«Momentan ist es eine Herausforderung, den Überblick zu behalten», sagt Michael Romer. Aktienanalyst bei der Bank J. Safra Sarasin. Ein gewichtiges Ereignis nach dem anderen sorgte für Beben an der Börse. Die Schweizerische Nationalbank schockierte Aktienanleger mit dem Ende des Euro-Mindestkurses, die europäischen Zentralbanker öffneten den Geldhahn, die Griechen versuchen sich in einem politischen Experiment und Russland-Papiere gelten neuerdings nur noch als Ramsch. Nur die Amerikaner sind entspannt und haben keine Eile mit der Zinswende.

Das Geschehen der kommenden Woche werde aber für einmal nicht von Zentralbanken und Regierungen definiert, hält Romer fest. Denn in dieser Woche legen wichtige Unternehmen ihre Quartals- und Jahreszahlen offen. «Vom Gesamtmarkt haben bisher lediglich rund zehn Prozent der Unternehmen Quartalszahlen rapportiert.» Auf Umsatzebene seien die Erwartungen im Schnitt zwar nicht getroffen worden. Die ausgewiesenen Gewinne überträfen dafür oft die Einschätzung der Analysten.

Emmi, Syngenta und Swisscom stehen an

Einige Schwergewichte haben bereits Zahlen ausgewiesen. Novartis überzeugt mit einer Gewinnsteigerung von über zehn Prozent. Die andere Basler Pharmafirma Roche kämpfte dagegen mit Wertminderungen und Restrukturierungen, was am Gewinn nagte. Givaudan, der weltweit grösste Hersteller von Duftstoffen, wies 15 Prozent mehr Reingewinn aus. Der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza hat 2014 in beiden Konzernstandbeinen trotz ungünstiger Wechselkurse ein solides Ergebnis erzielt. Und der Warenprüfkonzern SGS hat im vergangenen Jahr sowohl Umsatz als auch Gewinn um knapp fünf Prozent steigern können.

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Diese Woche gelangen nun neue grosse Unternehmen auf den Radar: Syngenta, ABB, Swisscom, Emmi und EMS-Chemie legen Zahlen vor. «Emmi und Ems-Chemie wurden vom SNB-Entscheid besonders getroffen, da sie mehr als die Hälfte der Kosten in der Heimwährung führen, während die Umsatzseite im Ausland deutlich geringer ist», sagt Aktienanalyst Romer. Er relativiert aber auch gleich: «Während Emmi die Anleger bereits in der abgelaufenen Woche mit geplanten Massnahmen beruhigen konnte, steht das bei Ems-Chemie noch aus.»

Warnung bei ABB

Noch deutlichere Worte findet Romer für das Industrieunternehmen ABB. Der Fokus innerhalb des SMI läge bei der Technologiefirma, «die im Zuge deutlich gefallener Ölpreise zudem noch mit schwachen Endmärkten im Energiebereich konfrontiert ist». Romer mahnt zur Vorsicht und schliesst negative Überraschungen nicht aus.

Lesen Sie das ganze Interview mit Michael Romer auf finanzen.ch. Dort gibt er auch einen Ausblick auf die Schweizer Börse in den kommenden zwölf Monaten.