Seit dem 22. Januar zahlen Banken einen Strafzins, wenn sie eine Geldmenge, die einen gewissen Freibetrag übersteigt, bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) parkieren. Trotzdem schwellen die sogenannten Giroguthaben der Finanzinstitute weiter an. Im Durchschnitt der vergangenen Woche stiegen die Franken-Sichtguthaben inländischer Banken um knapp 18 Milliarden Franken und beliefen sich auf 383,3 Milliarden Franken, wie die SNB mitteilte. Die gesamten Sichtguthaben bei der SNB stiegen gar um fast 15 Milliarden auf 443,0 Milliarden Franken.

Die Entwicklung der Giroguthaben beziehungsweise Sichtguthaben gilt als Indiz dafür, ob und wie stark die SNB im Devisenmarkt interveniert, um eine zu starke Franken-Aufwertung zu verhindern. In den zwei Wochen nach der Aufhebung des Mindestkurses sind die Guthaben gesamthaft um 41 Milliarden Franken gestiegen. Der Durchschnitt der Franken-Sichtguthaben für die Woche zum 16. Januar 2015 lag bei 402,0 Milliarden Franken. Die Giroguthaben inländische Banken beliefen sich auf 340 Milliarden Franken.

Spekulation über einen Zielkorridor

Damit verdichten sich die Zeichen, dass die Notenbanker weiterhin massiv am Devisenmarkt intervenieren, um das Frankenhoch und dessen Konsequenzen zu mildern. Niemand wisse zwar genau, ob sie intervenieren, wie ein Händler sagte. Vermutlich greife die SNB aber über einen Währungskorb ein – und kaufe nicht mehr alleine den Euro, sagen Marktbeobachter.

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Die «Schweiz am Sonntag» spekulierte unter Berufung auf SNB-nahe Kreise ebenfalls über einen inoffiziellen Euro-Mindestkurs. Von einem Korridor von 1.05 bis 1.10 Franken ist die Rede. Dieses Ziel, das nicht nach aussen kommuniziert werde, lasse sich die Nationalbank einiges kosten: Verluste von bis zu 10 Milliarden Franken dürften in Kauf genommen werden, zitierte das Blatt einen Insider. Ein SNB-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äussern.

Schweizer Franken verliert weiter an Wert

Die Gemeinschaftswährung setzte den Höhenflug der vergangenen Woche am Montag jedenfalls fort. Der Euro wird um 10 Uhr zu 1.055 Franken gehandelt und notiert damit fast 2 Prozent im Plus. Kurz vor 10 Uhr kratzte die Einheitswährung sogar an der Marke zu 1.06 Franken. Das Tageshoch liegt bei 1.059 Franken.

Auch der Dollar gewinnt gegenüber dem Franken an Wert. Der Greenback stieg in der Spitze auf bis zu 93.47 Rappen.