Am 14. April werden sie wieder zu Tausenden nach Basel in die St. Jakobs-Halle pilgern ? die Aktionärinnen und Aktionäre der UBS. Nachdem die Grossbank 2009 erneut vor allem für negative Schlagzeilen gesorgt hat, dürfte die Stimmung entsprechend gereizt sein. Unter Beschuss stehen Management und Verwaltungsrat, allen voran Präsident Kaspar Villiger.

Dennoch, am Ende der mehrstündigen Versammlung wird die grosse Mehrheit der Teilnehmenden mit leeren Händen nach Hause gehen, sieht man einmal vom Lunch-Paket ab. Was bleibt, ist der Frust der Kleinaktionäre, die sich von den Grossinvestoren übergangen fühlen.

Rede als Psycho-Hygiene

Doch auch die Kleinaktionäre haben Einflussmöglichkeiten, sofern sie sich zumindest ins Aktienregister der Unternehmen eingetragen haben ? unabhängig von der ausstehenden Aktienrechtsrevision oder der umstrittenen «Abzocker»-Initiative.Einige von ihnen werden beispielsweise die Gelegenheit nutzen, um ihrem Ärger am Rednerpult Luft zu verschaffen. Aber: «Die Wortmeldungen an den Generalversammlungen dienen hauptsächlich der Psychohygiene», erklärt Aktienrechtler Peter V. Kunz. Er habe noch keine Aktionärsversammlung erlebt, bei der die Wortmeldung zu einem Stimmungsumschwung geführt habe. «Der Aspekt des Frustablassens darf allerdings nicht unterschätzt werden», so der Rechtsprofessor der Universität Bern.

Mehr Erfolgsaussichten bescheinigt Actares-Geschäftsleiter Roby Tschopp der Debatte im Vorfeld der Versammlung: «Wir versuchen, die öffentliche Diskussion zu fördern, wie wir dies im Falle der Nichtwiederwahl von Kaspar Villiger gemacht haben», so der Chef des Vereins für nachhaltiges Wirtschaften. Da Actares die nötige Grösse fehlt, die zum Einreichen von Traktanden berechtigt (im Falle der UBS sind es Aktien im Nennwert von 62500 Fr.), kann der Verein keine Anträge stellen. «Bereits durch die öffentliche Diskussion können wir aber etwas bewegen, da die Firmen diese lieber vermeiden», so Tschopp.

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Auch Martin Wipfli, Nebag-VR-Präsident und Vertreter der Minderheitsaktionäre in der Auseinandersetzung um Alu Menziken, kennt die Vorteile der öffentlichen Diskussion: «Wenn die Anliegen begründet sind, so wird man meistens auch von den lokalen und nationalen Medien unterstützt.» Der dadurch erzeugte Druck helfe vielfach, ein Anliegen erfolgreich durchzusetzen.

Kaum bekannte Mittel

Noch wirkungsvoller als der öffentliche Diskurs ist für Minderheitsaktionäre das Bündeln ihrer Stimmkraft. «Findet man Gleichgesinnte, so kann man die Stimmen poolen und dadurch mehr Einfluss erlangen», sagt Kunz. Mit technologischen Entwicklungen wie Internet und Facebook werde diese Form in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen. Was für Auswirkungen eine solche Bündelung haben kann, zeigt das Beispiel der Ethos-Stiftung, die im Namen ihrer Anleger die Stimmrechte ausübt. «Nachdem wir bei mehreren Firmen einen Antrag auf ‹say-on-pay› gestellt haben, hat sich in dieser Angelegenheit etwas getan», erklärt Ethos-Sprecher Vinzenz Mathys. Nun würden Firmen wie Novartis, ZFS, Swiss Re oder Holcim über deren Vergütungssystem abstimmen lassen.

Wer nicht selber aktiv werden will, kann seine Stimmrechte dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter abgeben. «Bis anhin hatte er einen geringen Einfluss, da diese seit 1993 bestehende Möglichkeit nur wenigen Leuten bekannt ist», erklärt Kunz. Wenn aber mehr Personen das Angebot nutzen, statt die Faust im Sack zu machen, werde seine Bedeutung laufend zunehmen.