Der rasante Zerfall des Ölpreises droht die milliardenschweren Investitionsprojekte der grossen Ölmultis zu verzögern. So will der zweitgrösste US-Ölkonzern Chevron seine Investitionspläne für 2009 erst später veröffentlichen.

Zuletzt notierte die US-Ölsorte WTI noch bei 38 Dollar je Fass. Grund für den scharfen Rückgang ist der weltweite Konjunktureinbruch, der die Nachfrage nach Treibstoffen schrumpfen lässt. Verharrt der Ölpreis auf tiefem Niveau, dürften die Ölmultis Investitionen in Förderprojekte endgültig auf Eis legen. Dieses Szenario erwartet Ton Büchner, CEO des Öl- und Petrochemiezulieferers Sulzer. «In den vergangenen Jahren haben wir eine grosse Zahl von Grossprojekten gesehen. Wir erwarten, dass es 2009 deutlich weniger Grossprojekte geben wird», sagte er gegenüber der «Handelszeitung» (siehe Ausgabe Nr. 50 vom 10. Dezember 2008).

Internationale Ölfirmen wie Chevron benötigen im Durchschnitt einen Ölpreis von 45 bis 65 Dollar pro Barrel, damit sich ihre Investitionen in Förderkapazitäten lohnen. Nationale Ölfirmen aus dem Nahen Osten, wie die saudische Aramco, arbeiten mit einem Ölpreis von 10 bis 20 Dollar. Hier beobachtete Büchner noch keine Zurückhaltung bei Investitionen.

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Solide Jahresergebnisse 2008

Sulzers Geschäftsjahr 2008 wird jedenfalls solide ausfallen. Am 15. Januar publiziert der Zulieferer den Auftragseingang, am 26. Februar folgen die Jahresergebnisse. ZKB-Analyst Armin Rechberger erwartet, dass der Bestellungseingang auf Konzernebene im Vergleich zum Vorjahresquartal stagniert. Im Jahresvergleich aber dürfte Sulzer 3,8% mehr Aufträge akquiriert haben. Gemäss Rechberger hat nur die vom Öl-, Gas- und Energiegeschäft getriebene Division Sulzer Pumps den Bestellungseingang im 4. Quartal gesteigert. Die übrigen drei Sparten - der Oberflächenveredler Metco, Mischsystemhersteller Chemtech und der Turbinen-Wartungsspezialist Turbo Services - werden Rückgänge bis 6% verzeichnen.Sulzer-CEO Büchner erwartet, dass die Geschäfte erst 2010 wieder anziehen - bis dahin ist bei Investoren Geduld angesagt. Die Aktie ist in den Krisenmonaten September und Oktober um gut 50% auf heute 66 Fr. eingebrochen.

Keine Freude an der Kursentwicklung dürfte auch Grossaktionärin Renova haben, die vom russischen Industriellen Viktor Vekselberg kontrolliert wird und nach letzter Meldung 28,49% hält.

Renovas nächste Schritte sind offen. Am 31. Mai jedenfalls läuft das Abkommen vom Oktober 2007 aus. Darin erklärt Renova sich bereit, den Anteil an Sulzer nicht über 33% zu erhöhen sowie von einer Übernahme von Sulzer abzusehen. Laut Verena Gölkel, Sulzer-Sprecherin, wird sich der Sulzer-VR «in den nächsten Monaten über das weitere Vorgehen beraten». Die heutige Ausgangslage sei «komplett anders» als noch 2007.