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Ausblick
SMI 2018: «Potenzial für plus 10 bis 15 Prozent»

Steigende Aktienkurse im Blick.
Börse Zürich: Die Zeichen für eine weitere Steigerung im SMI stehen gut.Quelle: Getty Images

Für Aktienexperte Alberto Chiandetti deuten die Zeichen auf ein gutes 2018. Warum Schweizer Grossfirmen nächstes Jahr für eine Überraschung sorgen könnten und weshalb Treue ein guter Jahresvorsatz ist.

Von Julia Fritsche
am 08.12.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Alberto Chiandetti*: Die Märkte sind bereit, ins neue Jahr zu schauen. Es gibt eine Konsensmeinung, dass die globale Wirtschaft weiter zulegen und vielleicht sogar die Wachstumsrate 2017 von 3,5 Prozent leicht übertreffen wird. Allerdings dürfte es schwierig sein, die gegenwärtige Wachstumsrate aufrechtzuerhalten. Gründe dafür sind die reduzierten Stimulierungsmassnahmen in China und gedämpftes Wachstum in entwickelten Ländern wie zum Beispiel in Grossbritannien. Eine Vorhersage für die Schwellenländer ist indes schwieriger, weil sich die regionalen Unterschiede akzentuieren. Darüberhinaus sollten (endlich) verabschiedete Reformpakete in den USA positiven Einfluss haben, wo hingegen die Unsicherheiten mit Nordkorea zu erhöhter Volatilität führen werden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Geschäftsergebnisse dürften kurzfristig dank des gegenwärtigen globalen Wachstums positiv bleiben und unterstützend wirken. Die Unternehmen, die wir in den letzten Wochen besuchten, sehen für 2018 weiterhin gesundes Wachstum, das mit den globalen Prognosen übereinstimmt. Insbesondere Firmen der verarbeitenden Industrien sehen gute Auftragsbücher und keinerlei Anzeichen einer Überhitzung.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bietet nach wie vor gute Chancen für eine wiederum positive Entwicklung. Das Nachlassen des Schweizer Frankens unterstützt natürlich die Nachfrage aus den Nachbarländern. Das Schweizer BIP-Wachstum von 0,8 Prozent in 2017 dürfte sich vermutlich verdoppeln, auch dank der weiterhin tiefen Kreditzinsen. Der SMI hat daher erneut Potential für eine Steigerung im Bereich von 10 bis 15 Prozent, weil auch das implizierte SMI-Kurs/Gewinnverhältnis für 2018 mit 16.3x nur unwesentlich höher ist als vor einem Jahr.

Welche Anlageklasse ist 2018 Comeback-reif?
Momentan gibt es kaum Kandidaten für ein richtiges Comeback. Eine positive Überraschung könnte von seiten der Schweizer Grossfirmen kommen, deren Renditen im Vergleich zu den Mid- und Small Caps hinterherhinken. Der Bewertungsunterschied bewegt sich auf historischen Höchstständen. Seit 2015 ist die Performance rund 50 Prozent besser als bei grosskapitalisierten Unternehmen. Davon halten wir höchstens die Hälfte aufgrund des höheren Ertragswachstums für gerechtfertigt. Diese relative Überbewertung dürfte sich deshalb abbauen und den grossen Namen in 2018 Schub verleihen.  

Was sollten sich Anleger nächstes Jahr zum Vorsatz nehmen?
Es ist natürlich schwierig, jemandem etwas vorzuschlagen, wenn ich einer derjenigen bin, der wohl zu den Ersten gehört, der die gefassten Vorsätze in den Wind schlägt. Aber Anleger sollten sich jedes Jahr den selben Vorsatz nehmen: sich seiner Anlagestrategie treu bleiben. Natürlich ist das ein schwieriges Unterfangen, besonders wenn die Märkte länger nur in eine Richtung gehen - nach oben oder unten ist dabei nebensächlich. Daher ist es sehr wichtig, seine Anlageziele nicht aus den Augen zu verlieren. Hilfreich dafür ist, eine Kauf- und Verkaufsdisziplin zu entwickeln, welche die Anlagestrategie optimal unterstützt.

Was erwarten Sie von den Zinssitzungen der Fed und der EZB?
Die Gesamtsituation ist für die Zentralbanken nach wie vor schwierig, insbesondere wegen der (ausbleibenden) Inflation. Dazu kommen die lokalen wirtschaftlichen Herausforderungen, welche die Entscheidungen erschweren. Die Fed wird wohl weiter am Plan festhalten und zumindest bis Mitte 2018 die Zinsschritte sorgfältig einführen, um die wirtschaftliche Entwicklung nicht abzuwürgen. Für die EZB dürfte wohl in der zweiten Jahreshälfte der Zeitpunkt kommen, den Kurs der lockeren Geldpolitik zu ändern.

Über Impact Investing wird viel geredet, doch wird auch viel gemacht?
Anlagen, die neben einem typischen finanziellen Ertrag auch eine Verbesserung für die Gesellschaft oder die Umwelt erzielen, stossen bei verschiedenen Anlegern auf Interesse. Insbesondere Familienstiftungen, Vorsorgeeinrichtungen oder sehr vermögende Privatkunden schätzen die soziale Komponente mindestens genauso hoch wie den Finanzertrag. Finanzinstitute stellen zwar zunehmend Produkte zur Verfügung, die meisten sind aber noch komplexe Vehikel, weshalb erst wenige davon wirklich massentauglich sind und den Markt für Kleinanleger noch nicht erobern konnten.

*Alberto Chiandetti ist seit 2006 bei Fidelity und verwaltet seit 2011 den Aktienfonds FF - Switzerland Fund. Der Mailänder verfügt über 15 Jahre Anlageerfahrung, zuerst als Research Analyst, seit 2008 als Portfolio Manager von verschiedenen europäischen Aktienfonds.

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