Monatelang gab es für den Ölpreis nur den Weg nach unten. Innert wenigen Tagen folgte nun jedoch die deutliche Kehrtwende: Am heutigen Mittwoch kostet ein Fass der Nordseesorte Brent in der Spitze fast 59 Dollar – satte 11 Dollar mehr als noch vor einer Woche. Der Anstieg von fast 20 Prozent ist der grösste in so kurzer Zeit seit der Finanzkrise 2009.

Wie geht es weiter? Einige Indizien sprechen dafür, dass die Talsohle durchschritten sein könnte. Daniel Benz, Rohstoff- und Aktienexperte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), glaubt aktuell aber noch nicht an eine unmittelbare Kehrtwende in Richtung der alten Höchststände von deutlich über 100 Dollar. Erst ab der zweiten Jahreshälfte könnten sich die Preise nachhaltig erholen. Für Anleger, die mit steigenden Ölpreisen rechnen und davon an der Börse profitieren möchten, hat er zwei Tipps.

Erster Tipp: Ölförderer statt -dienstleitser

Erstens: Ölservicefirmen wie der weltgrösste Ölfeldausrüster Schlumberger oder der amerikanische Riese Halliburton profitieren als letzte Unternehmen von höheren Preisen. Als erste gewinnen jene Firmen, die direkt in der Förderung tätig sind. Als Beispiel nennt Benz zwei Branchengrössen: das französische Mineralölunternehmen Total und den britisch-niederländischen Konzern Royal Dutch Shell.

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Ölförderer bekamen laut ZKB-Experte Benz – im Gegensatz zu den Ölservicefirmen – als erste die negativen Effekte des Preisverfalls zu spüren. Entsprechend dürften sie auch die ersten sein, die von steigenden Preisen profitieren. Ausserdem waren die Förderunternehmen bereits früh gezwungen, drastische Kostensparprogramme aufzugleisen. Investitionen wurden zurückgefahren, Förderprojekte auf Eis gelegt, der Verkauf von Unternehmensanteilen vorangetrieben. Es wurde rationalisiert, wo man konnte. Dazu gehörten auch schwere Einschnitte beim Personal.

Zweiter Tipp: Europäer statt Amerikaner

Der zweite Tipp des Experten: Europäische Firmen sind erfolgsversprechender als amerikanische Unternehmen. Der Grund: Wegen der Wirtschaftsflaute in vielen Ländern ging die Nachfrage zurück, die Raffinerien blieben auf ihren Überkapazitäten sitzen. Und der US-Boom bei Schiefer-Öl- und -Gas senkte die Exporte in das Land.

Als Folge gerieten europäische Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell oder Total in den letzten Jahren unter Druck und begannen früh, die Strukturen umzubauen. Sie investierten in neue Felder. Das hat damals zwar auf die Gewinnmarge gedrückt. Nun folge aber die Erntephase. Amerikanische Firmen steht dieser Umbau laut Benz noch bevor.