Der Schweizer Leitindex ist am Donnerstagnachmittag im Anschluss an schlechter als erwartete US-Konjunkturzahlen weiter ins Minus gerutscht.  Die US-Konjunkturzahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und den Konsumentenpreisen im Juli sind beide deutlicher gestiegen als von Ökonomen prognostiziert.

Händler berichteten von einem nervösen, volatilen Markt. Sorgen bereiteten laut Händlern auch die Wachstumsaussichten der chinesischen Wirtschaft. Ökonomen der Deutschen Bank und von Morgan Stanley haben ihre Prognose für das BIP des Landes gekürzt. Bei der Weltkonjunktur stelle sich die Frage, ob die aktuelle Abschwächung nur ein temporärer Effekt oder der Beginn einer Rezession sei.
Um 15.15 Uhr notierte der Schwergewichteindex SMI 3,70 Prozent tiefer auf 5221 Punkten. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt tauchte um 3,5 Prozent auf 4758 Zähler.

Es gebe wenig Gründe für Käufe, sagten Marktteilnehmer der Finanznachrichtenagentur AWP. Zudem wollen offenbar viele Anleger nach den Kursgewinnen am Mittwoch ihre Gewinne einstreichen und verkaufen wieder.

Holcim leidet unter Kosten

Grösster Verlierer im SMI war der Zementkonzern Holcim, der am Morgen eine unerwartet schlechte Halbjahresbilanz vorlegte. Die Aktie file um sechst Prozent auf gut 45 Franken. Dem Hersteller von Baustoffen machten im ersten Halbjahr deutlich höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie der starke Franken zu schaffen. Der Kostenschub konnte laut Angaben des Unternehmens nur ungenügend auf die Kunden überwälzt werden, so dass die Schätzungen der Analysten verfehlt wurden.

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Die globalen Konjunktur- und Inflationssorgen belasten auch andere hiesige Zykliker: ABB verlieren 1,4 Prozent, Adecco 1,0 Prozent, Clariant 1,8 Prozent und Nobel Biocare 1,1 Prozent. Bei Transocean (-1,6 Prozent) und Weatherford (-0,7 Prozent) kommen noch weiter sinkende Ölpreise hinzu.

Auch die Titel der Grossbanken UBS und Credit Suisse lagen fast 4 Prozent im Minus. Bankentitel leiden unter der europäischen Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer.  Die Diskussionen in Europa um eine Finanztransaktionssteuer hatten bereits am Vortag Bankaktien europaweit belastet. Von der UBS fordert der Fonds, der mit der Eintreibung der Gelder von Opfern des Finanzjongleurs Bernard Madoff beauftragt ist, gemäss einer neu eingereichten Klage zwei Milliarden US-Dollar.

Schwergewichte stützen

Weit hinten im Kurstableau finden sich auch die Versicherer Swiss Re (-1,1 Prozent) und ZFS (-1,1 Prozent), während Swiss Life (+0,3 Prozent) nach der gestrigen Vorlage des Semesterergebnisses Anschlusskäufer finden.

Die defensiven Indexschwergewichte Novartis (-0,3 Prozent), Roche (-0,1 Prozent) und Nestlé (-0,5 Prozent) halten sich deutlich besser als der Gesamtmarkt und stützen ihn massgeblich. Die drei Titel machen mehr als 55 Prozent der SMI-Kapitalisierung aus. Roche konnte gestern Nachmittag mit der US-Zulassung für das Medikament Zelboraf bei Hautkrebs mit positiven Nachrichten aufwarten.

Kursaufschläge sind in Sonova (+1,1 Prozent) zu sehen, ohne fundamentale News allerdings. Die Luxusgüteraktien von Richemont (+0,2 Prozent) und Swatch (-0,2) profitieren von Analystenkommentaren. Für Erstere hat Morgan Stanley die Einstufung auf 'Overweight' (von bisher Underweight) erhöht - letzere wurden von Exane BNP Paribas auf Outperform (von Underperform) erhöht. Goldman Sachs hat für die beiden Papiere zwar das Kursziel gesenkt, das Brokerhaus behält jedoch seine Kaufempfehlung bei.

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Ascom im Plus

Aus der zweiten Reihe springen nach Zahlen Tecan mit einem Kursplus von 13,6 Prozent ins Auge. Der Laborausrüster hat im ersten Halbjahr 2011 die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Aufgrund der positiven Entwicklung hat das Unternehmen die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2011 erhöht und das Profitabilitätsziel bestätigt.

Mit Wohlwollen werden auch die Semesterabschlüsse von Ascom (+1,4 Prozent) und Kuoni (+0,1 Prozent) zur Kenntnis genommen, während VZ Holding (-3,0 Prozent), Conzzeta (-1,7 Prozent), Basilea (-1,7 Prozent), BCV (-0,6 Prozent) und St. Galler Kantonalbank (-0,7 Prozent) nach Zahlen tiefer umgehen.

(tno/kgh/rcv/laf/awp)