Der Wochenauftakt am Schweizer Aktienmarkt ist geprägt von den Pariser Terroranschlägen, die Abschläge halten sich jedoch in Grenzen. Nach Verlusten zum Auftakt erholte sich der SMI und pendelt um 11.10 Uhr  knapp im Plus.

Die meisten Experten heben in ihren Kommentaren hervor, dass die Anschläge die Marktteilnehmer zunächst naturgemäss verunsichern. Die Geschichte habe aber gezeigt, dass die Reaktion wohl zeitlich begrenzt sein werde.

Börsen-Crash nach dem 11. September

Der deutsche Aktienmarkt trotzte dem Terror in Paris am Montag: Der Dax schüttelte seine Startverluste schnell ab und drehte nach etwas mehr als einer Handelsstunde ins Plus. Die asiatischen Börsen waren die ersten, die direkt auf die Anschläge reagieren konnten. Sie verzeichneten zwar überwiegend Verluste, allerdings fielen diese weniger stark aus als zunächst befürchtet.

Terrorattacken schlagen sich nur selten auf dem Börsenparkett nieder. Starke Reaktionen von Seiten der Anleger gab es am 11. September 2001. Nachdem klar war, dass es sich bei den Flugzeug-Crashs auf die Twin Towers um Anschläge handelte, stürzte der Dax noch am gleichen Tag um 8,5 Prozent ab. Die Wall Street in New York blieb wegen der Terrorgefahr in Manhattan geschlossen. Als der Handel eine Woche später wieder aufgenommen wurde, verlor der Dow Jones innert eines Tages 7 Prozent. Erst 40 Handelstage später hatten sich die Kurse wieder aufgerappelt, heisst es in einem Rückblick des «Handelsblatt».

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Attentat auf Charlie Hebdo fand wenig Börsenecho

Die Ausschläge nach dem 11. September stehen aber für sich. In anderen Momenten hatten Terrorattacken wenige Auswirkungen auf die Börsen. Die Terroranschläge in London 2005 zum Beispiel verunsicherten die Börsen nur kurz. Der spanische Markt rutschte am 11. März 2004 nach den Anschlägen auf Nahverkehrszüge um 2,2 Prozent ab, am Monatsende war der Verlust aber wieder ausgeglichen. Auch nach dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo diesen Januar lag der französische Index über die Woche 5,1 Prozent im Plus. Heute steht er am Vormittag leicht tiefer bei -0,12 Prozent.

Wichtig ist die Einschätzung, ob die Terroranschläge von Paris wirtschaftliche Folgen haben werden. Branchen wie Versicherungen, Touristik und Freizeit könnten nach Ansicht von Experten am ehesten betroffen sein. Die wenigsten erwarten jedoch langfristige Konsequenzen an den Märkten. «Auch wenn die schrecklichen Anschläge in Paris politisch ihre Fussabdrücke hinterlassen könnten, dürfte der Fokus an den Börsen schnell wieder zur Geldpolitik übergehen», sagte Analyst Andreas Paciorek vom Wertpapierhändler CMC Markets.

Spekulationen um Stütze durch die EZB

Spekulationen auf zusätzliche Unterstützung der Europäischen Zentralbank dürften zunehmen, hiess es schon am Morgen von den Strategen des Wertpapierhandelshauses CMC Markets. Marktexperte Jens Klatt vom Analysedienst DailyFX sagte: «Von allen Seiten kommt Unterstützung im Kampf gegen den Terror. Das beinhaltet auch Massnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft, sollte diese in Mitleidenschaft gezogen werden.» Von der EZB erwarte der Markt infolgedessen, dass sie die Geldschleusen eher früher als später noch einmal öffnet.

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«Investoren greifen nach den Kursrückgängen der letzten Handelstage und in Anbetracht der heutigen Robustheit des Marktes bei Dividendentiteln zu», sagte Aktienmarktstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. So erholten sich die Notierungen rasch.

(mit Material von awp und reuters)