rohölpreis. Retailderivatebesitzer dürften demzufolge nur in den wenigsten Fällen die richtigen Ein- und Ausstiegsmomente beim Rohöl erwischt haben. Erst im Oktober gab es dann höhere Umsätze – womöglich aber weil Anleger, die schon früh investiert hatten, Gewinne mitnehmen mussten, um sich Liquidität zu beschaffen.

Bei vielen weiteren Produkten sind Barrieren gerissen. So liegen die aktuellen Rohölpreise teilweise deutlich unter den Barrieren der Capped-Bonus-Produkte LCOXM, LCOXN, DB3QAR oder LCDXL. Damit ist der Bonus weg, Anleger haben jetzt Preis-Tracker. Besser weggekommen sind die Inhaber der Kapitalschutzprodukte OILXL, LCOXD, BRTCP oder LCOXE. Zwar notieren diese teilweise auch unter 100%, aber in den Preisen widerspiegeln sich (auch) der abdiskontierte Zins sowie die vom Markt eingeschätzte Sicherheit der Emissionsbank.

Es gibt auch klare Gewinner. So haben die Reverse-Bonus-Scheine LCOXF oder LCOXG seit Juli 37 bzw. 25% zugelegt. Noch offen ist die Situation beim Twin-Win-Schein TWNCL. Seit Juli ist der Preis um 60% gefallen. Der Tiefstpunkt liegt hier bei 70 Dollar. Wenn der Rohölpreis deutlich unter dieser Grenze bleibt, aber nicht unter 43 Dollar fällt, sollte der Preis dieses Produktes wieder um 30% anziehen. Die Preisentwicklung der letzten drei Wochen zeigt, dass der Schein kaum noch an Boden verliert, obwohl der Rohölpreis selber noch 15 Dollar gefallen war. Der Mechanismus funktioniert demnach.

Schwankungen jetzt vorbei?

Besitzer von Puts hätten ebenfalls viel verdienen können – wenn sie im Sommer bei Preisen über 120 Dollar Puts am Geld gekauft hätten. OILHX beispielsweise stieg von 15 Rappen auf 2.25 Fr., LCOBN von 1 Fr. auf 9.50 Fr.

Wenn die Analystenprognosen zutreffen, sind jetzt die Phasen der grossen Schwankungen und damit auch der grossen Gewinne vorbei. Risikofähige Anleger, die mit Hebelprodukten arbeiten und ihre Anlagen überwachen können, dürfen sich jetzt auf attraktive Trading-Situationen einstellen: Unter 60 Dollar Calls kaufen, über 70 wieder verkaufen bzw. das gleiche umgekehrt mit Puts. Tracker dürften für einige Zeit weniger interessant bleiben. Neue Bonusprodukte sind ebenfalls erwägenswert – wenn sie mit ausreichendem Puffer ausgestattet sind.