Was beschäftigt derzeit die Börsen?
Anja Hochberg*: Zum Jahresausklang, der historisch tendenziell mit positiven Renditen einhergeht, wägen die Akteure wie immer Chancen und Risiken ab. Aktuell sind dies aber nicht nur die kurzfristigen Opportunitäten, sondern der Blick schweift auch auf die längerfristigen Themen, zum Beispiel den Wachstumsausblick in China oder aber das Zinserhöhungspotenzial in den USA. Noch ist der Risikoappetit nach der Spätsommer-Korrektur nicht spürbar gestiegen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Anfang Oktober haben wir auf globaler Ebene doch eine sichtbare Rally erlebt, die allerdings wieder temporär etwas abebben dürfte. Trotz guten Konjunkturdaten ist die Berichtssaison in den USA eher durchwachsen und die Fed hat durchblicken lassen, dass sie eventuell die Zinsen doch anziehen dürfte. Diesem Szenario werden sich die Märkte zumindest in den nächsten 2 bis 3 Wochen noch anpassen müssen.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Wir behalten, trotz der temporären Marktunsicherheiten unsere mittel- bis langfristig positive Einstellung bei und sehen den SMI in 12 Monaten deutlich über den aktuellen Niveaus. Die globale und europäische Konjunkturerholung und damit nachlassende Wachstumsängste dürfte sich hier genauso positiv auswirken wie der Mangel an Anlagealternativen. Bedingung dafür ist aber, dass die SNB den Franken auf den aktuellen Niveaus stabilisieren kann. Ein zweites QE-Programm der EZB erfordert da eventuell stärkeres Engagement.

Wie geht's weiter beim Gold?
Gold hat in den letzten Wochen ganz klar von der Verschiebung der Zinserhöhung profitiert, die natürlich auch den Dollar temporär geschwächt hat. Schwenkt der Markt jetzt wieder auf ein Zinserhöhungsszenario ein und wird der Dollar stärker, dann dürften weiteren kräftigen Avancen gewisse Grenzen gesetzt werden. Wir bleiben daher vorerst neutral.

Ihr Geheimtipp am Aktienmarkt?
Zum Glück dürfen Analysten und Strategen keine Geheimtipps abgeben, die sie selektiv unter die Leute bringen. Wir setzen hier lieber auf unseren disziplinierten und etablierten Anlageprozess . Im Schweizer Aktienmarkt sehen wir insbesondere Potenzial in den kleineren und mittleren Firmen.

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Wie es mit dem Schweizer Franken weitergehen könnte und wie die Analystin der CS über die Zinswende denkt, lesen Sie im kompletten Interview auf finanzen.ch.

*Anja Hochberg ist Chief Investment Officer für die Region Schweiz und Europa bei der Credit Suisse. Vor ihrem Eintritt in die Bank 2001 war sie in der Volkswirtschaftsabteilung der Landesbank-Hessen Thüring als Analystin tätig. Anja Hochberg hat nach ihrem Studium in Berlin und einem Nachdiplomstudium in Brügge ein Doktorat an der University of Wales gemacht, wo sie auch während vier Jahren als Dozentin im Bereich internationale Finanzmärkte tätig war.