Anleger, die vor einem Jahr auf die zukunftsträchtige Solarbranche gesetzt hatten, blickten in einen praktisch wolkenfreien Anlegerhimmel: Das Rohöl hatte die 100-Dollar-Marke passiert, und in vielen Staaten dachten Regierungen darüber nach, ihre Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern zu reduzieren. So schlugen Investoren, die einen Branchenbasket oder eines von gegen 200 Long-Produkten auf die Aktie von Solarworld gekauft hatten, den SMI-Index deutlich.

Heute kostet Öl noch 42 Dollar, die oft fremdfinanzierten Solarprojekte spüren die Kreditklemme, und wo vor einem Jahr viele Subventionsmillionen die Solarbranche verzückten, unterstützen die Regierungen mittlerweile Banken, Autohersteller und deren Zulieferer. Die Kurse der Solarwerte brachen folglich seit letztem September überdurchschnittlich ein und rissen ihre Derivate mit.

Die Chancen stehen gut, dass sich dies wieder ändern wird, wenn auch nicht sofort. Die Barclays-Analysten stellen für das wichtige Produktionsland Deutschland fest, dass die Banken seit Mitte Januar die Konditionen ihrer Projektfinanzierung deutlich verbessert hätten. Hinzu kommen erhöhte Förderbudgets der Sparkassen. So liess das Management des Zulieferers Phoenix Solar verlauten, dass Banken jetzt wieder 75% der Projekte finanzierten. Zudem erwarten die Analysten der Commerzbank vom zweiten US-Konjunkturpaket positive Impulse für die Solarbranche - wenn auch erst gegen Ende des Jahres. Immerhin 8 Mrd Dollar sollen für Projekte im Bereich erneuerbare Energien bereitgestellt werden, weitere 3,4 Mrd Dollar sind auf Bundesstaatsebene vorgesehen.

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Konjunkturpakete kaum spürbar

Laut den Analysten der HSBC dürfte 2009 der Effekt der Infrastrukturmassnahmen dennoch kaum spürbar sein. Weil die Nachfrage nach Solarzellen abkühlt, erwarten sie aufgrund der Kapazitätsüberhänge bei den Herstellern einen Preisrückgang der Solarmodule um 20%. Den Firmen kommt zugute, dass die Preise für Silizium um 70% auf 125 Dollar pro Kilo gefallen sind.

Die Favoriten der Analysten sind Solarworld, Pfeiffer Vacuum und SMA Solar Technology. Für Q-Cells, einen weiteren Basiswert mit zahlreichen Hebel- und Anlageprodukten, sind die Analysten skeptisch. Die Experten der Commerzbank empfehlen die Aktie zum Kauf, womit Put-Strategien nahe liegen würden. Auch auf Solarworld ist eine breite Palette von Produkten erhältlich. Hier verweisen die Analysten von HSBC auf gesunde Bilanzverhältnisse und das 7 Mrd Dollar schwere Auftragsbuch. Die 90 Warrants auf Solarworld sind lediglich risikofähigen Anlegern, die sehr rasch reagieren können, zu empfehlen. Gut 100 Discounter stehen zur Auswahl, aber bei längst nicht allen dürfte die Rechnung der Anleger bei Laufzeitende aufgehen.

Defensivere Investoren sollten sich vielmehr an die Branchenindex-Tracker und Baskets halten. ABN Amro bietet die drei Indextracker SOLAR (in Franken), SOLEU (in Euro) und SOLUS (in Dollar) an. SOLAR ist in den letzten zwölf Monaten um 66% gefallen, der SMI um 31%. Die Differenzen zu den Euro- und Dollarvarianten bestehen aufgrund von Währungsveränderungen. Vergleichbare Produkte sind BKBSO, CESUN, JBSOL, SOLDE und SOLAF. Beim ZKB-Produkt SOWIN sind Firmen aus der Solar- und der Windenergiebranche vertreten.

Erholung bereits im 2. Semester?

Mögliche Buchverluste bei diesen Indextrackern können die Anleger bis Verfall aussitzen, wenn sie ein entsprechendes Anlageszenario haben, das auf eine Erholung dieser Werte in der 2. Jahreshälfte basiert. Anleger, die an eine Trendwende glauben, können die günstig gewordenen Preistracker auf dem Sekundärmarkt erwerben. Weniger komfortabel ist die Situation einiger Multi-Asset-Produkte, in denen drei Aktien aus derselben Branche vertreten sind. Hier wurden Barrieren oft bereits im letzten Sommer gerissen. Diese Produkte haben in den letzten zwölf Monaten teilweise noch mehr an Wert verloren als die einfachen Indextracker und Aktienbaskets ohne jegliche Struktur. Bereits kleine Erholungen können zum Abbau der Positionen bzw. zur Reduktion der Verluste genutzt werden.

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