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Geldfrage
«SMI unter 8200 Punkten ist ein guter Einstiegspunkt»

Schweizer Börse Six Group: Soll man jetzt Aktien kaufen?  Keystone

Bisher hatte die Ukraine-Krise kaum Einfluss auf das Geschehen an den Börsen. Sandro Merino von der Basler Kantonalbank erklärt, warum das so ist und wann sich ein Einstieg in den Markt lohnt.

Von Roberto Stefano
am 29.04.2014

Sandro Merino ist Investmentchef bei der Basler Kantonalbank. Derzeit empfiehlt er europäische Aktien zum Kauf. Diese verfügten noch über Potenzial und einen «Euro-Malus».

Die Lage in der Ukraine spitzt sich zu. Doch die Aktienmärkte zeigen sich weitgehend unbeeindruckt. Wie erklären Sie sich das?

Sandro Merino: Die wirtschaftlichen Indikatoren im März und April sind erfreulich ausgefallen. Der IFO-Geschäftsklima­index notiert beispielsweise auf einem Höchststand seit 2011. Auch die Einkaufsmanagerindizes aus Europa und den USA sind gestiegen. Anderseits konnten die Ergebnisse der Unternehmen 2014 überzeugen. Die Fusion von Holcim und Lafarge oder die Umstrukturierung bei Novartis zeigen, dass die Firmen wieder neue Wachstumsperspektiven sehen. Schliesslich war das Wachstum in China zwar weniger stark als in der Vergangenheit. Von einem signifikanten Einbruch ist aber nichts zu sehen. In diesem Umfeld sind die Unruhen in der Ukraine wie ein Störsignal, das an den Märkten für eine erhöhte Volatilität sorgt.

Lohnt sich ein Einstieg, wenn es wegen der Unruhen zu einer Korrektur kommt?

Aus heutiger Sicht sollte man eine Korrektur von gut 5 Prozent für einen Zukauf nutzen. Wenn der SMI unter 8200 Punkte fällt, wäre dies im aktuellen Umfeld ein guter Einstiegspunkt. Offen ist, wie es in der Ukraine weitergeht. Wir sehen drei Szenarien: Einerseits könnte es zu den geplanten Wahlen in der Ukraine und zu mehr Autonomie in der Region kommen. Möglich ist aber auch eine bewusste ­Eskalation der Lage ohne Wahlen. Nach wie vor unwahrscheinlich halte ich einen ­militärischen Eingriff Russlands.

Was bedeutet dies für die Weltwirtschaft?

Zwar wurden die Sanktionen ausgeweitet. Der Einfluss auf die globale Konjunktur bleibt aber begrenzt. Russland ist keine wirtschaftliche Weltmacht. Die Firmen sind mit wenigen Ausnahmen kaum betroffen. Anders sieht es aus, wenn es zu einem offenen militärischen Einmarsch in der Ostukraine kommen sollte. Dann müsste der Westen stärker intervenieren.

Ansonsten scheint der Aufwärtstrend in Europa anzuhalten: Griechenland kehrte an den Kapitalmarkt zurück, Portugal soll folgen. Was halten Sie davon?

In Europa ist ein deutlicher Silberstreifen am Horizont erkennbar. Doch die Zinsbelastung für die verschuldeten Peripherieländer muss weiter auf einem erträglichen Mass bleiben. Bis die Arbeitslosigkeit von heute 12 auf 8 Prozent fallen wird, dürfte es noch viele Jahre brauchen. Die Trendwende wurde eingeläutet, und es herrscht wieder deutlich mehr Zuversicht in der Region.

Wo sehen Sie Herausforderungen?

Bei der Kreditvergabe an die Firmen. Die Banken müssen gut kapitalisiert sein. Eine effektivere und risikogerechte Kreditver­gabe könnte das Wachstum antreiben.

Die europäischen Aktienmärkte haben die Zuversicht schon vorweggenommen.

Dennoch sind Aktien in Europa nach wie vor günstiger als in den USA. Es gibt noch immer einen Euro-Malus. Wenn die ­Verbesserungen anhalten, dann besteht noch deutliches Kurspotenzial.

Wie beurteilen Sie die Unternehmen nach dem Bericht zum ersten Quartal 2014?

In Amerika hat die Hälfte der S&P-500-­Firmen ihre Quartalszahlen vorgelegt. Drei Viertel davon übertrafen die Gewinnerwartungen. Damit setzten sie die Entwicklung aus dem starken Jahr 2013 nahtlos fort. Die US-Versorger ­erzielten durch das kalte Wetter einen Umsatzsprung. In der Pharmaindustrie zeigte sich, dass Veränderungen, wie jene bei Novartis, kein Einzelfall sind.

Wie sollen sich die Anleger positionieren?

Wir empfehlen ein deutliches Übergewicht für Aktien gegenüber Obligationen. Bei Obligationen wählen wir Laufzeiten unter fünf Jahren. Regional ziehen wir bei Aktien Europa und die Schweiz den USA vor und würden Schwellenländer untergewichten.

Welche Titel empfehlen Sie konkret?

In der Schweiz sind dies bei den Nebenwerten Komax, Basilea oder Rieter, bei den Blue Chips Roche, Novartis oder auch Zurich aufgrund der hohen Dividenden. In Europa sind Allianz, BNP Paribas oder Deutsche Telekom interessant.

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