Der überraschende Sieg der Schweizer Fussballer gegen die Europameister aus Spanien hat hierzulande den Nationalstolz wieder geweckt. Seither prägen nicht mehr die gelben Leibchen von WM-Kronfavorit Brasilien das Stassenbild, vielmehr liegen die roten Trikots der Schweizer Nati hoch im Kurs.

Mancher Anleger könnte sich nun durch den Patriotismus der Fussballfreunde anstecken lassen und vermehrt auf heimische Titel setzen. Wer dazu allerdings in den Leitindex der Schweizer Börse, den Swiss Market Index, investiert, dürfte dabei ein Eigentor schiessen: Nur noch gut 10% der Umsätze der im SMI gelisteten Unternehmen fallen in Franken an, sprich sind von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz abhängig (siehe Grafik). «Mit Ausnahme der Swisscom, und auch dort gilt dies nicht mehr uneingeschränkt, generieren die SMI-Werte ihre Einkünfte zu einem grossen Teil im Ausland», sagt Stefan Angele, Chefanlagestratege von Swiss & Global Asset Management. Sollte der Erfolg der Schweizer also die hiesige Konjunktur beflügeln, am SMI würde die Euphorie kaum Spuren hinterlassen.

Risikostreuung gelingt nicht

Angesichts dessen stellt sich die Frage, welche Bedeutung eine regionale Asset Allocation respektive Portfeuille-Strukturierung, heutzutage überhaupt noch hat. «Wenn hauptsächlich in Blue Chips investiert wird, bleibt der gewünschte Bezug zur einheimischen Wirtschaft weitgehend aus. Denn bei diesen Werten handelt es sich zumeist um multinationale Konzerne», erklärt Angele. Ähnlich sieht es Sandro Rosa, Anlagestratege bei der Bank Clariden Leu. «Wer beispielsweise amerikanische Blue Chips kauft, trägt ein hohes Asien-Risiko, schliesslich sind diese Unternehmen stark in den asiatischen Märkten exponiert», weiss Rosa. Die Risikostreuung beschränkt sich dann auf die Währungen. «Dies kann aber durchaus ein gewünschter Effekt sein», so Angele.

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Skeptisch gegenüber dem Prinzip der regional geprägten Titelselektion zeigt sich auch Ralf Wiedenmann, Leiter Economic Research bei der Bank Vontobel. «Die Abhängigkeit zwischen den verschiedenen Aktienmärkten ist mittlerweile so gross, dass für eine Risikoreduktion eine gezielte Wahl der Unternehmen innerhalb der Regionen getätigt werden müsste», so Wiedenmann. Zu denken ist dabei insbesondere an die Strom-, Gas- und Wasserversorger, an Baufirmen oder an Immobiliengesellschaften, die stark national geprägt sind. Für eine globale Diversifikation spricht auf der anderen Seite, dass einige der weltweiten Aktienmärkte noch stärker als in der Schweiz von der inländischen Konjunktur abhängig sind. «Der Heimmarkt in Amerika ist für die US-Börse von grosser Bedeutung. Ähnlich sieht es in vielen kleineren Märkten aus», begründet Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research der Bank Vontobel. Aus diesem Grund wird die regionale Asset Allocation weiterhin berücksichtigt und auch von den Kunden häufig nachgefragt. Für die gezielt gewählte Länderallokation spricht sich auch Frédéric Buzaré, Global Head Traditional Equity Management bei Dexia Asset Management, aus. Aufgrund der Staatsschuldenkrise, die Griechenland in die Knie zwang und Kollateralschäden in Spanien, Italien und Portugal anrichtete, habe die regionale Asset Allocation wieder stärker an Bedeutung gewonnen.

Indirekt global anlegen

Wer diese globale Länderallokation anstrebt, braucht aber nicht weltweit zu investieren. Schliesslich braucht es für ein direktes Investment ein sehr hohes Know-how der einzelnen Märkte. Zudem entfällt das Währungsrisiko. «Insbesondere für private Anleger kann es Sinn machen, diese Märkte indirekt abzudecken», so Spiliopoulos. Zu denken ist dabei an Fonds oder ETF, aber eben auch über global tätige Unternehmen. «Statt Titel in China oder in Indien werden dann Aktien von ABB oder Holcim ins Portefeuille genommen», erklärt der Vontobel-Analyst.

Kaum angeboten wird dagegen das reine Schweiz-Portefeuille. «Wer hauptsächlich auf die Stärke der Schweiz setzt, muss auf den SPI-Extra wetten oder lässt sich eigens ein Portefeuille zusammenstellen, mit Firmen, die ihre Einkünfte hauptsächlich im Inland erzielen» erklärt Spiliopoulos. Letzteres sei allerdings eine ziemlich kostspielige Angelegenheit und daher für Privatanleger kaum zu empfehlen.

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