Nach einer kurzen Verschnaufpause in dieser Woche haben die Aktienmärkte wieder Fahrt aufgenommen. Die fast weltweite Rekordjagd ist Thema in den Medien und mittlerweile an den Stammtischen – und genau das werten Experten in der Regel als erstes Alarmsignal.

Geht die Party trotzdem weiter? «Ja, aber» – so das einhellige Fazit einer Umfrage von «Handelszeitung Online». «Die weiterhin einer Lösung harrenden Probleme des Euroraumes tangieren auch den Schweizer Aktienmarkt und dürften im Jahresverlauf zu temporären Kurskorrekturen führen», bringt es Stefan Meyer, Leiter des Aktienresearch Schweiz bei der UBS, auf den Punkt. «Wer jetzt in Aktien investieren möchte, sollte dies deshalb gestaffelt tun.»

Fehlende Alternativen zu Aktien

Identisch schätzt auch Sven Bucher, Head of Research bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Situation ein: «Kurskorrekturen in der Grössenordnung von rund fünf Prozent schliessen wir nicht aus, aus mittlerer Sicht hat der Markt aber noch weiteres Potenzial.»

Die Gründe sind klar: Die expansive Geldpolitik der Notenbanken führen dazu, dass viel Geld im Markt ist – und echte Alternativen zu Aktien weitgehend fehlen. Ein Beispiel dafür: Im Schweizer Leitindex SMI liegt die durchschnittliche Dividendenrendite aktuell bei 2,9 Prozent. Weitere Punkte, die für Aktien-Investments sprechen, sind zuletzt solide Unternehmensausweise und eine Verbesserung des markoökonomischen Umfelds – «unter anderem im wichtigen US-Immobiliensektor», so Bucher.

Dünnes Eis – Enttäuschungen verboten

Und wo steht der SMI, der seit Jahresbeginn bereits knapp 15 Prozent an Wert zugelegt hat, am Ende des Jahres? «Zirka 4 bis 5 Prozent höher», schätzt Bucher. Noch konkreter wird Christian Gattiker, Chef-Stratege und Leiter Research der Bank Julius Bär: «8400 Punkte. Und hebt den Mahnfinger: «Der faire Wert für die nächsten zwölf Monate liegt bei 7800 Punkten – wir bewegen uns also auf dünnem Eis.» Mit anderen Worten: Enttäuschungen verboten.

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Bei den Top-Favoriten wird ABB genannt: «Gewinne dank abnehmendem Preisdruck und Kostensenkungsmassnahmen», begründet Credit-Suisse-Analyst Reto Hess seine Wahl. Auch für ZKB-Analyst Bucher ist der Technologiekonzern dank hohem Auftragsbestand und guter operativer Cash-Gewinnung ein Kauf. 

Richtungswechsel beim SMI-Schwergewicht

Zudem zählt Novartis zu den Lieblingen: «Nach 14 Jahren im Tal der Tränen», wie Gattiker anfügt. «Der jüngste Richtungswechsel könnte sich als langfristiger Trend entpuppen.» Und Bucher rechnet damit, dass beim SMI-Schwergewicht «die Durststrecke in der Pharma-Division bald ausgestanden sein dürfte».

Titel aus der zweiten und dritten Reihe gehören ebenfalls zum Kreis der Favoriten: Georg Fischer («relativ tief Bewertung») und Dufry («gute Position im globalen Markt in der Bewertung nicht berücksichtigt») bei der Credit Suisse – die «Nachzügler» Aryzta («defensiver Wachstumswert»), Flughafen Zürich und Pagesa («beides gute und stetige Dividenzahler») bei der UBS.