Gut drei Monaten sind seit der Aufhebung des Mindestkurses und der Einführung von Negativzinsen vergangen. In der «Schweiz am Sonntag» äussert sich Nationalbank-Chef Thomas Jordan im Rahmen eines von der Zeitung organisierten Gesprächs mit Lesern zu den umstrittenen geldpolitischen Massnahmen.

«Ob wir mit den Negativzinsen weiter herunter müssen, hängt von der internationalen Entwicklung ab. Man kann zurzeit eher davon ausgehen, dass in den USA und in Europa die Zinsuntergrenze erreicht ist und dass sich die Sätze über die Zeit wieder nach oben bewegen», sagt Jordan.

«Recht weit gegangen»

«Wir sind mit minus 0,75 Prozent bereits recht weit gegangen und warten jetzt die Wirkung ab» sagt der SNB-Präsident. «Der starke Franken bedingt die Negativzinsen», sagt Jordan. Zugleich würden diese bedeuten, dass die «Hypotheken sehr günstig sind». Das sei ein Dilemma.

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Ganz wichtig sei deshalb die Aufklärung. «Kreditnehmer, Banken und die Immobilienbranche müssen wissen: Wenn die Zinsen wieder steigen, oder wenn die Immobilienpreise plötzlich sinken, müssen dies alle Beteiligten bewältigen können.» Darauf müssten sie vorbereitet sein.

«Franken signifikant überbewertet»

Der Forderung von Privatbanken, vom Negativzins ausgenommen zu werden, erteilt Jordan eine klare Abfuhr: «Wir können keine Abweichungen erlauben. Wenn wir damit anfangen, dann pochen andere ebenfalls auf Ausnahmen», sagt Jordan. «In der konsequenten Ausrichtung des Modells liegt ein wesentlicher Teil seiner Wirkung.» 

Der SNB-Präsident wagte keine Prognose, wohin sich der Franken hinbewegt. «Wir machen grundsätzlich keine Wechselkursprognosen. Aber der Franken ist signifikant überbewertet und er sollte sich deshalb über die Zeit abwerten. Wir haben zudem unterstrichen, dass wir bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv werden

Umstrittene Eurolöhne 

Von der Einführung von Eurolöhnen, die dies in einzelnen Branchen diskutiert wird, hält Jordan nicht viel. «Für das Gros der Wirtschaft ist das kein Thema.» Es gebe nicht nur ökonomische, sondern auch juristische Probleme. «Ich glaube nicht, dass Euro-Löhne eine Lösung sein können.»

(dbe)