Wer zu spät kommt, den bestraft die Börse. In der Finanzkrise brüstete sich die Credit Suisse damit, keine Staatshilfe gebraucht zu haben. Genützt hat es den CS-Aktionären wenig: In den letzten fünf Jahren verloren ihre Titel fast 40 Prozent, die der Rivalin UBS, die vom Staat gerettet werden musste, legten dagegen um 15 Prozent zu.

Das ist für jeden Manager ein Signal, dass etwas Grundlegendes nicht stimmt. CS-Chef Tidjane Thiam handelte dementsprechend schnell. Er wartete nur 112 Tage und riss das Steuer noch heftiger herum als erwartet. Er stärkt die Finanzpolster, bringt das Schweizer Geschäft an die Börse, fährt mit einem milliardenstarken Sparprogramm auf und mischt die Karten in der Geschäftsleitung neu.

Schlechte Börsenperfomance

Den Aktionären hat das bisher aber auch nicht genutzt. Die Credit Suisse verlor am Tag der Bekanntgabe der neuen Strategie vier Prozent. Am Tag darauf rutschte der Kurs nochmals um 1,5 Prozent ab. Die grossen Verluste führen dazu, dass auch die Wochenbilanz negativ ist. Daran ändern auch die Gewinne am Freitag nichts.

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Die CS-Aktie ist damit das einzige Papier im wichtigsten Leitindex SMI, das auf Wochensicht im Minus ist. Alle anderen Titel legen zu, teilweise um bis zu zehn Prozent (siehe Bildergalerie). Auch dank der Europäischen Zentralbank, die gestern ihren expansiven Kurs bekräftigte. Zum Vergleich: Die Papiere des CS-Konkurrenten UBS stiegen um weit über drei Prozent. Noch stärker zulegen konnte Julius Bär, der dritte Banktitel im SMI.

Kein Vertrauen

«Die Anleger kaufen der Credit Suisse die Ziele nicht ab», fasst Damien Lanternier vom französischen Fondsanbieter La Financière de L’Echiquier ein verbreitetes Gefühl zusammen. «Sie wollen zuerst Resultate sehen.»

Ein Unternehmensberater kritisiert weiter, dass die Gewinnziele der Credit Suisse viel zu stark auf Einnahme-Steigerungen und zu wenig auf Einsparungen fussten. «Kaum eine Bank hat ihre Ertragsziele in den letzten Jahren erreicht.» Zwei Drittel der Erträge hingen vom Umfeld wie etwa den Zinsen oder der Konjunktur ab, nur ein Drittel könnten die Institute selbst steuern. Wegen der Krise in den Schwellenländern sei eine Prognose für das Wachstum dort mit grossen Unsicherheiten behaftet. «Das einzige, was ein Unternehmen wirklich kontrollieren kann, sind die Kosten.»

Grossaktionär mit Zweifel

Zweifel hat auch einer der 20 grössten Credit Suisse-Eigner. Gegenüber Reuters sagt der nicht weiter genannte Grossaktionär: «Alle Ziele auf Wachstum abzustellen – selbst für das Schweizer Geschäft – wirkt ziemlich merkwürdig.» Zudem dürfte Asien in den kommenden fünf Jahren nicht mehr so stark wachsen wie in den vergangenen fünf.

In Asien will die Bank den Vorsteuergewinn aber mehr als verdoppeln. Dort tritt Credit Suisse gegen die UBS an. Die Erzrivalin verwaltet in der Region fast doppelt so viel Geld von reichen Privatkunden. Zudem stossen regionale Anbieter wie DBS aus Singapur oder chinesische Banken in das Geschäft vor, die Margen stehen unter Druck. «Das Ziel, die Präsenz in Asien auszubauen, ist eine gute Idee, aber es fragt sich: Wie macht man das ohne Zukäufe und wie würde man dafür bezahlen?» sagt Union-Invest-Fondsmanager Helmut Hipper. Übernahmen im Ausland hat Thiam aber explizit eine Absage erteilt – zumindest vorläufig.

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(se/ise/reuters)