Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen. Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

11. These: Social Media wird masslos überschätzt

Der Vorwurf ist latent. Die Banken würden die neusten Trends in den sozialen Medien schlicht verpassen, heisst es. Tatsächlich agieren die meisten traditionellen Banken im virtuellen Netz eher unbeholfen.

Doch andersherum gefragt: Wollen die Kunden ihre finanziellen Angelegenheiten auf Facebook und via Twitter kundtun? Ergibt sich daraus ein Mehrwert?

Fazit: Viele Menschen haben schlicht keine Lust, sich auch noch in Geldfragen mit den Gimmicks der sozialen Medien herumzuschlagen. Kommt hinzu, dass jeder Umgang mit den sozialen Medien digitale Spuren hinterlässt (siehe dazu These 1). Social Media bleibt im Banking ein Non-Event.

Sind Sie mit der 11. These und dem Fazit einverstanden? Hier geht es zur Abstimmung - und nutzen Sie zudem das Kommentarfeld am Ende des Artikels.

12. These: Die Grossbanken werden von der Schweiz profitieren wie noch nie

Vor etwa 20 Jahren machten sich die Schweizer Grossbanken auf, die Welt zu erobern. So gewann der angelsächsisch geprägte Managementstil immer mehr an Bedeutung. Anstatt sich nach Urtugenden wie Vertrauen, Langfristigkeit und Verhältnismässigkeit zu richten, galten zunehmend die Manieren aus dem Hollywood-Klassiker «Wall Street» als Vorbild. Es entstand ein Geschäftsmodell, das kaum mehr auf Schweizer Werten beruhte und das man nur als «Verrat am Schweizer Private Banking» bezeichnen kann, wie der Historiker Robert Vogler sagt.

Seit der Finanzkrise hat ein Umdenken eingesetzt. Besonders die beiden Schweizer Grossbanken bekennen sich wieder voll zur Heimat, weil sie begriffen haben, dass sie so wesentlich mehr erreichen können.

Fazit: Unter der wahrscheinlichen Annahme, dass die Euro-Schuldenkrise noch Jahre fortdauern wird und die Schweiz dadurch an Anziehungskraft gewinnt, werden auch die Schweizer Grossbanken ihre Herkunft noch verstärkt herausstreichen.

Sind Sie mit der 12. These und dem Fazit einverstanden? Hier geht es zur Abstimmung - und nutzen Sie zudem das Kommentarfeld am Ende des Artikels.