Eine neue Webseite dürfte bei vielen Anlegern für grossen Ärger sorgen. ExtremeFomo.com – «FoMO» steht für Fear-of-missing-out – zeigt nämlich, was man gewonnen hätte, wäre man früh bei Tesla oder Facebook eingestiegen. Wer Mühe hat, verpasste Chancen zu verdauen, sollte die Finger von der Spielerei lassen. Für alle anderen ist die Webseite ein einfaches und lustiges Mittel, die Entwicklung von Aktienkursen zu erleben.

Das Zeitfenster für die Überprüfung geht bislang 17 Jahre in die Vergangenheit. Zeit genug, um zu überprüfen, was zögerliches Handeln beim Börsengang von Tesla oder Facebook gekostet hat. Ziemlich viel, wie sich herausstellt: Mit einem Investment von 1000 Dollar in die Titel von Facebook am 18. Mai 2012, hätten Anleger fast 3100 Dollar verdient.

Hohe Gewinne, hohe Verluste

Als lukrativ stellt sich auch ein frühes Google-Investment heraus: 1000 Dollar haben sich seit dem 19. August 2004 um 8573.74 Dollar vermehrt (957 Prozent ROI). Noch mehr Grund zum Ärger haben Anleger, die an Tesla gezweifelt haben. Aus 1000 Dollar sind seit dem 29. Juni 2010 17'743.16 mehr geworden – eine Plus von 1874 Prozent.

Nicht in allen Fällen wurden entschlussfreudige Investoren aber belohnt. Wer am 7. November 2013 1000 Dollar in Twitter investiert hat, hat inzwischen fast zwei Drittel seines Investments verloren. Ebenfalls verloren haben frühe Unterstützer von Snap, der Gesellschaft hinter dem sozialen Netzwerk Snapchat:

Ausserhalb des beobachteten Zeitfensters der Webseite liegen die Börsengange von Apple und Amazon. Hat man aber Anfang 2000 zwischen einem Kauf des Techriesen oder Onlinehandelsriesen geschwankt, zeigt sich heute deutlich, was die bessere Option gewesen wäre. In beiden Fällen können sich Investoren heute über einen Profit freuen. Allerdings im Fall von Amazon über einen deutlich höheren. Die eingesetzten 1000 Dollar, haben dort 11076.07 Dollar eingebracht. Bei Apple gerade einmal 571.47 Dollar.

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Mit dem Bitcoin-Kurs spielen

Wer sich noch stärker selbst quälen will, sollte whatifbitcoin.com besuchen. Die Webseite funktioniert nach dem gleichen Prinzip und führt beim aktuellen Bitcoin-Kurs zu noch deprimierenderen Resultaten: Mit kleinem Einsatz vor ein paar Jahren wäre man heute Mehrfachmillionär. Im Nachhinein ist die richtige Wahl offensichtlich. Doch an der Börse ist das nichts wert.

Daher ist «FoMO» oder die «Angst, etwas zu verpassen» für viele Investoren auch ein grosses Problem – und kann selbst die Entstehung von Finanzkrisen zu einem Teil erklären: Wenn die Angst zum Kauf-Motivator wird, können die Folgen oft verheerend sein. Und das nicht nur für den einzelnen Anleger, sondern alle Investoren.

Angst führt zum Unglück

Für den langjährigen Venture-Capital-Investoren Bill Janeway etwa ist Angst der Grund für die grosse Anzahl von Einhörnern, die es unterdessen gibt. Niemand möchte das nächste Facebook verpassen und dabei zuschauen, wie ein Kollege reich wird. Also wird massiv Geld in Jungunternehmen eingeschossen, die allerdings oft noch keine Erfolge vorweisen können.

Gefährlich wird die Angst auch dann, wenn Geldgeber überhasten und das Investment in Boomzeiten nicht mehr richtig prüfen – eben aus Angst, das nächste grosse Ding zu verpassen. Genau das passiert aber, wie die Forschung des jungen Wissenschaftlers Gregory Buchak der Universität Chicago in einem Arbeitspapier im vergangenen Jahr zeigte.

Noch folgenreicher: «FoMO» kann im Techsektor zur Blasenbildung führen. So konnten Forscher aus Stanford zeigen, dass sich Investoren aus Verpass-Angst auch vor hohen Bewertungen nicht zurückschrecken lassen. In Herden treiben sie die Preise auf überhöhte Niveaus und bleiben – bis zum vielleicht bitteren Ende – dabei. Ein wenig tröstlicher Nebeneffekt: Wenn die Blase platzt, dann verlieren alle.