Der Schweizer Aktienmarkt ist mit deutlichen Aufschlägen in die Handelswoche gestartet. Nach einem bereits festen Start weitete der Leitindex SMI die Gewinne noch aus und markierte am Nachmittag nach US-Handelsstart das Tageschoch. Auch die wichtigsten Börsenplätze in Europa legten kräftig zu.

Gestützt wird die derzeit positive Stimmung von der Aussicht auf eine noch länger andauernde Periode der ultralockeren Geldpolitik in den USA. Die meisten Beobachter rechnen nach den jüngsten US-Makrodaten nicht mehr mit einer Zinswende des Fed noch im laufenden Jahr.

Enttäuschende Daten

Das Bild bestätigte sich am Nachmittag durch den Einkaufsmanagerindex Dienste des ISM, der sich stärker eintrübte als erwartet. Insbesondere die Auftragskomponente gab stark nach. Am Vormittag hatte in der Eurozone die Hoffnung auf eine deutliche Erholung der Konjunktur einen Dämpfer erhalten, da sich die Stimmung der Einkaufsmanager überraschend stark eingetrübt hat. Der grundsätzlichen Kaufbereitschaft der Investoren tue dies indes zumindest aktuell keinen Abbruch, sagten Marktteilnehmer.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 2,65 Prozent fester auf 8'740,83 Punkte (Tageshoch 8'763 Punkte). Der 30 Titel umfassende, in der Titelgewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewann 2,88 Prozent auf 1'284,17 Punkte an und der breite Swiss Performance Index (SPI) 2,53 Prozent auf 8'908,35 Punkte. Von den Blue Chips schlossen alle im Plus.

Transocean und Richemont an der Spitze

An der Spitze standen Transocean (+10,8 Prozent) nach bereits deutlichen Gewinnen im Freitags-US-Handel und einem weiter anziehenden Ölpreis. Der Luxusgüterkonzern Richemont (+5,5 Prozent) hat am Morgen den Abschluss des Zusammenschlusses der eigenen Onlinehandelsplattform Net-A-Porter mit der italienischen Yoox-Gruppe bekanntgegeben und den einmaligen Gewinn auf 610 bis 670 Millionen Euro beziffert. Analysten hatten eine geringere Summe angesetzt und werten de News positiv. Auch Branchennachbar Swatch (+4,3 Prozent), Adecco (+4,2 Prozent) oder LafargeHolcim (+4,0 Prozent) gehörten zur SMI Spitzengruppe.

Vom freundlichen Umfeld profitierten auch die Banken überdurchschnittlich, wobei CS (+3,5 Prozent) und UBS (+3,3 Prozent) und noch etwas mehr zulegen als Julius Bär (+3,0 Prozent). Für UBS hat Morgan Stanley das Kursziel etwas gesenkt, gleichzeitig aber die Einstufung "Overweight" belassen. Auch IR senkte das UBS-Kursziel, betonte aber, dass die jüngsten Kursrückgänge ungerechtfertigt seien. Zur Credit Suisse wurde in der Wochenendpresse über die geplante Neuausrichtung spekuliert, die Ende Oktober vorgelegt werden soll.

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Syngenta im Mittelfeld

Novartis (+2,8 Prozent) war unter den Schwergewichten der stärkste Titel, während Roche (+1,8 Prozent) im unteren SMI-Drittel rangierten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat der Novartis-Tochter Alcon die Zulassung für ein Augenlinsensystem für Patienten mit Altersstar erteilt.

Nestlé (+1,8 Prozent) bestätigte fortgeschrittene Verhandlungen mit der britischen R&R Ice Cream für ein Joint Venture im Glacé-Geschäft in den Regionen Europa und Afrika. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Analysten werteten den Schritt zur Portfoliobereinigung positiv.

Syngenta (+2,9 Prozent) hielten sich im breiten Mittelfeld und zeigten sich wenig beeindruckt von Meldungen zu Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen möglichem Insiderhandels. Im Zusammenhang mit den Verfahren um das Gentech-Maissaatgut Viptera in den USA zeigte sich das Unternehmen gegenüber AWP «erfreut», dass gewisse Klagen zurückgewiesen wurden. Das Gericht sei indes zu diesem Zeitpunkt verpflichtet, die Vorwürfe zum Nennwert zu nehmen und habe deshalb gewisse Klagen zugelassen. Die Kläger müssten nun Beweismaterial für ihre Vorwürfe vorlegen, hiess es bei Syngenta.

Sulzer im breiten Markt vorne

Schlusslichter im SMI/SLI mit immer noch guten Gewinnen waren Actelion (+0,5 Prozent), Kühne+Nagel (+1,2 Prozent) Bâloise (+1,5 Prozent), Schindler (+1,6 Prozent) und Sika (+1,7 Prozent).

Im breiten Markt stiegen Sulzer (+4,0 Prozent, 98,00 Franken) im Tagesverlauf kontinuierlich an. Am Morgen hatte Renova bekanntgegeben, dass sich nach Ablauf der Nachfrist für das Angebot an die Sulzer-Aktionäre knapp 63 Prozent der Aktien in ihrem Besitz befinden. Das ist deutlich mehr als ursprünglich angestrebt wurde. Offenbar haben viele Aktionäre ihre Papiere angedient, nachdem die Titel unter den Angebotspreis von 99,20 CHF gefallen waren.

Weiter deutliche Outperformer waren etwa Gottex (+11,8 Prozent), Intersport (+9,4 Prozent) oder Meyer Burger (+7,1 Prozent). Auf der Verliererseite stachen nachrichtenlos Starrag (-7,3 Prozent) Repower (-5,6 Prozent) oder Energiedienst (-4,6 Prozent) heraus.

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(awp/ise/hon)