Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem weitgehend freundlichen Handelsverlauf moderat im Plus geschlossen. Die Anleger seien zwar weiterhin nervös, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld blieben Aktien aber dennoch gefragt, hiess es im Handel.

So sorgten die lockere europäische Geldpolitik und die wohl nicht allzu bald bevorstehende Zinswende in den USA weiterhin für viel Liquidität im Markt.

Nervosität am Markt

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigte am Donnerstag ihr Anleihen-Kaufprogramm, dabei soll ein Teil der Wertpapierkäufe vor dem meist handelsschwachen Dezember vorgezogen werden. Mit einiger Spannung wurde auch die Publikation des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed am späten Donnerstagabend erwartet: Diese dürfte zeigen, wie «knapp» die Verschiebung der Zinswende war, hiess es.

Für Unruhe im Markt sorgte am Nachmittag zudem eine Pressemeldung über angebliche Pläne der Credit Suisse für eine umfangreiche Kapitalerhöhung.

Credit Suisse und Deutsche Bank verunsichern

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,41 Prozent im Plus bei 8'674,17 Punkten. Der 30 Titel umfassende, in der Titelgewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) stieg 0,35 Prozent auf 1'288,53 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) legte 0,45 Prozent auf 8'865,62 Zähler zu. Von den 30 Blue Chips schlossen 24 im Plus und sechs im Minus

Im Fokus war am Donnerstag der Bankensektor, wo die Titel der Credit Suisse (-3,6 Prozent) am Nachmittag einen Kursrutsch hinnehmen mussten. Die «Financial Times» berichtete in ihrer Online-Ausgabe, die Grossbank bereite eine «erhebliche Kapitalerhöhung» vor.

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Julius Bär kein Übernahmeziel der CS

Für Unruhe im europäischen Bankensektor hatte bereits am Morgen die Deutsche Bank mit einer Gewinnwarnung gesorgt. Auch die Titel der UBS (-1,0 Prozent) gingen klar im Minus aus dem Handel ebenso wie die Aktien der Vermögensverwalterin Julius Bär (-0,7 Prozent). Laut dem FT-Artikel hat der neue CS-CEO Tidjane Thiam den Gerüchten um ein Kaufinteresse an Julius Bär eine klare Absage erteilt.

Schwächer schlossen daneben Syngenta (-1,1 Prozent), die unter einer Abstufung von Baader Helvea auf «Hold» von «Buy» litten. Der Analyst verwies nicht zuletzt auf die «Verteidigungskosten» gegen den Übernahmeversuch von Monsanto sowie eine weiter nachlassende Nachfrage für das Agrounternehmen in Lateinamerika. Abgaben erlitten auch Aryzta (-0,6 Prozent). Nach den deutlichen Kursverlusten haben am Donnerstag auch die Analysten der Credit Suisse ihr Kursziel für die Titel zurückgenommen.

Roche klar im Plus

Bei den Pharma-Titeln legten Roche (+1,4 Prozent) klar und Novartis (+0,1 Prozent) nur leicht zu. Die Roche-Titel dürften spätestens nach der Publikation der Neunmonatszahlen wieder Boden gut machen, gab sich ein Marktteilnehmer überzeugt. Bei Actelion (+0,4 Prozent) seien die Meinungen im Markt derzeit geteilt: Skeptiker würden einen Übernehmer-Discount als angemessen erachten, andere sähen das Pharmaunternehmen dagegen weiterhin als potenzielles Übernahmeobjekt. Zuletzt hatten die Pharmawerte Schwäche gezeigt, wofür am Markt vor allem eine politische Debatte in den USA über die Höhe der Medikamentenpreise verantwortlich gemacht wurde.

Deutliche Kursgewinne verzeichneten am Donnerstag die Zurich-Aktien (+3,0 Prozent). Die weiteren Versicherungswerte legten etwas weniger stark zu: Swiss Re und Bâloise (je +0,8 Prozent) und Swiss Life (+0,6 Prozent) zeigten sich aber ebenfalls über dem Marktschnitt. Klare Kursgewinne verzeichneten zudem auch einige zyklische Werte, so etwa Lonza (+2,2 Prozent), Transocean (+2,0 Prozent) oder Sika (+1,5 Prozent).

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Therametrics nur noch 4 Rappen

Am breiten Markt ging der Kurs der Therametrics-Titel um einen Drittel auf noch 4 Rappen zurück. Die im Bereich Biotech tätige Gesellschaft will sich einer radikalen Restrukturierung unterziehen, um die anhaltenden Barmittelabflüsse unter Kontrolle zu bringen. Schmolz+Bickenbach (+2,9 Prozent) erholten sich weiter von ihren Tiefstwerten, dies trotz Presseberichten über eine Revision der Jahresprognose 2015 nach unten.

(awp/dbe)