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Serbien
So schlagkräftig ist der Schweizer WM-Gegner

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Nemanja Matic: Vor dem Starspieler der Serben muss sich die Schweizer Nati besonders ihn Acht nehmen. Quelle: Getty Images

Heute trifft die Schweizer Nati auf Serbien. Der WM-Gegner ist auch wirtschaftlich für die Schweiz interessant - vor allem für Investoren.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 21.06.2018

Im zweiten Spiel bei der Fussball-WM in Russland trifft die Schweizer Nationalmannschaft auf Serbien. Das Land im Südosten Europas setzt grosse Hoffnungen in seine Mannschaft. Derweil darbt die Wirtschaft des Landes. Laut Bloomberg Elendsindex liegt Serbien auf Platz elf der Volkswirtschaften, die sich 2018 am schlechtesten entwickeln. Der Index stützt sich auf die Entwicklung der Inflation und der Arbeitslosenzahlen. Diese ist zwar in den letzten Jahren gesunken, liegt aber immer noch bei 14 Prozent. 

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation zieht es viele jungen Serben ins Ausland. Diesen Braindrain bekämpfen will Premierministerin  Ana Brnabic. Die 42-jährige Parteilose studierte im Ausland und arbeitete vor ihrem Amtsantritt vor einem Jahr in der Privatwirtschaft. Sie will vor allem die serbische Wirtschaft voranbringen. 

Derzeit wächst die Wirtschaft des Landes, im ersten Quartal des Jahres um 4,6 Prozent. Für das gesamte Jahr wird ein Wachstum von 3,5 Prozent prognostiziert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2017 bei knapp 40 Milliarden US-Dollar, das Pro-Kopf-BIP bei rund 6000 Dollar. Zum Vergleich: Das Pro-Kopf-BIP der Schweiz beträgt etwa 80'000 Dollar.

Investitionen aus der Schweiz

Die wichtigsten Handelspartner Serbiens sind Deutschland, Italien und Russland. Der Handel mit der Schweiz ist eher gering: 2017 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 394 Millionen Dollar zwischen beiden Ländern gehandelt – davon 242 Millionen an Exporten. Mehr Interesse weckt Serbien bei Schweizer Investoren.

Die Direktinvestitionen aus der Schweiz beliefen sich 2016 auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Mehr als 200 Schweizer Investoren sind in Serbien tätig: Vor allem im den Bereichen Bau – allein Holcim investierte 200 Millionen Dollar – und Dienstleistungen mit Unternehmen wie Dufry, Basler Versicherung und Ringier. Auch Industrieunternehmen wie Nestlé, Pharmasuisse sind präsent, sowie zahlreiche KMU. Zu den interessantesten Branchen für Schweizer Investoren zählen der Automobilsektor sowie die Metall-, Plastik-, Textil- und Holzindustrie. 

Seit 1991 unterhalten Serbien und die Schweiz Beziehungen, die vor allem auf die Einbindung Serbiens in die internationalen Finanzinstitutionen und die WTO sowie den EU-Beitritt ausgerichtet sind. Daneben interessiert sich Serbien insbesondere auch für das duale Berufsbildungssystem nach Vorbild der Schweiz. 

EU-Beitritt als politisches Ziel

Seit 2014 verhandelt die EU mit Serbien über eine Mitgliedschaft. Zuletzt hat sie dem Land einen EU-Beitritt bis 2025 in Aussicht gestellt. Sie macht neben wirtschaftlichen und politischen Reformen aber zu Bedingung, dass Serbien vorher den Kosovo-Konflikt löst. Das Land hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Bis heute lehnt Serbien vehement ab, die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen. Auch weltweit wird der Staat nur von 115 Ländern anerkannt. Die UN-Mitgliedschaft des Kosovo wird von den serbischen Verbündeten Russland und China blockiert. Die Schweiz war eines der ersten Länder, das Kosovo als selbständigen Staat anerkannte. Die bilateralen Beziehungen zu Serbien waren dadurch zeitweise belastet. 

Nicht zuletzt ist der ungelöste Konflikt mit Kosovo ein Faktor für die wirtschaftliche Probleme in Serbien. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic setzt sich für einen EU-Beitritt ein. Er war vor 2017 mit dem Versprechen gewählt worden, das Sieben-Millionen-Einwohner-Land an den Westen anzunähern und attraktiver für ausländische Investitionen zu machen. 

Begehrte Mitgliedschaft in der EU

Seit Jahren setzen Serbien und die anderen Balkan-Länder auf einen Beitritt zur Europäischen Union. Doch deren Prioritäten liegen zur Zeit eher in der Lösung diverser anderer Probleme, wie die Folgen der Schuldenkrise, das Ringen um eine gemeinsame Asylpolitik und, nicht zu vergessen, der Brexit. Derweil buhlen die Türkei, Russland und China um Einfluss in der südosteuropäischen Region. Neben geschäftlichen Interessen bewegen alle drei auch strategische.

Während die Türkei und Russland historische und kulturelle Verbindungen in die Region haben, ist das chinesische Interesse an der Region eher neu. In den letzten Jahren hat China seine wirtschaftliche Präsenz in Südosteuropa ausgebaut. Bisher hat China vor allem in Infrastruktur vor allem Brücken, Autobahnen und Bahnlinien in Serbien investiert oder Kredite vergeben.

Zur Zeit finanzieren die Chinesen in Serbien beispielsweise den Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen Belgrad und Budapest – als Teil der 900-Milliarden-Dollar schweren Seidenstrasseninitiative, mit der China seinen Unternehmen neue Handelsverbindungen eröffnen will. Die neue Seidenstrasse soll von China bis Deutschland über den griechischen Hafen Piräus und durch den Balkan verlaufen. Mit dem wirtschaftlichen Engagement wächst der politische Einfluss Chinas in der Region.

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