Sind Sie zufrieden mit der jüngst abgeschlossenen Kapitalerhöhung?

Nun halten Sie Gelder auf Vorrat.

Talaat: Nein. Wir können damit unsere Schulden verringern, erhöhen unsere finanzielle Flexibilität und sind auch bereit für allfällige Arrondierungszukäufe.

Dennoch, der Zeitpunkt war angesichts der Krise denkbar ungünstig.

Talaat: Nach dem Zwischenhoch an den Börsen war der Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung nicht schlecht. Die Bereitschaft des Marktes, an einer Kapitalerhöhung zu partizipieren, war vorhanden. Hinzu kommt, dass wir respektable 1.-Quartals-zahlen präsentieren konnten und wir angesichts des wirtschaftlichen Umfelds insgesamt gut unterwegs sind. Der Türenbereich und die Sparte Industriedienstleistungen, Condecta, laufen weiterhin gut. Und bei Single Temperiertechnik zeichnet sich eine Stabilisierung ab.

Dann hätten Sie auch zuwarten können.

Talaat: Ja, aber wir erwarteten eine mögliche Flut von schlechten 1.-Semester-Resultaten sowie diverse Kapitalerhöhungen im 2. Halbjahr. Deshalb wollten wir das Projekt noch im 1. Semester abschliessen. Bei der Finanzierung der Akquisition der Prüm-Garant-Gruppe im Sommer 2007 haben wir mit den Banken vereinbart, bis zum 30. Juni 2008 der Looser Holding gesamthaft 50 Mio Fr. zufliessen zu lassen. 2007 haben wir jedoch nur eine Kapitalerhöhung über 25 Mio Fr. durchgeführt. Unsere Finanzierungskosten erhöhten sich ab dem Sommer 2008 aufgrund der noch fehlenden zweiten Tranche der Kapitalerhöhung. Diese haben wir mit der jetzigen Transaktion erfüllt.

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Inwieweit kommt Looser derzeit mit den Covenants - Kreditklauseln - der Banken in Konflikt?

Talaat: Sie stellen für uns kein Problem dar und treten mit der Kapitalerhöhung gänzlich in den Hintergrund. An den Konditionen der Banken hat sich kaum etwas geändert. Im Gegenteil, unsere Finanzierungskosten werden sinken.

Bemängelt werden aber die Bilanzkennzahlen von Looser.

Talaat: Hier hat das Bild der Bilanz getäuscht. Unser Goodwill ist im Vergleich zum Eigenkapital zwar hoch, doch ist dieser tatsächlich werthaltig. Nach heutigem Kenntnisstand sind keine Goodwill-Abschreiber nötig. Entstanden sind die Goodwillpositionen vor allem durch die Akquisitionen von Single, Prüm-Garant sowie der Treffert-Gruppe in Deutschland. Deutsche Unternehmen haben die Eigenheit, jeweils eine sehr geringe Eigenkapitalquote zu haben, was bei einem hohen Ertragswert automatisch zu einem hohen Goodwill führt. Für deutsche Unternehmer ist es aus steuerlichen Gründen nicht attraktiv, eine hohe Eigenkapitalquote zu haben. Die Kapitalerhöhung hilft uns aber dennoch, unser Eigenkapital in Richtung einer Quote von mehr als 40% zu steigern.

Sie haben Arrondierungszukäufe angesprochen. Woran denken Sie?

Talaat: Wir haben derzeit keine konkreten Projekte in der Pipeline, erhalten jedoch laufend Dossiers zugesandt, die wir prüfen werden. Wir halten die Augen offen nach interessanten Gelegenheiten. Es gibt einige Konkurrenten, die in Schwierigkeiten geraten sind oder noch in solche geraten könnten. Ein solcher Arrondierungskauf war die kürzlich erfolgte Übernahme der Mobi-Toil AG, die perfekt in den Bereich von Condecta passt. Entscheidend ist allerdings, dass wir nicht mehr in die Breite wachsen. Wir wollen keine fünfte Division mehr, sondern die bestehenden Bereiche stärken.

Welche Konkurrenten zeigen Schwächen?

Talaat: Prüm-Garant ist pro Jahr durchschnittlich 7 bis 8% gewachsen, während der Türenmarkt in Deutschland gleichzeitig um durchschnittlich 4 bis 5% geschrumpft ist. Prüm-Garant gehört zu den fünf führenden Türenherstellern, die zusammen einen Marktanteil von rund 60% halten. Daneben gibt es kleinere Türenbauer, welche die Krise nun stärker spüren. In solchen Fällen kann es Sinn machen, dass wir zur Steigerung des Marktanteils oder aber für den Zukauf von neuen Produkten eine Akquisition tätigen.

Gilt dies nur für Deutschland?

Talaat: Nein, wir haben auch neue Märkte mit erhöhter Wohnbautätigkeit im Visier. Zu denken ist dabei beispielsweise an die Türkei. Konkret ist aber noch nichts.

Kommt eine Zusammenarbeit mit AFG Arbonia Forster in der Türen- und Fenstersparte in Frage?

Talaat: Wir führen keine Gespräche. Ich denke, beide Firmen sind derzeit mit ihren eigenen Hausaufgaben beschäftigt.

Woran arbeiten Sie?

Talaat: Wir fokussieren uns auf die internen Prozesse. Daneben wollen wir das Nettoumlaufvermögen reduzieren und nicht betriebsnotwendige Gebäude und Anlagen veräussern. Überprüft werden auch Sparten im Beschichtungsbereich, dem Coating, die unter Umständen nicht mehr zu uns passen.

An welche denken Sie?

Talaat: Das ist noch nicht bestimmt. Entscheidend ist die Rendite auf dem investierten Kapital (ROIC). Wenn dieser Wert stimmt, dann kann auch die operative Marge etwas geringer ausfallen. Wir wollen uns auf wachsende Nischenmärkte konzentrieren, die für unsere grossen Konkurrenten zu klein sind.

Beginnt nun eine Fokussierungsstrategie?

Talaat: Obwohl ich früher immer bei Unternehmen tätig war, die sich auf wenige Geschäftsfelder fokussierten, zeigen sich mir heute auch die Vorteile einer Diversifizierung. In der Krise hat sich gezeigt, dass unser Business gut aufgestellt ist. Die einzelnen Bereiche haben eine ausgleichende Wirkung gezeigt. Dennoch ist dieses Konzept nicht festgeschrieben, obwohl momentan keine Veränderung in der Struktur vorgesehen ist. Entscheidend ist für uns, dass wir aus den einzelnen Divisionen die beste Performance herausholen.

Ein Wachstum wie in den vergangenen Jahren ist nicht mehr geplant?

Talaat: Nein, derzeit wollen wir die Profitabilität der Sparten steigern. Dazu werden wir sogar eher Umsatz verkaufen.

Wie ist das 1. Halbjahr 2009 ausgefallen?

Talaat: Es ist noch etwas zu früh, um über diese Resultate zu sprechen. Grundsätzliche sehen wir aber keine Abschwächung gegenüber dem 1. Quartal. Eine längerfristige Prognose ist allerdings schwierig.

Welche Erwartungen haben Sie an das Gesamtjahr 2009?

Talaat: In den einzelnen Sparten haben wir zum Teil eine geringe Sichtbarkeit, da die Geschäfte sehr kurzfristig sind. Doch wir haben viele Anfragen, deshalb ist bisher keine Abschwächung in Sicht. Im Türengeschäft in Deutschland spüren wir einen anhaltenden Preisdruck. Trotzdem ist es uns bei Prüm-Garant gelungen, Preiserhöhungen durchzusetzen. Bei Single schliesslich haben wir Anfang April Kurzarbeit eingeführt, konnten diese aber kurzfristig für Juni und Juli aufheben. Die Belebung auf tiefem Niveau im Halbleitermarkt, die zu einer Verbesserung der Book-to-Bill-Ratio geführt hat, gibt Hoffnung, dass wir auch im August auf Kurzarbeit verzichten könnten.

Es sind keine Jobs in Gefahr?

Talaat: Wir haben seit Herbst 2008 inklusive einer bereits früher publizierten Produktionsverlagerung gesamthaft rund 45 Stellen abgebaut. Pläne für einen weiteren Personalabbau haben wir keine. Wir versuchen, wenn irgendwie möglich, mit Kurzarbeit zu operieren. Denn wir wollen unsere Substanz nicht abbauen.

Seit Anfang 2009 zeigt der Aktienkurs von Looser nach unten. Weshalb haben die Titel von der März-Rally kaum profitiert?

Talaat: Dafür sehe ich drei Gründe: Einerseits hatten wir einen Führungswechsel an der Spitze des Unternehmens. Zweitens ist der Free Float relativ tief, weshalb die Aktien im Abschwung stärker unter Druck sind. Schliesslich gab es bereits im Vorfeld der Kapitalerhöhung Spekulationen, dass ein solcher Schritt erfolgen wird. Dies hat eine Erholung der Titel gebremst. Der Druck vom Markt war zuvor auch sehr gross. Und wenn sich dann eine leichte Erholung abzeichnet, dann profitieren zuerst die grosskapitalisierten Werte.

Welche Schritte sind zur Erhöhung des Free Float vorgesehen?

Talaat: Die Kapitalerhöhung hat die Liquidität automatisch gesteigert, da die Familie Looser nicht vollständig daran partizipierte. Damit ist ihr Anteil von heute rund 62% auf 52 bis 53% zurückgegangen. Mittelfristig will die Familie ihr Aktienpaket auf rund 40% reduzieren.

Sind weitere Veränderungen im Aktionariat geplant?

Talaat: Das Management und ich als CEO werden beim Unternehmen einsteigen und Aktien kaufen.

Weshalb sollen die Investoren es Ihnen gleichtun?

Talaat: Die Zukunftsaussichten von Looser sind weiterhin interessant. Zudem planen wir, falls der Geschäftsgang es zulässt, bereits für 2009, also auf die Generalversammlung im kommenden Jahr, den Aktionären eine Dividende auszuschütten.