NETZAUSRÜSTER . «Das Gesetz der Schwerkraft erwischt früher oder später alle», hatte Rick Simonson, Finanzchef bei Nokia, die Herausforderungen der Telekom-Netzausrüster unlängst kommentiert. Bis Mitte Oktober hatten viele Ausrüster, unter anderem Alcatel, Nokia-Siemens, aber auch die US-Ausrüster Nortel und Lucent in zumindest einigen Sparten und Regionen ihrer Geschäfte Umsatz- und/oder Ertragsprobleme gemeldet.

Nur der schwedische Konzern Ericsson schien sich diesem Gesetz zu entziehen. Bis Mitte Oktober ein Vorabschluss die Erwartungen des Marktes hinsichtlich Umsatz und Gewinn enttäuschte und die Aktie 30% absackte. Am Ende wurde die Umsatzerwartung relativ knapp verfehlt – der Konsens lag bei 45,1 Mrd schwedischen Kronen, gemeldet wurden 43,5 Mrd. Der Gewinn blieb dagegen mit 5,6 Mrd Kronen weit unter der Messlatte von 9,1 Mrd Kronen. Ericscon litt darunter, dass weniger margenträchtige Netzwerk-Upgrades und Ausbauten hereinkamen. Analysten und Investoren sahen sich gleich mehrfach enttäuscht: So hatte das Ericsson-TopManagement noch vor kurzer Zeit verlauten lassen, es sei alles «on track.» Aber ausgerechnet das Kerngeschäft Mobilsysteme entwickelt sich schwach – und hier ist Ericsson weltweit der dominante Marktführer. Diese Schwäche wirft daher auch sogleich Fragen auf, wie gesund die Marktverhältnisse generell sind. Schliesslich bleibt auch der Ausblick getrübt, frühestens 2009 ist Besserung in Sicht. Etliche Analysten, wie die von Carnegie, Merrill Lynch oder Citigroup, haben ihre Umsatz-, Gewinn- und Margenerwartungen für dieses und nächstes Jahr reduziert. Bei Société Générale rechnet man noch mit einer Umsatzsteigerung von 5% für 2008, die Vorsteuer-Gewinnmarge soll 11% betragen – gegenüber 16% im letzten Jahr. Unter Druck kommt auch der Gewinn pro Aktie – hier liegt die Erwartung für 2008 bei 1.39 Kronen gegenüber 1.45 für dieses und 1.71 für das vergangene Jahr. Damit erhöht sich auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auf 13,6 für 2008 – trotz des Kurssturzes bleibt damit Druck auf der Aktie.

Märkte sind überreif

Auch Alcatel-Lucent hat Schwierigkeiten. Bis Ende Oktober soll die CEO Patricia Russo dem Verwaltungsrat einen Plan vorlegen, wie der Turnaround zu bewerkstelligen ist. Das grösste Problem liegt am hohen Umsatzanteil, den Alcatel-Lucent in reifen und teilweise schon schrumpfenden Märkten wie 2G-Mobilkommunikation und DSL-Zugangstechnologie erzielt. Auch am Broadband-Forum in Berlin konnten Alcatel-Lucent-Sprecher nicht schlüssig darlegen, wie sie wachsende Kunden- und Userzahlen in Umsatz und Gewinn überführen. «Eine grosse Umstellung ist erforderlich», meinen die Analysten von Chevreux, um mit den schwierigen Marktverhältnissen, dem problematischen Produkteportfolio sowie dem Produktivitätsrückstand gegenüber Leader Ericsson fertig zu werden. Für das laufende Jahr erwartet man bei Chevreux einen Verlust von 225 Mio Euro und für 2008 wieder einen kleinen Gewinn. Noch ein Jahr weiter nach hinten verlegen die Analysten von Merrill Lynch den Zeitpunkt, ab dem Alcatel-Lucent wieder profitabel arbeitet. Merrill Lynch rät direkt zum Verkauf.

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Nokia steht noch gut da

Lediglich Nokia kann sich von den grossen europäischen Herstellern der Abwärtsspirale etwas entziehen. Das liegt aber auch am anderen Geschäftsmodell, denn Handys machen den weitaus grösseren Umsatz aus als das im Joint Venture Nokia Siemens Network NSN zusammengefasste Ausrüstungsgeschäft. NSN hat sich bereits marginal in die Gewinnzone vorgearbeitet und damit positiv überrascht. Nokia hat es zudem bei den Handys geschafft, die Marge auszuweiten, obwohl die Durchschnittspreise weiter fallen. Analysten bewerten es bereits als Erfolg, dass mit einem Gewinn von 36 Euro-Cents pro Aktie die Erwartungen exakt erfüllt werden konnten. Für dieses Jahr liegt die Erwartung bei einem Umsatz von 49,9 Mrd Euro, für 2008 erwarten die Analysten der Jyske Bank knapp 57 Mrd. Allerdings rechnen sie mit einem Rückgang des Gewinns pro Aktie von 1.70 Euro auf 1.60 Euro. Auf dem Hintergrund, dass das positive Resultat auf einen günstigen Produktmix zurückgeführt werden kann und solche Phasen auch einmal enden, erscheint den Analysten von Jyske der Kurs der Nokia- Aktie zu hoch. Andere Analysten, wie die von Kaupthing oder Danske, empfehlen Nokia weiter zum Kauf – auch wenn sie für 2008 ebenfalls einen Gewinnrückgang erwarten.